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Ebola in Goma: Wie die Krise Alltag und kirchliches Leben verändert

Ein Mann mit kurzem, krausem Haar sitzt an einem Tisch. Er trägt ein weißes Hemd und hat eine Armbanduhr an. Er schaut direkt in die Kamera und hat seine Hände auf dem Tisch gefaltet. Der Hintergrund ist in neutralen Farben gehalten.
Anderson Makenzi Nzanzu aus Goma promoviert an der Katholischen Universität des Kongo in politischer Philosophie.

Die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo trifft auf eine Region, die seit Jahren von Konflikten, Vertreibung und wirtschaftlicher Not geprägt ist. Anderson Makenzi Nzanzu aus Goma ist Stipendiat des Missionswissenschaftlichen Instituts im missio e.V. in Aachen und promoviert an der Katholischen Universität des Kongo in politischer Philosophie. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf Krieg, Frieden und Sicherheit in Zentralafrika. Die Auswirkungen der aktuellen Krise erlebt er unmittelbar vor Ort.

 

Im Interview berichtet er über die Sorgen der Bevölkerung, die schwierige Lage der Gesundheitseinrichtungen und darüber, welche Unterstützung jetzt besonders dringend benötigt wird:

Wie würden Sie die aktuelle Situation in Goma und der umliegenden Region beschreiben? Was hat sich in den vergangenen Wochen verändert, und was sind derzeit die größten Sorgen der Bevölkerung?

Das erneute Auftreten der Ebola-Viruskrankheit im Osten der Demokratischen Republik Kongo, gekennzeichnet durch einen bestätigten Fall in Goma und weitere Fälle in den umliegenden Gesundheitszonen, hat in der Bevölkerung erneut ein Klima der Sorge und Angst ausgelöst. Diese neue Gesundheitswarnung trifft auf eine Situation, die bereits von erheblichen Sicherheitsproblemen, einer schweren Wirtschaftskrise und einer prekären humanitären Lage geprägt ist.

In einer Region, die unter der Kontrolle der AFC-M23 (politisch-militärisches Rebellenbündnis; kontrolliert das große Teile im Osten der Demokratischen Republik Kongo, darunter Goma, Anm. d. Red.) steht und in der die Banken sowie der internationale Flughafen weiterhin geschlossen sind, haben zahlreiche Haushalte Schwierigkeiten, ihren täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Für die Mehrheit von ihnen hat das wirtschaftliche Überleben unmittelbare Priorität. Dies führt mitunter zu Misstrauen gegenüber den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie, die in einem ohnehin bereits stark beeinträchtigten Umfeld als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden.

Die Besorgnis hat zudem zugenommen, nachdem der Tod mehrerer aus Goma stammender Personen bekannt wurde, die sich in Ituri und anderen von der Epidemie betroffenen Gebieten aufhielten oder dort beruflich tätig waren. Diese Ereignisse haben die Wahrnehmung des Risikos innerhalb der lokalen Gemeinschaften verstärkt.

Als Reaktion darauf haben die Gesundheitsbehörden, humanitäre Organisationen, lokale Führungspersönlichkeiten und Medien ihre Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen intensiviert. Diese Bemühungen werden jedoch durch einen chronischen Mangel an finanziellen und logistischen Ressourcen erschwert. Zahlreiche Gesundheitseinrichtungen sind weiterhin nicht ausreichend ausgestattet, um Prävention, Früherkennung und die Versorgung möglicher Fälle wirksam zu gewährleisten. Gleichzeitig beeinträchtigen Desinformation und Gerüchte weiterhin die Akzeptanz der Maßnahmen in Teilen der Bevölkerung.

Der einzige bestätigte Fall in Goma wurde inzwischen als genesen gemeldet. Dennoch befindet sich die Stadt weiterhin in höchster Alarmbereitschaft, da das Risiko besteht, dass aus den benachbarten Gesundheitszonen, mit denen weiterhin ein reger Personen- und Warenverkehr stattfindet, neue Fälle eingeschleppt werden. Nach den jüngsten verfügbaren Daten wurden im Rahmen der Epidemie insgesamt 4.053 bestätigte Fälle registriert, darunter 793 Genesene und 1.850 Todesfälle. Obwohl derzeit in Goma keine aktiven Fälle verzeichnet werden, bleibt das Risiko hoch. Daher sind eine verstärkte epidemiologische Überwachung, eine bessere Vorbereitung der Gesundheitseinrichtungen und eine stärkere Einbindung der Bevölkerung erforderlich.

