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Südsudan: Glaube - Fließende Quelle der Energie

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Dr. Marco Moerschbacher interviewt Fr. Morris Ibiko aus Yambio im Süd-Sudan.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Ich arbeite als Direktor des St. John’s Yambio Campus, eines neu eröffneten Campus der Katholischen Universität im Süd-Sudan. Wir hatten gerade unseren strategischen 10-Jahres-Plan fertig gestellt, als die Covid-19-Pandemie ausbrach. Dieses Dokument zu erarbeiten, war ein langer Prozess mit langen Sitzungen und zu verfassenden Texten. Mitten im Semester, am 20. März 2020, erließ die südsudanesische Regierung die Anweisung, sofort alle Lehr- und Bildungseinrichtungen zu schließen. Diese Maßnahme der Prävention sollte die weitere Ausbreitung des Virus eindämmen. Von dem Tag an wurden alle Aktivitäten auf dem Campus unterbrochen, und auch mein persönliches Leben auf den Kopf gestellt. Ohne Internetverbindung, ohne elektronische Ressourcen in der Bibliothek und ohne die Möglichkeit, Veranstaltungen online anzubieten, stehen Lehre und Studium still. Das gilt für fast alle Kindergärten, Grundschulen, weiterführenden Schulen und Universitäten im Süd-Sudan. Und es bleibt schwierig, sich ein klares Bild davon zu machen, wie Lehren und Lernen sinnvoll möglich sein werden, wenn die Schulen wieder öffnen.

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten auf Ihr Land haben?

Die Pandemie hat die einfachen Menschen im Süd-Sudan, die über keinerlei Arbeitsplatzsicherheit verfügen, schwer getroffen. Sie müssen sich jeden Tag abmühen, Brot auf den Tisch ihrer Familien zu bringen. Oft gehen sie leer aus und die Familien müssen hungern. Auch können sie es sich nicht leisten, Rechnungen für Gesundheitsvorsorge und medizinische Behandlungen zu bezahlen. Wenn die Situation andauert, wird dies sicher dazu führen, dass viele Schülerinnen, Schüler und Studierende die Schule bzw. Universität abbrechen werden. Dies wird zu einem Anstieg der Kriminalitätsrate beitragen. Alle spüren, dass die Unmöglichkeit, gefasste Pläne zu verwirklichen und Ziele zu erreichen, die jungen Leuten in Trauma, Angst, Depression und Verzweiflung stürzen wird.

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Der christliche Glaube ist die nach wie vor die fließende Quelle der Energie und des Trostes für die Menschen im Angesicht von Covid-19. In einem Land mit gar keinem Gesundheitssystem, auf das die Leute bauen können, wenden sich die Menschen Gott zu und bitten ihn, einzugreifen. Und sie treffen die wenigen Vorkehrungen, die ihnen zur Verfügung stehen. Da die Kirchentüren geschlossen bleiben, haben unsere Gläubigen ihre Familien zu Orten des Gebets, der Liturgie und der christlichen Unterweisung gemacht.

Foto: missio

Father Dr. Morris Ibiko ist Priester der Diözese Tambura-Yambio im Süd-Sudan. Mit missio ist er seit der Zeit seines Promotionsstudium an der Universität Nijmegen, Niederlande, durch Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten verbunden.

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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