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Zum 100. Geburtstag von Papst Johannes Paul II.

Heute vor 100 Jahren wurde Karol Wojtyla in der Nähe von Krakau geboren. Besser bekannt ist er natürlich unter seinem Papstnamen Johannes Paul II. Vom 16. Oktober 1978 bis zu seinem Tod am 2. April 2005 dauerte sein Pontifikat, das zweitlängste der Geschichte. Wir erinnern uns heute an ihn und vor allem an unserem Besuch in Rom im Jahre 2001, wo der Papst uns empfangen hat. Seine Ansprache an uns ist uns bis heute Motivation für unsere Arbeit bei missio. Sie erschien in der römischen Zeitung L'Osservatore Romano, deren Artikel wir hier noch einmal zur Verfügung stellen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Mit großer Freude heiße ich euch willkommen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von missio Aachen, die ihr in diesen Tagen nach Rom gepilgert seid. Einen besonderen Gruß entbiete ich eurem Präsidenten, Pater Hermann Schalück, der euch auf eurem geistlichen Weg durch die ewige Stadt begleitet. Wenn ich meinen Blick auf euch richte, dann kommen mir unweigerlich die großen und unschätzbaren Verdienste in den Sinn, die sich die Päpstlichen Missionswerke in Deutschland erworben haben. So mache ich mir für meinen Gruß gern die Worte zu eigen, die der Völkerapostel Paulus an die Thessalonicher gerichtet hat: „Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken; unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standfestigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn“ (1 Thess 1,3). Ja, Glaube, Hoffnung und Liebe haben es bewirkt, dass missio Aachen im Lauf seiner Geschichte zu einem Meisterstück der missionarischen Kirche geworden ist.

 

Foto: KNA
Papst Johannes Paul II.

Wie aus dem Programm eurer Pilgerreise hervorgeht, erwartet ihr von eurem Besuch an den Gräbern der Apostelfürsten vor allem auch geistliche Impulse für euer weiteres Wirken. Gern ergreife ich deshalb die Gelegenheit, euch im Hinblick auf eure kirchliche Sendung an manches „zu erinnern, obwohl ihr es schon wisst und in der Wahrheit gefestigt seid, die ihr empfangen habt“ (2 Petr 1,12). In der modernen Welt erliegt der Mensch leicht der Gefahr, den Fortschritt auf die horizontale Dimension zu verengen. Doch was wird aus dem Menschen, wenn er sich nicht auch nach oben, auf das Absolute hin, ausstreckt? Eine „neue Menschheit“ ohne Gott ist schnell am Ende, wie die Blutspuren zeigen, die uns die Geschichte der Ideologien und totalitären Regime des vergangenen Jahrhunderts hinterlassen hat. Daher haben die Christen des eben begonnenen dritten Jahrtausends mehr denn je „die wunderbare und anspruchsvolle Aufgabe, der Widerschein des Lichtes Christi zu sein. (…) Das ist eine Aufgabe, die uns bangen läßt, wenn wir auf die Schwachheit blicken, die uns so oft glanzlos macht und Schatten auf uns wirft. Doch die Aufgabe ist lösbar, wenn wir uns dem Licht Christi aussetzen und es fertigbringen, uns der Gnade zu öffnen, die uns zu neuen Menschen macht“ (Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, Nr. 54).

Papst Johannes Paul II. im Gespräch mit missio-Präsident Pater Hermann Schalück ofm. Foto: missio Aachen
Papst Johannes Paul II. im Gespräch mit missio-Präsident Pater Hermann Schalück ofm.