Wie hat sich der Ebola-Ausbruch auf den Alltag in Ihrer Gemeinschaft ausgewirkt? Haben Sie Veränderungen bei den täglichen Gewohnheiten der Menschen, beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Schulen und Märkten oder beim gesellschaftlichen Leben festgestellt?

In Goma hat die Bekanntgabe des ersten bestätigten Falls das soziale Verhalten rasch verändert. Zunächst führten Angst und mangelnde Informationen dazu, dass einige Einwohner Mund-Nasen-Bedeckungen trugen, da sie die Übertragungswege von Ebola mit denen von COVID-19 verwechselten. Durch Aufklärungskampagnen konnten diese Fehlvorstellungen anschließend schrittweise korrigiert werden.

Viele Menschen schränkten vorübergehend ihre Bewegungen ein, vermieden Zusammenkünfte und verhielten sich bei ihren täglichen Kontakten vorsichtiger. Die Hygienemaßnahmen wurden in Gesundheitseinrichtungen, Schulen, auf Märkten, in Gotteshäusern und in einigen Geschäften verstärkt. Ihre Umsetzung ist jedoch weiterhin uneinheitlich, was sowohl auf die anhaltende Verbreitung von Falschinformationen als auch auf sozioökonomische Einschränkungen zurückzuführen ist.

Auch der Zugang zur Gesundheitsversorgung wurde durch die Situation beeinträchtigt. Zu Beginn des erneuten Ausbruchs zögerten einige Menschen, Gesundheitseinrichtungen aufzusuchen, da sie befürchteten, bei entsprechenden Symptomen isoliert oder stigmatisiert zu werden. Die Gesundheitseinrichtungen verstärkten ihre Präventionsmaßnahmen, insbesondere durch die Einrichtung von Möglichkeiten zum Händewaschen an den Eingängen sowie durch systematische Temperaturkontrollen.

Mehrere Religionsgemeinschaften passten bestimmte rituelle Praktiken an, um körperliche Kontakte zu begrenzen. In der katholischen Kirche beispielsweise wurden auf Entscheidung des Diözesanbischofs liturgische Praktiken, die körperlichen Kontakt begünstigen, vorübergehend ausgesetzt.

Schließlich haben die Beeinträchtigungen des grenzüberschreitenden Handels und des Austauschs mit anderen betroffenen Gebieten die wirtschaftlichen Aktivitäten verlangsamt und zum Preisanstieg zahlreicher Produkte beigetragen. Dadurch haben sich die Schwierigkeiten bereits gefährdeter Haushalte weiter verschärft. Obwohl derzeit keine aktiven Fälle in Goma gemeldet werden, bleibt die Bevölkerung angesichts des Risikos einer Einschleppung neuer Fälle wachsam.

Welche Auswirkungen hatten die Grenzbeschränkungen zu Ruanda auf die lokale Bevölkerung? Wie haben sie sich auf ihre Lebensgrundlagen, den Handel, den Zugang zu Gütern und das Familienleben ausgewirkt?

Die Grenzbeschränkungen zu Ruanda gehören zu den Maßnahmen, die die schwerwiegendsten Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung von Goma hatten. Aufgrund der geografischen Lage der Stadt und der strategischen Bedeutung Ruandas als Zugang zu regionalen und internationalen Handelswegen – die seit der Schließung des internationalen Flughafens von Goma noch wichtiger geworden sind – hatte die Einschränkung des grenzüberschreitenden Verkehrs unmittelbare Folgen für das wirtschaftliche, soziale und familiäre Leben.

