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Indien: Weltkirchliche Solidarität in Zeiten von Corona

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth befragte Cleophas Fernandes zur aktuellen Situation in Indien.

Inwiefern hat die COVID-19-Pandemie das Leben von Ihnen und den Menschen in Ihrer Nachbarschaft verändert?

Die COVID-19-Pandemie hat das Leben der Menschen in meiner direkten Nachbarschaft erheblich verändert. Sowohl auf nationaler Ebene als auch im Bundesstaat Maharashtra, in dem ich lebe, wurde eine weitreichende Ausgangssperre verhängt. Die meisten Menschen dürfen ihre Häuser kaum mehr verlassen. Gerade hier in Mumbai (Bombay), wo die meisten Häuser und Wohnungen sehr klein sind, trifft die Ausgangssperre die Menschen hart. Und da viele Menschen nicht arbeiten durften, fehlt es ihnen an Lebensmitteln. Dramatisch ist die Situation der zahlreichen Wanderarbeiter, die nun versuchen, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln heimzukehren. Dabei ereignen sich auch tödliche Unfälle. Vor Kurzem wurde eine Gruppe von Wanderarbeitern, die auf dem Weg zu ihren Familien nachts auf den Bahngleisen schlief, von einem Zug tödlich erfasst.

Welche weiteren Auswirkungen der Pandemie sind für Ihr Land in den nächsten Monaten zu erwarten?

Die Pandemie wirkt sich nicht zuletzt auf die seelische Gesundheit der Menschen in Indien aus. Menschen, die nicht über die nötige Resilienz verfügen, leiden besonders unter der unerwarteten Situation. Besonders die Unsicherheit, wie es weitergehen wird, macht vielen Menschen in Indien zu schaffen. Auch die wirtschaftliche Situation ist angespannt. Nur wenige Menschen können im Home-Office arbeiten. Und viele Betriebe kämpfen in dieser Situation um ihre Existenz. Wie soll ein Betrieb seinen Angestellten Gehälter auszahlen, wenn er keine Einnahmen generiert? Besonders dramatisch ist die Situation in den Slums, in denen Menschen dichtgedrängt beieinander leben. Hier wird sich das Virus vermutlich rasant ausbreiten. Die Regierung beschließt Maßnahmen, um das Schlimmste zu verhindern. Zunächst einmal ist die Ausgangssperre bis Ende Mai verlängert worden.

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in diesen Zeiten der Pandemie?

In Mumbai hat die Kirche von Anfang an Menschen aller Glaubensrichtungen und aller gesellschaftlichen Schichten Hilfe angeboten. Priester, Ordensleute und Laien haben nicht auf ihre eigene Sicherheit geachtet, sondern selbstlos geholfen. Das hat viele Menschen beeindruckt. Und auch künftig gilt: Wir dürfen unsere Augen nicht vor der Not der Armen verschließen. Es wurden viele innovative Wege gefunden, um Menschen in Not zu helfen. Trotzdem spüren die Menschen in Indien in diesen schwierigen Zeiten auch den Hunger nach spiritueller Nahrung. Hier ist die Kirche gefragt, die Menschen in ihrem Leben und Glauben zu unterstützen.

Cleophas Fernandes lebt in Indien und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerks Pastoral Asien. Foto: missio
Cleophas Fernandes lebt in Indien und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerks Pastoral Asien.

Das Netzwerk Pastoral Asien » ist ein Zusammenschluss der Direktorinnen und Direktoren zahlreicher asiatischer Pastoralinstitute.

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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