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Libanon: Weltkirchliche Solidarität in Zeiten von Corona

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Katja Nikles befragte Pater Raphael Zgheib zur aktuellen Situation im Libanon.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Die Pandemie hat das Leben der Menschen dahingehend verändert, dass sie nur noch daran denken, ihr eigenes Leben und das ihrer Liebsten zu erhalten. Die Maßnahmen, um der Pandemie zu begegnen, waren im Libanon sehr gut, aber die Armutsgrenze ist mittlerweile sehr hoch.

Die Wirtschaftskrise, in die der Libanon seit Oktober nach der Revolution gegen die Korruption im Land gestürzt ist, hat die Auswirkungen der Pandemie verstärkt und wirkt sich immer schlimmer auf das Leben der Menschen aus. Unter den Libanesen ist die Armut stark angestiegen. Das war vorher nicht so, und viele Menschen können sich nicht mehr genug Lebensmittel kaufen. Aber bis jetzt war Solidarität die Parole, und die Leute zögern nicht, denen zu essen zu geben, die nichts haben, während die Regierung fast gelähmt ist und die kirchlichen Initiativen zurückhaltend sind. Aber die Möglichkeiten der Menschen werden immer stärker eingeschränkt und sie kommen durch die Kapitalkontrollen nicht mehr an ihr Geld, das bei ihren Banken liegt.

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten für Ihr Land haben?

In den kommenden Monaten werden die Arbeitslosigkeit und die Armut die größten Probleme sein, mit denen Libanesen, aber auch Ausländer im Land – hauptsächlich aus Syrien, Äthiopien und Bangladesch – konfrontiert sind. Regierungs- und Nichtregierungsinstitutionen interessieren sich immer mehr für die Landwirtschaft und die Industrie, was bisher nicht zu den Prioritäten zählte, auch nicht für die Kirche, die viel Land im Libanon besitzt. Es werden Initiativen gestartet, um zu versuchen, die landwirtschaftlichen Flächen für das Überleben des libanesischen Volkes zu nutzen. Diese Entwicklung kommt ein wenig spät, aber sie ist für die Zukunft wegweisend.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Während dieser Zeit haben viele Menschen, auch in ihren Familien, die in den sozialen Netzwerken übertragenen Messen mitgefeiert. Für sie war das eine wichtige Hoffnungsquelle. Ihre Frömmigkeit hilft den Menschen dabei, im Gebet Hoffnung zu finden. Auch das Wort Gottes zu entdecken, ist Quelle der Freude. In unserer Situation wenden sich die Leute an Gott, um Kraft zu finden und weiterzumachen. Ich als orientalischer Christ denke, dass diese Seite fest in uns verankert ist. Was uns jedoch fehlt: Wir müssen zur konkreten Handlung übergehen und Solidaritätsinitiativen starten, damit der Glaube durch Taten verkörpert wird.

Foto: Armand Istanboulian / missio

Pater Raphael Zgheib lebt im Libanon und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerks Religionsfreiheit in der MENA-Region, das heißt in Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten. Nähere Informationen zum Netzwerk Religionsfreiheit finden Sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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