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Initiative zum Frieden: Der Dialog des Lebens

Die letzte Etappe

Zwei bewegende Konferenztage liegen bereits hinter uns. Es wurde philosophiert, appelliert und Beziehung gebaut. Die Workshops laden die Teilnehmenden zum Mitmachen ein. Und das tun sie. Die Internationale Friedenskonferenz als Thinkpool und Plattform des Austauschs überwindet Grenzen. Länder- und Kulturgrenzen ebenso wie den eigenen Erfahrungshorizont. Mitdenken und Mitmachen erlaubt. Tag drei macht Lust auf mehr.

Friedensansätze in Westafrika

Am Vormittag geht es um Friedensprozesse in Westafrika. Eindrucksvoll erzählt Bischof Stephen Mamza von der Situation der Binnenflüchtlinge in der Diozöse Yola, Nigeria. Dreitausend kamen allein in der Kathedrale der Pfarrei unter. Nun geht es weiter. Jede Familie erhält ein Haus und ein Stück Land. Auch wenn der Terror der Boko Haram auf dem Rückzug ist, können nicht alle Menschen in ihre Heimat zurückkehren. Doch können sie in Yola ein neues Leben beginnen. „Frieden entsteht nur, wenn Menschen eine Perspektive haben“, erläutert missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener. Dafür stehen Partner wie Bischof Mamza ein. Neben der Bleibeperspektive braucht es aber auch Perspektiven des Zusammenlebens. „Boko Haram hat den Graben zwischen Christen und Muslimen geweitet. Wir aber wollen Christen, Muslime und Menschen verschiedener Stämme vereinen und in Frieden zusammenleben“, erklärt Bischof Mamza den Grundsatz der Adamawa Peace Initiative, die in Zusammenarbeit mit der American University of Nigeria (AUN) ins Leben gerufen wurde. Würdeträger christlicher Konfessionen, muslimischer Traditionen, verschiedener Ethnien sowie aus der Politik begegnen sich, um gemeinsam für Frieden einzustehen. An dieser Stelle wird Frieden lebendig.

Internationale Digitale Friedenskonferenz: Abschluss durch (v.l.n.r.) Johannes Duwe, Pfr. Dirk Bingener, Marita Wagner Foto: Andreas Steindl / Bistum Aachen / missio
Internationale Digitale Friedenskonferenz: Abschluss durch (v.l.n.r.) Johannes Duwe, Pfr. Dirk Bingener, Marita Wagner

Die Friedensinitiative in Nigeria ist eine von vielen Bewegungen, um Friedensprozesse anzustoßen. In den Workshops wurden weitere westafrikanische Beispiele vorgestellt, wo Menschen in Sachen Frieden vorangehen. „Es ist wichtig, diese Geschichten zu erzählen, um den Menschen das Gefühl der Ohnmacht zu nehmen“, erklärt Pfarrer Bingener die Essenz der heutigen Vorträge. In einer Zeit, in der uns in den Nachrichten und dem eigenen Umfeld Not und Unfriede begegnet, macht sich leicht Ratlosigkeit breit. „Es geht darum, Menschen konkrete Wege zu zeigen, wie sie Friedensprozesse unterstützen können“, so Bingener weiter. Dabei sei es egal, ob man nun missio oder sonst eine Organisation unterstütze. Gelächter im Raum. Schmunzelnd korrigiert Bingener, dass missio aber ein guter Tipp sei. Allenfalls wird deutlich, dass es hier nicht in erster Linie um die eigene Publicity geht, sondern dass Frieden ein übergeordneter Wert ist, für den es unbedingt zu kämpfen gilt. Gemeinsam mit den vielen Partnerinnen und Partnern im Netzwerk der kirchlichen Organisationen und der Zivilgesellschaft.

Rückblick

Zum Abschluss wird zurückgeblickt auf drei Tage intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema Frieden. Die Kernbotschaften: Frieden ist ein Prozess und braucht den Dialog des Lebens; den Dialog über religiöse, ethnische und persönliche Grenzen hinweg. Es braucht das Miteinander, denn alle stehen in einem größeren Zusammenhang. Frieden will gelernt sein und ist ohne einen lebenslangen Lernprozess undenkbar. Und durch alle Themen zieht sich die Erkenntnis, welche Kraft den Religionen zur Gestaltung dieses Friedensprozesses innewohnt.

Zur Veranschaulichung der Inhalte der Friedenskonferenz werden die Ergebnisse des graphic recording präsentiert und das Feedback der Teilnehmenden über Mentimeter visuell dargestellt. Es wird technisch aus dem Vollen geschöpft. Denn auch, wenn Corona das Format auf den Kopf gestellt hat, soll das Thema Frieden mit allen Sinnen erlebbar sein.

Internationale Digitale Friedenskonferenz: Graphic Recording Foto: Andreas Steindl / Bistum Aachen / missio
Internationale Digitale Friedenskonferenz: Graphic Recording

Die Friedenskonferenz geht zu Ende

Und dann geht sie zu Ende. Eine Zeit, in der diskutiert, sich gesorgt und gegenseitig ermutigt wurde. Eine Zeit, die ein Statement gesetzt hat, gemeinsam für Frieden einzustehen. Erleichterung macht sich auf den Gesichtern der Mitwirkenden breit. Es war ein gelungenes Miteinander. Doch auch ein wenig Wehmut schwingt mit. Es stellt sich die Frage, was bleibt. Das Fazit: Kein Friede ohne Menschen, die die Initiative ergreifen. Jetzt sind Sie und ich gefragt.


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