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Tschad: Krise in vielen Bereichen

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Katja Nikles befragte Pater Yves Djofang zur aktuellen Situation im Tschad.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Eine der größten Veränderungen, die ich bei Menschen beobachtet habe, ist die Angst, sich anzustecken, wenn man ins Krankenhaus geht. Das bedeutet zugleich, dass viele Menschen erst das Krankenhaus aufsuchen, wenn die Beschwerden sehr ernst sind. Dann haben die Familien oft auch nicht genug Geld, um schwierige Behandlungen zu bezahlen.

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten für Ihr Land haben?

Die erste Auswirkung, die wir beobachten, ist eine finanzielle Krise, die sowohl die Gesundheitseinrichtungen als auch die gesamte Gesellschaft betrifft. Es wird notwendig sein, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die ausländischen und inländischen Schulden stürzen den Tschad in eine wirtschaftliche Sackgasse. Die Unternehmen und Organisationen, die von dieser wirtschaftlichen Verlangsamung betroffen sind, werden ihre Angestellten auf die Straße setzen müssen.

Die zweite Auswirkung ist die Rückkehr zum „normalen Leben“, ohne große Vorbereitung, sodass es wahrscheinlich neue Kontaminationsquellen geben wird. Gute Regeln, die während des Beginns der Pandemie beachtet wurden, müssen beibehalten und gefestigt werden.

Die dritte Auswirkung ist im Gesundheitswesen zu spüren. Die Krise zeigt uns klar die Grenzen unseres Gesundheitssystems auf. Der Staat kann nicht allein eine ausreichende Antwort auf eine solch existentielle Krise liefern. Aber auch die privaten Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind sehr arm und in einer prekären Lage. Wenn die Pandemie den Tschad in ähnlicher Weise treffen sollte, wie es in westlichen Ländern der Fall ist, dann wäre das katastrophal.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Während der Pandemie hat der Glaube seine entscheidende Bedeutung im Leben der Menschen behalten, wenn nicht vergrößert. Man hat ein großes Verlangen nach Gott gespürt, als die Gotteshäuser schließen mussten. Die Menschen wünschten sich, wieder die Eucharistie feiern zu können. Viele haben unterschiedliche Gebetsformen entwickelt und sind in den sozialen Medien zusammengekommen. Die Menschen haben eine große Verletzbarkeit erfahren, und der Durst nach „etwas Größerem“ (Gott) war bemerkenswert. Niemand hat verstanden, warum der Menschheit so etwas widerfährt und warum es in der ganzen Welt so viele Opfer gibt, obwohl so viele Menschen mit Intelligenz gegen das Virus ankämpfen.

Foto: missio

Pater Yves Djofang SJ lebt im Tschad und leitet das jesuitische Universitätsklinikum Bon Samaritain in N’Djamena.

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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