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Massenproteste in Hongkong: Die Rolle der Kirche

Die Lage in Hongkong bleibt brisant. Viele Bürgerinnen und Bürger – vor allem auch junge Menschen - gehen auf die Straße, weil sie glauben, dort keine Zukunft mehr zu haben. Grund: Nachdem 1997 die frühere Kronkolonie Hongkong von Großbritannien an China zurückgegeben wurde, hatte die chinesische Regierung den Menschen dort für 50 Jahre (bis 2047) einen Sonderstatus mit umfassenden demokratischen Rechten versprochen. Diese Rechte sehen die Menschen nun bedroht. Christen aller Denominationen waren bei den Demonstrationen von Anfang an dabei. Das christliche Lied „Sing Hallelujah to the Lord“ wurde zur Hymne der Bewegung. Margarethe Rosskopf ist missio-Referentin und Expertin für Hongkong. Wir haben Sie um eine kurze Einschätzung gebeten.

Frau Rosskopf, welche Rolle spielt die Kirche während der Demonstrationen in Hong Kong?

Margarethe Rosskopf: Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Mitglieder der katholischen Kirche waren von Anfang an bei friedlichen Protesten mit engagiert. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern, Studentinnen und Studenten, die katholische Schulen und Universitäten besuchen, ist relativ hoch. Einige Schilderungen berichten, dass auch der Weihbischof von Hongkong (Msgr. Joseph Chi-shing, ein Franziskaner / Foto unten) an friedlichen Protesten teilgenommen und bis zum Parlament mitgegangen ist. Er sprach mit den jungen Menschen, gab ihrem Frust ein Ventil und ermahnte sie, sich bei allem berechtigten Protest stets friedlich zu verhalten. Dementsprechend ist er weiter aktiv. Da der Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde auch eine genuin spirituelle Komponente hat, bietet die Kirche allen, die dies möchten, Austausch und geistliche Begleitung an. Derzeit ist das Amt des Bischofs von Hongkong nicht besetzt (Bischof Michael Yeong Ming-cheung starb im Januar 2019); das Besetzungsverfahren läuft. Kardinal John Tong Hon (vorheriger und seit August 2017 emeritierter Bischof), setzt sich als derzeitiger Administrator für ein friedliches Verhalten ein. Ich denke, die Bischöfe in Hongkong, ihre Mitarbeiter und viele Laien tun, was sie können, denn es geht um die Zukunft der jungen Menschen. Sie werden sich ebenso um inhaftierte oder verletzte kümmern.

Foto: missio / catholic.org.hk
Einige Schilderungen berichten, dass auch der Weihbischof von Hong Kong Msgr. Joseph Chi-shing an friedlichen Protesten teilgenommen und bis zum Parlament mitgegangen ist.

Wie würden Sie die Kirchen und ihre Arbeit in Hongkong beschreiben?

Margarethe Rosskopf: Die Kirche in Hongkong ist eine sozial sehr engagierte Kirche. Sie ist auch im Bildungssektor sehr aktiv, der für Chinesen traditionell einen sehr hohen Stellenwert hat. Hier sind etliche diözesane und internationale Frauen- und Männerorden tätig. Sie engagieren sich in Hongkong und nehmen zugleich eine Brückenfunktion zu Festlandchina wahr. Verständnis zu wecken für die Situation dort ist ihnen ein wichtiges Anliegen. Ihre Arbeit wird sehr geschätzt.

Kurzinfo

Katholische Gemeinden organisieren derzeit Gebetsveranstaltungen für Frieden und Demokratie. Mehr als 83 Prozent der 7,3 Millionen Hongkonger gehören dem Buddhismus, Taoismus oder Konfuzianismus an. 5,1 Prozent der Bürger sind römisch-katholisch und 6,5 Prozent protestantisch.


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