Zahlreiche Kleinhändler, Transportunternehmer und andere Wirtschaftsakteure, die zwischen beiden Ländern tätig sind, wurden in ihrer Arbeit erheblich beeinträchtigt. Viele waren gezwungen, ihre Reisen vorübergehend einzustellen oder ihre Arbeitsweise neu zu organisieren. Auch kongolesische Schüler, Studierende und Staatsbedienstete, die in Ruanda leben, sowie Personen mit Verpflichtungen auf beiden Seiten der Grenze hatten Schwierigkeiten, ihren gewohnten Tätigkeiten nachzugehen. Einige Familien wurden aufgrund der Mobilitätsbeschränkungen vorübergehend voneinander getrennt.

Diese Maßnahmen führten zu einer Verlangsamung des Handels, zu Versorgungsengpässen bei bestimmten Produkten und zu Preissteigerungen. Dadurch verschlechterten sich die Lebensbedingungen von Haushalten weiter, die bereits durch die Sicherheits- und Wirtschaftskrisen geschwächt waren.

Obwohl diese Beschränkungen eingeführt wurden, um das Risiko einer Ausbreitung des Virus zu begrenzen, hatten sie erhebliche sozioökonomische Auswirkungen auf eine Bevölkerung, die in hohem Maße vom grenzüberschreitenden Austausch abhängig ist.

Vor welchen Herausforderungen stehen humanitäre Organisationen und lokale Gemeinschaften derzeit, und was sind die dringendsten Bedürfnisse?

Als Einwohner von Goma, der mit mehreren Gesundheitseinrichtungen und humanitären Organisationen in Verbindung steht, die an den Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie beteiligt sind, stelle ich fest, dass die wichtigsten aktuellen Herausforderungen sowohl die Stärkung der Kapazitäten des Gesundheitssystems und die Einbindung der Bevölkerung als auch die durch den regionalen Kontext bedingten operativen Einschränkungen betreffen.

Die erste Herausforderung besteht weiterhin in der Vorbereitung und Stärkung der Kapazitäten der Gesundheitseinrichtungen. Mehrere Einrichtungen, die an der Überwachung und Reaktion auf Verdachtsfälle beteiligt sind, verfügen nicht über ausreichende Ausrüstung, Materialien zur Infektionsprävention und -kontrolle, geschultes Personal und logistische Mittel. Einige haben weiterhin Schwierigkeiten, wesentliche Maßnahmen wie Handwaschstationen, persönliche Schutzausrüstung oder Verfahren zur Triage und Weiterleitung von Patienten aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus stellt die Akzeptanz einer Isolation bei Verdachtsfällen weiterhin ein Problem dar, insbesondere aufgrund der Schwierigkeiten, ihre grundlegenden Bedürfnisse – einschließlich der Versorgung mit Lebensmitteln während des Beobachtungszeitraums – zu gewährleisten.

Die zweite Herausforderung betrifft die Kommunikation mit den Gemeinschaften. Trotz der kontinuierlichen Bemühungen der Gesundheitsbehörden, humanitären Organisationen, Medien und lokalen Führungspersönlichkeiten erschweren die Verbreitung von Gerüchten und das Misstrauen eines Teils der Bevölkerung weiterhin die Akzeptanz der Präventionsmaßnahmen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Aufklärungsarbeit vor Ort zu verstärken und dabei Multiplikatoren aus den Gemeinschaften, religiöse Verantwortungsträger, junge Menschen und andere einflussreiche Akteure einzubeziehen.

Darüber hinaus arbeiten die humanitären Organisationen in einem besonders komplexen Umfeld, das von zahlreichen gleichzeitig bestehenden Notlagen, wirtschaftlichen Beeinträchtigungen, eingeschränktem Zugang zu Finanzmitteln und einem zunehmenden Bedarf geprägt ist. So musste beispielsweise während des erneuten Ebola-Ausbruchs eine Organisation vorübergehend auf Ausrüstung zurückgreifen, die ursprünglich für die Bekämpfung des Mpox-Ausbruchs vorgesehen war, um die Isolation und Versorgung von Verdachtsfällen zu unterstützen. Diese Situation verdeutlicht die Einschränkungen, mit denen die Akteure der Krisenreaktion täglich konfrontiert sind.

