Ich wusste, dass dieser nächste Einsatz etwas Besonderes werden würde. Zumindest für mich. Ich packte die Kamera ein, stieg in den nächsten Bus zur Innenstadt und wartete ungeduldig auf meine Haltestelle. Ein paar Minuten später bog ich, den Aachener Dom vor Augen, in eine kleine Seitenstraße ein und trat in den winzigen, warmen Weltladen Weltweit am Dom.
Ich war gekommen, um Krippen zu fotografieren – für eine Ausstellung, die vom 24. November bis zum 6. Januar zu sehen sein wird. Mehr als hundert handgefertigte Szenen aus über dreißig Ländern, viele davon entstanden in Regionen, die vom Krieg verwundet oder von Armut geprägt sind.
Wer den Laden betritt, muss unweigerlich lächeln. Nicht, weil etwas komisch wäre, sondern weil irgendwo im Innern eine Saite zu klingen beginnt: eine Erinnerung an Kindheit, Vorfreude, den nahenden Glanz von Weihnachten und Neujahr.
Die Augen beginnen sofort zu jagen, begierig, nichts zu verpassen: eine Miniatur, eingraviert in die Schale eines Wachteleis; eine winzige Szene im Inneren einer streichholzgroße Schachtel; ein wuchtiges Ensemble aus Peru, in dem Figuren wirbelnd erscheinen. Ein Ensemble aus Glas aus Indonesien, eine Strohmotiv aus Mexiko – jedes Regal öffnet sich wie ein neues Kapitel.
Plötzlich wird der Laden zu einem lebendigen Kaleidoskop aus Handwerk. Krippen aus Keramik, aus einer Masse aus Stärke, Kartoffelmehl, Maismehl und etwas Gips, andere aus geschnitztem Holz, Granit, Altmetall oder Papier; Stücke aus Burkina Faso, Peru, Tansania, Vietnam, Ghana, Chile und vielen anderen Ländern. Jede erzählt eine andere Geschichte, und doch tragen sie alle dieselbe Botschaft: Eine Hoffnung, die nicht aus Besitz entsteht, sondern aus Nähe, Mitgefühl und Solidarität.
Darum trägt die Ausstellung den Titel „Pilger der Hoffnung“ – ein Motto, das die katholische Kirche für das Heilige Jahr 2025 gewählt hat und das Papst Leo XIV., ebenso wie einst Papst Franziskus, als Einladung versteht, die Hoffnung gerade in brüchigen Zeiten neu zu suchen.
Thomas Bürgerhausen, der Leiter des Weltladens, erzählt mir, dass viele Besucher zunächst glauben, in einem Souvenirladen gelandet zu sein. Erst nach ein paar Minuten begreifen sie, dass hier etwas anderes geschieht. Das Team erklärt ihnen, wo die Krippen herkommen, wie sie den Partnern von missio in Regionen helfen, in denen Armut keine Theorie, sondern tägliche Wirklichkeit ist – und wie ein fairer Lohn dort Leben stabilisieren kann.
„Die Menschen spüren es“, sagt Thomas Bürgerhausen. „Es ist etwas anderes als das, was ein 3-D-Drucker aus China ausdruckt. Die Menschen merken das – und deswegen kaufen sie es. So funktioniert das hier seit vielen Jahren. Ich nenne es Kreislauf des Guten“.
Es gebe sogar Sammler, sagt er, die zuhause mehr als tausend Krippen hätten. Er sagt das nicht erstaunt, sondern eher mit einer leisen Zuneigung dafür, wie weit diese Tradition wandert – und wie sie Wurzeln schlägt, wo man es nicht erwartet.
Während ich fotografiere, denke ich immer wieder an die Hände, die diese Krippen hergestellt haben, und an die Hände, die sie später berühren werden. Eine Krippe erzählt am Ende immer die gleiche Geschichte: dass etwas Heiliges dort erscheint, wo man es kaum vermutet hätte.
In diesem kleinen Laden am Aachener Dom, den missio Aachen, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und das Bistum Aachen seit drei Jahrzehnten gemeinsam tragen, fühlt sich diese Geschichte – umgeben von Werken, die aus Not entstanden und von Hoffnung durchdrungen sind – überraschend lebendig an.
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