- Menschenrechtsstudie 34 -
Autor: Matthew Hasan Kukah (vormals Generalsekretär des Katholischen Sekretariats von Nigeria, Generalvikar der Erzdiözese Kaduna und Pfarrer der katholischen Pfarrei St.-Andreas, Kakuri, Kaduna)
Im Juli 2009 war die nigerianische Polizei zwei Wochen lang in Kämpfe mit Mitgliedern einer unter dem Namen Boko Haram bekannten islamischen Sekte verwickelt. Die Gewalt brach aus, nachdem die Mitglieder der sogenannten Sekte angeblich eine Polizeistation in Bauchi, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, angegriffen hatten. Plötzlich gab es ähnliche Gewaltakte von Sektenmitgliedern gegen die Öffentlichkeit in den Bundesstaatshauptstädten Maiduguri und Kano im Norden Nigerias. Während der gewaltsamen Zusammenstöße zwischen den Sektenmitgliedern und der Polizei wurden Tausende unschuldiger Menschen getötet oder zu Krüppeln gemacht, wurden Kirchen, Moscheen, Wohnungen und Unternehmen im Werte von hunderten Millionen Naira zerstört.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die von Boko Haram aufgeworfenen Probleme in engem Zusammenhang stehen mit Fragen der Identitätspolitik und dem Kampf um die Beanspruchung und Durchsetzung einer individuellen und gemeinschaftlichen Identität in einer sich wandelnden Welt. Es handelt sich auch um ein Symptom der Krise der Modernisierung. Allerdings ist es vor allem ein Weckruf für Nigeria und die Nigerianer, ihre staatsbürgerlichen Interessen über alle Partikularinteressen zu stellen. Vor dieser Herausforderung steht jetzt unsere junge, noch ums Überleben kämpfende Demokratie. Wir können stolpern und fallen, aber wir müssen unseren Einsatz für die hehren Prinzipien und die Herausforderungen beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft auf den Grundlagen einer säkularen, freien und gerechten Gesellschaft aufs neue beweisen.