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Ägypten: Viele Häuser wurden zu kleinen Kirchen

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Katja Nikles befragte Pater Rafic Greiche zur aktuellen Situation in Ägypten.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Kirchen wurden geschlossen und viele Häuser wurden zu kleinen Kirchen. Die Menschen begannen, von zu Hause aus zu arbeiten. Das war für viele nicht einfach, manche verloren ihren Job, andere litten, weil sie von einem täglichen Einkommen abhängig sind. Schulen wurden geschlossen und Lehrer und Eltern mussten gemeinsamen an Onlineangeboten für die Kinder arbeiten. Familien verbrachten mehr Zeit miteinander und mussten sich darauf einlassen, die gesamte Zeit zu Hause zu verbringen. Einige Leute waren auch ignorant und respektierten die Regeln und die soziale Distanz nicht, insbesondere während des Ramadan und der Feiertage. Viele wurden krank, Familien verloren ihre geliebten Angehörigen, der ehemalige Vikar unserer Kirche ist sehr krank.

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten für Ihr Land haben?

Die wirtschaftliche Situation verschlechtert sich zunehmend. Für Start-ups und kleine Unternehmen und Geschäfte ist es katastrophal, besonders wenn sie bereits verschuldet sind. Die armen Menschen, die von kleinen Tagesgeschäften abhängig sind, leiden besonders. Banken und die Regierung müssen neue Pläne entwickeln, um zu helfen. Wir hoffen, dass die Rückkehr des Tourismus in den kommenden Monaten der Wirtschaft helfen wird.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Christen in Ägypten haben sehr viel gebetet und besitzen einen starken Glauben in die Gnade unseres Herrn. Auch wenn die Kirchen geschlossen waren, wurden in den Häusern den ganzen Tag über Gebete abgehalten. Familien haben gemeinsam gebetet und zugleich die Gebete und die Liturgie online verfolgt. Aber sie haben ihre Kirche sehr stark vermisst und Sehnsucht danach gehabt, in der Kirche zusammenzukommen und die Eucharistie zu empfangen. Ärzte aus der Gemeinde haben freiwillig geholfen und die Priester haben nie aufgehört, sich um die Gemeindemitglieder zu kümmern. Manche waren krank und in der Lage, den Virus zu besiegen, andere starben. Christen haben generell einen starken Glauben, dass Gott ihnen hilft und Kraft gibt.

Foto: missio

Pater Rafic Greiche lebt in Ägypten und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerks Religionsfreiheit in der MENA-Region, das heißt in Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Nähere Informationen zum Netzwerk Religionsfreiheit finden Sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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