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„Lächeln kann viel bewirken“

Regina Illemann über Mutter Teresa und die missio-Ausstellung

Eine Person mit kurzen Haaren sitzt auf einer Bank und hält eine pinke Broschüre in der Hand. Im Hintergrund sind mehrere Informationsbanner aufgestellt, die Fotos und Texte zeigen, möglicherweise über Mutter Teresa. Der Raum hat eine helle Backsteinwand und einen quadratischen Boden.
Dr. Regina Illemann mit der von missio produzierten Postkarte „Lächeln erzeugt Lächeln“ in der Mutter-Teresa-Ausstellung.

Über Jahrzehnte hinweg war Mutter Teresa eines der bekanntesten Gesichter des Katholizismus. Ihr Einsatz für Kranke und Sterbende in Kalkutta machte sie zu einem weltweiten Symbol der Nächstenliebe und des Dienstes an den Ärmsten.  Am 4. September 2016, fast zwei Jahrzehnte nach ihrem Tod, sprach Papst Franziskus Mutter Teresa heilig. Anlässlich des zehnten Jahrestags ihrer Heiligsprechung widmet missio Aachen Mutter Teresa in diesem Jahr eine Ausstellung. Die Koordinatorin Regina Illemann spricht über die heiliggesprochene Ordensfrau und darüber, welche Bedeutung die Botschaft Mutter Teresas heute noch haben kann.

Warum ist Mutter Teresas Botschaft der Nächstenliebe gerade heute wieder so aktuell?

Die Welt verändert sich für viele Menschen in beunruhigender Weise. Und die Mitmenschlichkeit, die Nächstenliebe, bleibt oft, so hat man den Eindruck, auf der Strecke. Dem wollen wir etwas entgegensetzen. Wir wollen sagen: Trotzdem müssen wir die Menschen in den Blick nehmen. Wir brauchen auch heute Nächstenliebe. Und dafür haben wir Mutter Teresa als Verbündete.

Die Ausstellung wurde bereits in Neuhof bei Fulda eröffnet. Wie haben Sie diesen ersten Ausstellungsort erlebt?

Die Ausstellung wurde am 26. August, dem Geburtstag von Mutter Teresa, in einem Seniorenhaus in Neuhof (Gemeinde im Landkreis Fulda in Osthessen) bei Fulda eröffnet. Das Haus trägt den Namen Mutter-Teresa-Haus, da gibt es also eine ganz innige Verbindung. Die Eröffnung fand im Rahmen der wöchentlichen Messfeier statt, und der Gemeinschaftsraum war voll: 70 bis 80 Menschen, viele mit Rollatoren, einige im Rollstuhl, aber auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die dem Haus verbunden sind. Sie führen auf ihre Weise Mutter Teresas Wirken fort, indem sie Menschen, die Unterstützung brauchen, diese Unterstützung geben, mit ganz großer Freundlichkeit und Herzlichkeit. Diese Atmosphäre von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mitzuerleben und dort mitfeiern zu dürfen, war für mich ein ganz großes Geschenk.

Ein Raum mit vielen älteren Menschen, die in Sitzen platziert sind. Eine Person steht am Rednerpult und spricht. Im Hintergrund sind Rollatoren und ein großes farbigen Fenster zu sehen, das möglicherweise eine poetische oder religiöse Darstellung zeigt.
Eröffnung der Mutter-Teresa-Ausstellung am 26. August im Seniorenpflegeheim Mutter Teresa in der Gemeinde Neuhof (Bistum Fulda).

Die Ausstellung zeigt großformatige Fotografien von Karl-Heinz Melters, den damaligen missio-Fotografen. Welche Geschichte steckt hinter diesen Bildern?

Mutter Teresa wurde eigentlich gar nicht gerne fotografiert. Karl-Heinz Melters ist ihr auf seinen Reisen mehrfach begegnet und durfte sie fotografieren. Bei der ersten Begegnung wollte er eines ihrer Häuser besuchen und traf dort zufällig auf sie. Bevor er seine Kamera auspacken und Fotos machen durfte, hat sie ihm erst einmal Arbeit zugewiesen. Er sollte sich eine Stunde lang um Sterbende kümmern. Danach durfte er fotografieren.