Wer leidet Ihrer Einschätzung nach am stärksten unter der aktuellen Krise? Gibt es bestimmte Gruppen wie Kinder, vertriebene Familien oder ältere Menschen, die besonders gefährdet sind?

Die aktuelle Krise betrifft die gesamte Bevölkerung von Goma, doch ihre Auswirkungen sind für Haushalte besonders schwerwiegend, die bereits durch die Sicherheits-, Wirtschafts- und humanitären Krisen geschwächt sind. Vertriebene Familien, Menschen in großer Armut, Kinder, ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen.

Innerhalb der Gemeinschaften haben Angst und der Mangel an verlässlichen Informationen zudem zu unverhältnismäßigen Reaktionen geführt. Zeitweise löste bereits geringfügiges Nasenbluten bei einem Schüler Panik in Schulen aus. Dies verdeutlicht die Auswirkungen von Desinformation und die Notwendigkeit, die Kommunikation über die mit der Krankheit verbundenen Risiken zu verbessern.

Vertriebene Haushalte und Familien mit geringem Einkommen verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, die Mobilitätsbeschränkungen, wirtschaftlichen Beeinträchtigungen und zusätzlichen Kosten zu bewältigen, die durch die Präventionsmaßnahmen entstehen. Kinder und ältere Menschen sind aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse in den Bereichen Schutz, Versorgung und Betreuung besonders gefährdet.

Darüber hinaus können Personen, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus besteht, ebenso wie Menschen, die als genesen gelten, von Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung betroffen sein. Die Maßnahmen müssen daher neben den medizinischen Aspekten auch psychosoziale Unterstützung, die Bekämpfung von Desinformation und den Schutz der betroffenen Personen umfassen.

 

Welche Botschaft möchten Sie abschließend an die Menschen in Europa richten? Was sollten sie über die Situation verstehen, und wie können sie die Bevölkerung im Osten der Demokratischen Republik Kongo am besten unterstützen?

Unsere Botschaft an die Menschen in Europa lautet, die aktuelle Krise nicht als bloße Ebola-Epidemie zu betrachten, sondern als eine Gesundheitskrise, die auf eine bereits äußerst fragile humanitäre, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Situation trifft. Die Bevölkerung im Osten der Demokratischen Republik Kongo beweist eine bemerkenswerte Widerstandskraft, benötigt jedoch langfristige Unterstützung, um die zahlreichen und wiederkehrenden Herausforderungen bewältigen zu können.

Europa sollte die aktuelle Krise nicht bloß als Ebola-Ausbruch betrachten, sondern als eine Gesundheitskrise, die auf eine bereits äußerst fragile humanitäre, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Situation trifft. 

Wir möchten außerdem vermitteln, dass sich hinter den Zahlen und Statistiken Gemeinschaften, Familien und lokale Akteure befinden, die sich jeden Tag dafür einsetzen, ihre Angehörigen zu schützen und grundlegende Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Die lokalen Gesundheitseinrichtungen, Multiplikatoren in den Gemeinschaften und die vor Ort tätigen Organisationen sind unverzichtbare Bestandteile der Krisenreaktion, doch angesichts des Ausmaßes des Bedarfs bleiben ihre Kapazitäten begrenzt.

Die hilfreichste Unterstützung bestünde daher darin, diese lokalen Kapazitäten durch flexible und langfristige Hilfe zu stärken: durch die Bereitstellung grundlegender Ausrüstung für Gesundheitseinrichtungen, die Schulung des Personals, die Unterstützung der epidemiologischen Überwachung, die Stärkung der Kommunikation mit den Gemeinschaften, die Bekämpfung von Desinformation sowie die Unterstützung besonders gefährdeter Haushalte.

Abschließend ermutigen wir die europäischen Partner, den Gemeinschaften weiterhin zuzuhören und in Lösungen zu investieren, die an den lokalen Kontext angepasst sind. Eine Unterstützung, die heute die Akteure vor Ort stärkt, wird nicht nur zu einer wirksameren Reaktion auf Ebola beitragen, sondern auch die Bevölkerung und das Gesundheitssystem besser auf künftige Krisen vorbereiten.

 


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