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Tansania: COVID-19 wird eine Krise auf vielen Ebenen auslösen

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth befragte Dr. Aiden Msafiri zur aktuellen Situation in Tansania.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftlichen Aktivitäten gerade auch der Ärmsten der Armen in Tansania beeinträchtigt. Besonders betroffen sind diejenigen, die täglich um ihr Brot kämpfen müssen. Darüber hinaus hat die Pandemie aber auch zu psychologischen Stress, tiefer Hoffnungslosigkeit, Orientierungslosigkeit und Verzweiflung geführt. Ganz zu schweigen von den verheerenden Folgen der Pandemie für das Gesundheits- und Bildungswesen sowie für die wirtschaftliche Entwicklung in Ostafrika.

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten für Ihr Land haben?

Es ist abzusehen, dass die Corona-Pandemie zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit gerade auch unter jungen Menschen führen wird. Gerade im Bereich der Landwirtschaft dürfte 70 Prozent der Produktion in Tansania von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch wird die Pandemie die Qualität des Bildungssystems sowohl in methodischer als auch in inhaltlicher Hinsicht nachhaltig beeinträchtigen. Letztlich wird aber die gesamte Bevölkerung betroffen sein. Man darf nicht vergessen, dass nur ein Drittel der Menschen in Tansania über eine Krankenversicherung verfügen.  Covid-19 wird – dies kann ich jetzt schon sagen – sozioökonomische, kulturelle, politische, technologische und humanitäre Krisen in Tansania auslösen.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Der christliche Glaube ist vitalisierend für die Gläubigen hier in Tansania, auch wenn sie sich nicht in großen Kirchen, Kathedralen usw. treffen können. Derzeit entwickelt sich in Tansania ein neues Modell und eine neue Kultur des gemeinsamen Betens und Hoffens angesichts dieser lokal uns alle berührenden globalen Krise. Positiv ist dabei, dass der christliche Glaube einen neuen "Kairos" bietet, um auf diese Krise zu reagieren (Mt 8,1-4). Der christliche Glaube bildet das Fundament für Heilung, Trost und Solidarität mit und für die am stärksten betroffenen Menschen auf nationaler, regionaler und globaler Ebene. Er hilft uns, persönlich und kollektiv nachzudenken, umzudenken und zu reagieren. Der christliche Glaube fordert alle Gläubigen heraus, diesen "Kairos" in Zeiten von Corona in die Praxis umzusetzen (Praxeologie).

Foto: missio

Dr. Aiden Msafiri ist Dozent für Christliche Sozalethik, UN-Klimabotschafter Tansanias und Direktor des Kilimanjaro Consortium for Development and Environment (KCDE). Msafiri lebt in Tansania und arbeitet unter anderem an dem Forschungsprojekt „Schöpfungsspiritualitäten in Afrika, Asien und Lateinamerika“ mit, das in Kooperation mit missio realisiert wird. Nähere Informationen zum Forschungsprojekt „Schöpfungsspiritualitäten in Afrika, Asien und Lateinamerika“ finden Sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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