Was sagt diese Begegnung mit dem Fotograf für Sie über Mutter Teresa aus?

Ich stelle mir vor, dass sie so erfüllt davon war, dass diese Menschen Hilfe brauchen, dass sie einfach möglichst viele Menschen dazu bringen wollte, sich ihnen zuzuwenden, wirklich auch im kränksten und schwächsten Menschen noch den Menschen zu sehen. Ich glaube, sie wollte möglichst viele Menschen motivieren, ihr Werk mitzutragen.

Eine besondere Rolle spielt dabei der Satz Mutter Teresas: „Lächeln erzeugt Lächeln.“ Warum?

Ein Lächeln wirkt so klein, aber wir alle wissen, wie wichtig es sein kann, dass mich jemand anlächelt. Zum Lächeln kann ich mich immer entschließen. Es ist fast immer möglich und hat eine gute Wirkung. Es zeigt meinem Gegenüber: Du bist nicht allein. Und wenn ich angelächelt werde, zeigt es mir: Ich bin nicht allein. Das kann schon Hoffnung geben und Kraft für das Nächste, was zu tun ist.

Was können wir darüber hinaus heute von Mutter Teresa lernen?

Ich glaube, wir können von ihr lernen, dass es schon die kleinen Dinge sind, die Veränderungen bewirken: dass ich bei jemandem sitzen bleibe, der gerade weint. Dass ich jemandem ein Glas Wasser bringe. Dass ich jemandem, der hungrig ist, wirklich etwas zu essen gebe. Die kleinen Dinge wichtig nehmen – das ist das, was für mich aus ihrem Lebenswerk spricht. Die kleinen guten Taten.

Was verbindet Mutter Teresa und missio Aachen?

Nächstenliebe ist das große Thema, das im Zentrum der Arbeit von missio Aachen steht. Mutter Teresa hat in einzigartiger und bis heute weiterwirkender Weise ihr Lebenswerk darauf aufgebaut, den Ärmsten der Armen die Hand zu reichen und ihnen ins Gesicht zu schauen. Auch durch ihre eigenen Glaubenskrisen hindurch hat sie diese Verbindung zum Mitmenschen, diese Nächstenliebe, durchgetragen.

Einige Motive aus der Mutter-Teresa-Ausstellung

Gibt es etwas in Mutter Teresas Leben, das Sie persönlich besonders beeindruckt?

Sie als Ordensfrau ist in einen Orden eingetreten und wollte Missionarin werden. Und dann gemerkt hat: Das ist noch nicht alles. Irgendetwas anderes wird von mir verlangt. Etwas, das es so noch nicht gibt. Dass sie dieses Darüber-hinaus, dieses Neue gewagt hat, finde ich bewundernswert. Sie hat etwas von der frohen Botschaft Jesu verstanden und das ganz konsequent in ihrem Leben umgesetzt.

Mutter Teresa arbeitete im religiös vielfältigen Indien. Was bedeutet ihr Umgang mit Menschen anderer Religionen für Sie?

Sie ist den Menschen ohne Ansehen der Religion begegnet. Auch das finde ich ein ganz wichtiges Zeichen in ihrem Leben und ein Vorbild für heute: dass wir als Christen nicht nur für die Christen da sind, sondern für die Menschen. Weil Gott die Menschen liebt und uns zu den Menschen sendet.

Gab es bei der Vorbereitung der Ausstellung etwas, das Sie selbst neu entdeckt haben?

Für mich war tatsächlich dieser Gedanke des Lächelns neu. Dass dieser Gedanke so nah bei mir persönlich sein kann, ist etwas Neues für mich. Diese Aufforderung: Wenn du nichts anderes weißt, dann lächle doch dem anderen Menschen erst einmal zu.

Lächeln Sie seitdem selbst mehr?

Ich selbst lächle jetzt auch viel mehr.

Wenn Besucherinnen und Besucher nach der Ausstellung nur einen Gedanken mit nach Hause nehmen, welcher sollte es sein?

Lächeln kann viel bewirken.

Weitere Informationen

… zur Ausstellung „Missionarin der Nächstenliebe - Heilige Mutter Teresa von Kalkutta“, die Sie auch gerne ausleihen können, finden Sie hier:


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