Das westlichste Land Afrikas steht am Scheideweg: Es ist politisch stabil, die Aidsrate ist niedrig, der Dialog der christlichen Minderheit mit der muslimischen Mehrheit funktioniert. Doch mehr als die Hälfte der Menschen leben unter der Armutsgrenze, in ländlichen Gebieten sogar bis zu 88 Prozent. Der Fischfang hat keine Zukunft. Da zwei Drittel des Senegal in der Sahelzone liegen, sind nur zwölf Prozent der Fläche landwirtschaftlich nutzbar. Seit 1970 leidet das Land immer wieder unter Hungerwellen. Junge Leute wandern ab, Familien zerbrechen. Die Kirche organisiert Hilfe, steht den Menschen zur Seite und unterstützt sie dabei, neue Wege zu gehen. Der Senegal ist im Jahr 2011 missio-Schwerpunktland. Unser besonderes Augenmerk gilt ihm zum Afrikatag im Januar und zum Weltmissionssonntag im Oktober 2011.
Der Senegal liegt im äußersten Westen Afrikas im Übergang der Sahelzone zu den Tropen. Östliches Nachbarland ist Mali. Im Norden grenzt der Senegal mit dem Grenzfluss Senegal an Mauretanien und im Süden an Guinea und Guinea-Bissau. Das Staatsgebiet des Senegals umschließt das ebenfalls am Atlantik liegende Nachbarland Gambia vollständig. Bei einer Fläche von 196.000 Quadratkilometern und knapp 12 Millionen Einwohnern leben etwa 60 Menschen auf einem Quadratkilometer. - Die Republik Senegal ist seit dem 20. August 1960 unabhängig von Frankreich.
Der Senegal – ein Land, zwei Gesichter
Wer den Senegal und die Menschen dort entdecken und verstehen möchte, dem mag ein Blick auf die Natur des westafrikanischen Landes weiterhelfen. Während der Regenzeit im Sommer blüht und grünt das Land, die Temperaturen steigen auf Werte weit jenseits der 45 Grad und die Luftfeuchtigkeit liegt bei gefühlten 200 Prozent. Jeder Schritt in der schwülen Hitze kostet Überwindung, Myriaden von Moskitos fallen über die Menschen her, das Leben kommt in Teilen des Landes komplett zum Erliegen. Im afrikanischen Winter jedoch, wenn die Sonne ihre Kraft nicht mehr ganz so erbarmungslos entfaltet, trocknet das Land aus.
Es ist die frappierende Gleichzeitigkeit von Gegensätzen, die den Senegal so anziehend und doch so unbegreiflich macht. Der Gegensatz zwischen Trockenheit und Tropen etwa. Oder die gleichzeitige Existenz von tief verwurzelter animistischer Tradition, gepaart mit einem tief empfundenen katholischen bzw. islamischen Glauben. Dinge, die sich anderswo ausschließen würden, werden hier zu einer bunten Vielfalt kombiniert.
Religion und Glaube spielen im Senegal eine entscheidende Rolle, auch und gerade er katholische Glaube. Das mag verblüffen, leben in dem kleinen Land im Westen Afrikas doch rund 95 Prozent Muslime. Nichtsdestotrotz hat der Katholizismus dort einen ausgezeichneten Ruf, katholische Schulen und Universitäten gelten als Ausbildungsplätze der Elite. Einen Kampf zwischen den Religionen gibt es nicht, es herrscht friedliche Koexistenz. Und so geht allmorgendlich der Ruf des Muezzins in das Geläut der Kirchenglocken über.
Vielleicht ist es genau das, was Westeuropäer von dem kleinen afrikanischen Land lernen können: nicht die Gegensätze zu suchen, sondern den anderen in seiner Andersartigkeit zu erkennen, zu akzeptieren und zu schätzen.