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Philippinen: Weltkirchliche Solidarität in Zeiten von Corona

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth befragte Peter Pojol SJ zur aktuellen Situation in Indien.

Inwiefern hat die Covid-19-Pandemie das Leben von Ihnen und den Menschen in Ihrer Nachbarschaft verändert?

Bis Ende Mai war über den Großraum Manila eine zweieinhalb Monate andauernde Quarantäne ("Enhanced Community Quarantine") verhängt worden, was mit starken Einschränkungen der Mobilität, Aktivitäten und des gesamten gesellschaftlichen Lebens verbunden war. Andere Städte auf den Philippinen wurden in ähnlicher Weise unter Quarantäne gestellt. Die Beschränkungen verhinderten erfolgreich einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems, doch der Preis war für viele Menschen hoch. Während der Zeit der Quarantäne wurden arme Familien noch ärmer. Da sie keine Arbeit hatten, verdienten sie kein Einkommen und waren auf die ungerechte und unzureichende Unterstützung durch die Regierung angewiesen. Glücklicherweise hat die verzweifelte Lage dieser Familien bislang nicht zu gewalttätigen Ausschreitungen geführt, was zum großen Teil den zivilgesellschaftlichen Gruppen und ihren Hilfsmaßnahmen zu verdanken ist.

 

Welche weiteren Auswirkungen der Pandemie sind für Ihr Land in den nächsten Monaten zu erwarten?

Seit Anfang Juni hat Manila schrittweise einige Beschränkungen für den Großraum Manila gelockert, wobei die üblichen Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Gesichtsmasken oder die Beachtung sozialer Abstandsregeln weiterhin beibehalten wurden. Die meisten Unternehmen haben wieder geöffnet. Schulen werden hoffentlich bald folgen. Die Regierung wollte zunächst die Kirchen vorläufig geschlossen halten. Aber nachdem einige Bischöfe protestiert hatten, werden Kirchen für Versammlungen von begrenzter Größe früher oder später wieder geöffnet. Auch der öffentliche Verkehr bleibt zunächst weitgehend eingestellt, was das Leiden der armen Arbeiter noch verlängert. Es ist jedoch geplant, dass im Laufe dieses Monats der öffentliche Verkehr allmählich wieder den Betrieb aufnimmt. Es ist ein schwieriger Balanceakt, die Ausbreitung des Virus zu verhindern und die wirtschaftliche Not der Bevölkerung zu bekämpfen.

 

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in diesen Zeiten der Pandemie?

Der christliche Glaube inspiriert und fördert einen Geist der Nächstenliebe und den Einsatz insbesondere für die Schwächsten in der Gesellschaft in diesen Zeiten der Pandemie. Der nichtstaatliche Sektor, einschließlich der Kirche, hat zahlreiche Hilfsdienste initiiert. Diese reichen von groß angelegten Engagements bis hin zur Nachbarschaftshilfe. Innerhalb des abgeriegelten Campus der Universität Ateneo de Manila, wo ich als Direktor des East Asian Pastoral Institute  (EAPI) zusammen mit einer Reihe von Jesuiten, Seminaristen und Universitätsstudenten lebe, meldeten sich die Campusbewohner freiwillig, um improvisierte Gesichtsschutzschilde herzustellen und Schutzausrüstungen an die in zahlreichen Krankenhäusern tätigen Mitarbeitern des Gesundheitswesens zu schicken. Auch wurden Lebensmittelpakete für arme Familien zusammengestellt. Und das nicht nur bei uns: Insgesamt konnten über das Netzwerk der Jesuiten 125.000 Lebensmittelpakete an 250 Gemeinden verteilt und damit über eine halbe Million armer Filipinos unterstützt werden. Der Glaube lebt weiter!

Foto: missio

Peter Pojol SJ lebt in den Philippinen und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerk Pastoral Asien. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss der Direktorinnen und Direktoren zahlreicher asiatischer Pastoralinstitute. Nähere Informationen zum Netzwerk Pastoral Asien finden sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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