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Anschläge in Nigeria: Ein verabscheuungswürdiger Akt gegen die Menschlichkeit
missio-Präsident Prälat Klaus Krämer verurteilt die Angriffe auf christliche Kirchen in Nigeria, bei denen 40 Menschen starben, und nimmt Stellung zu den Ereignissen.
28. Dezember 2011
Wie beurteilen Sie die Angriffe auf Kirchen in Nigeria zu Weihnachten?
Die Angriffe auf Christen in Nigeria sind ein verabscheuungswürdiger Akt gegen die Menschlichkeit. Sie sind das Werk verblendeter Terroristen, die - blind vor Hass - andere Menschen in den Tod reißen, um ihre politische Agenda zu propagieren. Die Christen in Nigeria haben mein tief empfundenes Mitgefühl in dieser schwierigen Zeit.
Was soll mit den Anschlägen bewirkt werden? Welche Gefahren bestehen?
Nigeria ist mit 144 Millionen Menschen der bevölkerungsreichste Staat Afrikas, in dem Christen und Muslime jeweils fast die Hälfte der Bevölkerung bilden. Die Muslime leben mehrheitlich im Norden des Landes, die Christen im Süden. Extremistische Kräfte attackieren gezielt Kirchen, um die Menschen gegeneinander aufzubringen, denn sie wissen Nigerianer sind sehr religiös. Sie säen Hass und Misstrauen, um den Staat zu destabilisieren und die noch relativ junge Demokratie zu schwächen. Wenn Nigeria weiter destabilisiert wird, könnte das ganz Westafrika in Mitleidenschaft ziehen.
Handelt es sich hier um einen Krieg der Religionen?
Sicher nicht, denn es geht hier nicht um Religion als solche. Die große Mehrheit der Muslime in Nigeria lehnt Boko Haram und ihre Terrorakte ab.
Unsere kirchlichen Projektpartner wie der Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, haben uns immer wieder über die Hintergründe der vielschichtigen Auseinandersetzungen in Nigeria berichtet. Oft werden unter dem Deckmantel religiöser Motive andere politische Motive verfolgt. Die Religion wird dafür missbraucht. Es geht um Machtverteilung, Einflussnahme und eine Destabilisierung des Landes. Leider hat der nigerianische Staat bislang kein Mittel gefunden, die extremistischen Kräfte erfolgreich zu bekämpfen. So besteht die Gefahr, dass, wenn es weiter Anschläge auf Gotteshäuser gibt, die Religionsgemeinschaften immer mehr gegeneinander aufgebracht werden.
Es gibt in Nigeria keine Kirche, die sich so sehr wie die katholische Kirche im christlich-muslimischen Dialog engagiert. Erzbischof Kaigama und andere kirchliche Oberhäupter setzen sich trotz aller Widrigkeiten für ein friedliches Zusammenleben aller Religionsgemeinschaften ein. Ihre Arbeit wird aber leider immer schwieriger, denn die Anschläge führen zu Misstrauen und großer Verunsicherung. Ich hoffe sehr, dass die friedliebenden Kräfte in Nigeria sich behaupten können.
Sehen Sie eine Zunahme der Verfolgung von Christen weltweit?
Es gibt keine verlässlichen statistischen Instrumente, die Aussagen, wonach es weltweit eine Zunahme der Verfolgung von Christen gibt, bestätigen könnten. Allerdings sind wir Dank des Internets heute jederzeit in der Lage, uns zeitnah über die Situation der Christen an praktisch jedem Ort der Welt zu informieren. Zudem haben Themen wie ‚Religionsfreiheit‘ , Einschränkung der Religionsfreiheit‘, ‚Diskriminierung von Christen‘, ‚Verfolgung von Christen‘ in den letzten Jahren in den Medien und auch in der Politik eine neue Bedeutung erfahren, die dazu geführt hat, dass regelmäßig über diese Themen gesprochen und berichtet wird. Das ist natürlich absolut zu begrüßen.
Daneben haben natürlich aber auch bestimmte politische Entwicklungen in den letzten Jahren den Eindruck bestärkt, Christen seien eine besonders verfolgte Gruppe. Denken wir etwa an den Irak: Hier sind Christen tatsächlich in großer Zahl Opfer von Verfolgung geworden, nicht zuletzt auch, weil sie – in der Sache völlig abwegig - als ‚natürliche‘ Kollaborateure der ‚christlichen‘ amerikanischen Invasoren dargestellt wurden. Ein absolutes Drama, das bis auf den heutigen Tag nachwirkt, wenn wir an die christlichen Flüchtlinge aus dem Irak denken, die noch immer auf der Suche nach einer neuen Heimat sind.
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Linktipp:
» Lesen Sie hier, was der ehemalige Bischof von Maiduguri, Matthew Ndagoso (oben, jetzt Erzbischof von Kaduna), in der Ausgabe 5/2011 unseres Fachmagazin Forum Weltkirche über die Hintergründe der Gewalt in Nigeria sagt.