Heute ist es für Katholiken selbstverständlich, sich weltkirchlich zu engagieren. Junge Christen gehen als Missionare auf Zeit in alle Länder, in denen christliche Gemeinschaften aktiv sind. Vor 200 Jahren war das undenkbar. Die Fabrikantentochter Pauline-Marie Jaricot, deren Todestag sich am 9. Januar zum 150. Mal jährt, musste Wege finden, ihre Leidenschaft für die Mission zu leben – mit ungeahnten Folgen bis hin zu missio.
Anfangs verläuft ihr Leben genau so, wie es sich im 18. Jahrhun dert für eine Tochter aus gutem Hause gehört: Pauline-Marie Jaricot, die am 22. Juli 1799 als jüngstes von acht Kindern eines reichen Seidenfabrikanten in Lyon zur Welt kommt, genießt das elegante gesellschaftliche Leben und die Möglichkeiten, die ihr der Wohlstand der Familie bietet. Das Nesthäkchen wächst in einer liebe vollen, zutiefst christlichen Familie auf und zeigt sich schon als Kind sehr empfänglich für religiöse Erfahrungen. Doch nichts deutet darauf hin, dass Pauline das missionarische Handeln der Kirche schon bald revolutionieren wird.
Sie ist gerade siebzehn, als sie mit ihrem bisherigen Lebensstil radikal bricht. Nach eigenem Bekunden fällt ihr das zwar entsetzlich schwer. Aber als sie die Predigt eines Lyoner Priesters hört, kann sie nicht anders. Pauline selbst bezeichnet seine Worte als Wendepunkt, der sie alles in Frage stellen lässt, was ihr bis dahin wichtig war.
Schnell entwickelt die junge Französin einen hellwachen Blick für die elenden Lebensbedingungen, unter denen die Arbeiter im Zuge der industriellen Revolution leiden. Die überzeugte Katholikin sucht ihre eigenen Antworten und legt dabei ein enormes Organisationstalent an den Tag. Sie widmet sich der Armenfürsorge, organisiert Einkommen schaffende Maßnahmen für arbeitslose Mädchen, kümmert sich um Kranke und in Not geratene Menschen. Ihre Empörung über das Elend und die Verzweif lung der Arbeiter wird sich die Fabrikantentochter zeitlebens erhalten. Dabei ruhig zu bleiben, schreibt sie später, gelinge ihr oft nur, wenn sie sich alles in den Mund stopfe, was gerade zur Hand sei.
Bei allem sozialen Engagement spürt Pauline aber auch, dass das Elend der Armen tiefer geht und karitative Maßnahmen allein nicht genügen. Die Französische Revolution hat ihre Spuren hinterlassen. Die junge Frau, die für sich selbst den Weg des gottgeweihten, ehelosen Lebens wählt, will der geistlichen Dürre und spirituellen Not ihrer Zeit entgegenwirken. Gott den Platz in einer Gesellschaft zurückzugeben, die lebt, als gäbe es Gott nicht, wird zu ihrer Lebensaufgabe.
Der Himmel freue sich,