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Philippinen: Glaube - heilende Hilfe in der Zeit der Not

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Marita Wagner interviewt John Mishen aus China, der aktuell auf den Philippinen promoviert.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Ich stamme ursprünglich aus China, bin aber jetzt in Manila auf den Philippinen für mein Doktoratsstudium und andere Dienste stationiert. Als studierender Priester hier habe ich die Kämpfe der Menschen während dieser Covid-19-Pandemie persönlich miterlebt. Schulen und Kirchen waren geschlossen, Straßen und Einkaufszentren waren leer. Ich musste zu Hause bleiben und versuchen, auch ohne Zugang zur Bibliothek zu recherchieren. Während der Pandemie hatte ich eine Gruppe katholischer Gläubiger aus Wuhan, China, von wo aus sich Covid-19 ausgebreitet hatte, begleitet, mit denen ich täglich online eine Messe feierte und ihnen in Zeiten der Not online Beistand leistete. Während meines Aufenthalts in Manila sah ich, wie arme Familien nicht mehr in der Lage waren, ihre täglichen Bedürfnisse wie die Nahrungsversorgung zu bestreiten, vor allem, weil die Arbeit der Massen auf einer "keine Arbeit, kein Lohn"-Basis erfolgt. Mit der Großzügigkeit einiger chinesischer Spender und über den Charity Desk von Radio Veritas konnten wir mehr als 100 Tonnen Reis kaufen und die Hilfe auf einige Tausend arme Familien in den Gebieten von Manila ausdehnen. Und auch heute noch führen viele Gemeinden in Manila soziale Hilfsdienste für diese armen Menschen durch.

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten auf Ihr Land haben?

Da die Menschen in dieser Zeit der Pandemie immer noch ermutigt werden, zu Hause zu bleiben, ist ein anhaltendes Problem der Anstieg der häuslichen Gewalt im Bereich der Kirche und der Gesellschaft, vor allem innerhalb der Familie. Die Menschen werden möglicherweise voreingenommener gegeneinander. Es zeichnet sich eine Tendenz ab, der eigenen Familie Vorrang vor der anderen einzuräumen. Wirtschaftliche Probleme treten deutlicher hervor. Mehr Verbrechen ereignen sich, sowohl kriminelle als auch Cyber-Verbrechen. Auch gibt es Probleme mit Blick auf die psychische Gesundheit.

Bis jetzt sind wir alle unsicher, wann diese Pandemie enden wird. Da wir mit den Auswirkungen dieser Pandemie konfrontiert sind, sind die am stärksten betroffenen Menschen die Armen, weil sie ihre Lebensgrundlage verloren haben und nicht in der Lage sind, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Arme Menschen werden immer ärmer. Die Herausforderung besteht nun darin, wie die Kirche mehr Bedeutung erlangen kann, insbesondere im Hinblick auf das, was die Menschen jetzt erleben.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Der christliche Glaube sät Hoffnung. Abgesehen vom Aspekt des Glaubens brauchen wir Vorbilder, die den Glauben veranschaulichen, die Christus verkörpern. Dabei brauchen wir einander. Der christliche Glaube kann uns, so wichtig wie immer, zeigen, wie wir in unseren Beziehungen "gesund" sein können und was es bedeutet, in unserem Leben "glücklich" zu sein. Unsere Kirchen sind zwar geschlossen, aber unser christlicher Glaube ermöglicht es uns, in dieser schwierigen Zeit durch Gebet, Online-Dienste und den Austausch von Ressourcen miteinander präsent zu sein. In diesem Sinne könnte der christliche Glaube auch eine heilende Hilfe in dieser Zeit der Not, des Verlustes und der Panik durch die Pandemie sein.

Foto: missio

John Mishen ist ein Diözesanpriester aus der Diözese Zhaoxian, China. Er arbeitete von 2012 bis 2018 als Koordinator des Mandarin-Dienstes des Radiosenders Radio Veritas. Als Dozent hält er an der Universität von Sankt Thomas in Manila Vorlesungen zum Thema „Soziale und pastorale Kommunikation“. Zugleich promoviert er aktuell an besagter Universität. John Mishen ist der Gründer und nationale geistliche Leiter des Little Rock Scripture-Studienprogramms in China, dem über 40.000 Mitglieder angehören.

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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