Vor diesem Horizont, dem Christus, die Sonne unseres Heils, einen Glanz verleiht, gewinnt ein „Zeichen der Zeit“ Konturen, das wieder neu gelesen und geschätzt werden muss: Die Kirche hat eine missionarische Sendung gegenüber den Völkern, der sie sich nicht entziehen darf. Zu den vordringlichsten Aufgaben der missio ad gentes gehört in der Tat die Verkündigung, dass der Mensch auf der Suche nach Freiheit und Sinn die Fülle des Lebens im Mysterium Jesu Christi findet, der ihm „Weg, Wahrheit und Leben“ ist (Joh 14,6). Daher kann Mission sich nicht nur als Entwicklungshilfe begreifen, sondern muss in erster Linie Verkündigung des Evangeliums sein in Wort und Leben. So drücke ich euch, den Vertretern von missio Aachen, meine Anerkennung und Wertschätzung dafür aus, dass ihr euer Tun stets vordringlich als Werk der Glaubensverbreitung angesehen habt und auch in Zukunft an dieser Ausrichtung festhalten wollt. Sicher ist die missionarische Kirche zu Recht an vielen Fronten engagiert, wenn sie sich einsetzt für die Linderung materieller Not und die Befreiung der Bedrängten, für die gerechte Verteilung der irdischen Güter und die Verteidigung der Menschenrechte. Doch ihre primäre Aufgabe ist eine andere: Die Armen hungern nicht nur nach Brot und Freiheit, sie lechzen vor allem nach Gott. Denn „der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4).

Foto: missio Aachen
Papst Johannes Paul II. bei einem Besuch in Asien.

Dank der Großzügigkeit von unzähligen Gläubigen gelingt es euch Verantwortlichen von missio Aachen, sowohl die materiellen als auch die spirituellen Bedürfnisse in verschiedenen Missionsgebieten rund um den Erdball zu befriedigen. Bei den einzelnen Projekten handelt es sich nicht nur um die Errichtung und Ausstattung von Kirchen, Schulen und Wohnungen, sondern auch um die Förderung von Caritas, Erziehung und Bildung mit dem Ziel, die personale Würde aller Menschen, besonders der Kinder und Frauen, zu stärken. So ist es bei der materiellen Unterstützung wichtig, auf den Geist zu achten, mit dem man gibt. Die Großzügigkeit des Gebens wird immer aus dem Glauben heraus zu erhellen und am Maßstab der Liebe zu messen sein. Nur dann ist geben seliger als nehmen. An der Mission mitwirken heißt fähig sein, nicht nur zu geben, sondern auch zu empfangen. Gerade die Geschichte eurer Einrichtung zeigt, dass Missio gelingt, wenn sie in der Communio wurzelt. Alle Teilkirchen – die jungen ebenso wie die alten – sind aufgerufen, für die Erfüllung ihrer umfassenden Sendung zu geben und zu empfangen. Die Kirche als Communio ist ja eine Gemeinschaft, die vom gegenseitigen Austausch ihrer Gaben lebt, wie es das Zweite Vatikanische Konzil eindrucksvoll beschrieben hat: “Kraft der Katholizität bringen die einzelnen Teile ihre eigenen Gaben den übrigen Teilen und der ganzen Kirche hinzu, so dass das Ganze und die einzelnen Teile zunehmen aus allen, die Gemeinschaft miteinander halten und zur Fülle in Einheit zusammenwirken“ (Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 13).

Die Zahl der Menschen, die noch nichts von Christus gehört haben, ist noch immer unendlich groß. Die kulturellen Räume, die von der Verkündigung vom Mysterium des Heils noch nicht erreicht wurden, sind so ausgedehnt, dass sie die Communio der Kirche mit all ihren Kräften einfordert. So besteht die Mission der Kirche im angebrochenen dritten Jahrtausend darin, den apostolischen Eifer zu nähren, um das Licht und die Freude der Frohen Botschaft an jene weiterzugeben, die noch nicht wissen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist, um alle Menschen zu retten (vgl. Tit 2,11; 3,4). Für diese Sendung der Kirche leistet missio Aachen einen hochherzigen und wertvollen Beitrag. Mit einem Dank an Gott, dass es die Einrichtung gibt, empfehle ich alle, die ihr durch Tätigkeit, Spenden und Gebet verbunden sind, der Jungfrau Maria und erbitte ihnen ihren mütterlichen Schutz. Gern erteile ich den Apostolischen Segen.

Castelgandolfo, am 3. September 2001
(Orig. dt. in L'Osservatore Romano 03./04.09.2001)


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