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missio-Partner: Christen im Südlibanon in existenzieller Not

Zerstörte Gebäude und Trümmer auf einem unebenen Boden, mit Sicht auf eine teilweise erhaltene Wand und Fenster. Das Bild zeigt die Auswirkungen von Zerstörung, umgeben von Schutt und Überresten von Holz und Mauerwerk. Klare, sonnige Himmel im Hintergrund.
Zerstörte Kirche in der Stadt Yaroun.

Seit Anfang März eskalierte der Konflikt zwischen Israel und und der islamistischen Terrormiliz Hisbollah auf dem Staatsgebiet des Libanon erneut dramatisch. Mehr als 2.000 Menschen wurden bislang getötet, mehrere tausend verletzt und über eine Million vertrieben. Israel begründete seine Angriffe mit dem Ziel, die Hisbollah militärisch zu schwächen und im Süden des Libanons eine 10-Kilometer-Sicherheitszone zu schaffen

Doch die Gewalt trifft weit über militärische Ziele hinaus die Zivilbevölkerung. Besonders hart betroffen sind christliche Familien im Süden des Landes. Viele mussten fliehen, ihre Häuser, ihre Kirchen und ihre Gemeinschaften zurücklassen. Doch über 5.000 christliche Familien sind geblieben. Für sie ist dieser Konflikt mehr als bloße Politik: Er bedroht ihre Zukunft und das Überleben einer jahrhundertealten christlichen Präsenz im Libanon.

Nataliia Datskevych von missio Aachen hat mit unserem Partner aus dem Libanon, Michel Constantin, Regionaldirektor der CNEWA / Päpstlichen Mission, über die aktuelle Lage christlicher Familien gesprochen.

Wie ist die aktuelle Lage der rund 5.000 betroffenen christlichen Familien? Stehen Sie mit ihnen in Kontakt, und was berichten sie? 

Michel Constantin: Wir als CNEWA / Päpstliche Mission stehen über kirchliche Netzwerke, Pfarrer, Bürgermeister, Kommunen und Partnerorganisationen weiterhin in engem Kontakt mit vielen dieser Familien. Ihre Rückmeldungen zeichnen ein klares Bild von Erschöpfung und Unsicherheit. Zahlreiche Familien wurden bereits mehrfach vertrieben – sowohl während des Krieges 2024 als auch im aktuellen Konflikt. Andere sind geblieben, kämpfen jedoch unter enormem wirtschaftlichem Druck.

Sie berichten von wachsender Armut, dem Verlust stabiler Einkommen sowie den gravierenden Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Viele dieser standhaften Familien fürchten, ihre Heimat verlassen zu müssen, weil es an nachhaltigen Lebensbedingungen fehlt.

Die Lage der christlichen Bevölkerung im Südlibanon – insbesondere in Debel, Ain Ebel, Klayaa und Rmeich – ist äußerst angespannt. Trotz eines angekündigten Waffenstillstands, der möglicherweise um weitere 20 bis 40 Tage verlängert wird, hält die Gewalt an. Das israelische Militär kontrolliert derzeit einen Grenzstreifen und zerstört weiterhin die Infrastruktur in zahlreichen Dörfern. Die betroffenen christlichen Gemeinden sind isoliert und leiden unter akuten Engpässen bei Wasser, Lebensmitteln und vor allem medizinischer Versorgung. Zwar bemühen sich die USA diplomatisch um Schutz für diese Orte, doch die Lage bleibt ungewiss.

Wie bewerten die Christen die Situation, obwohl ein Waffenstillstand angekündigt wurde?

Michel Constantin: Viele berichten, dass es weiterhin zu Verstößen und vereinzelten Angriffen kommt. Der Waffenstillstand wird daher nicht als verlässliches Ende der Gewalt wahrgenommen, sondern eher als fragile Pause, die jederzeit wieder zusammenbrechen kann.

Gibt es konkrete Pläne für diese Familien? Bestehen Möglichkeiten zur Umsiedlung oder Maßnahmen zu ihrem Schutz?

Michel Constantin: Viele christliche Familien in den Grenzdörfern – darunter Rmeich, Ain Ebel, Debel und Kleyaa – haben sich bewusst entschieden zu bleiben. Trotz der erheblichen Gefahren durch den Konflikt zwischen Hisbollah und Israel wollen sie ihre Häuser und ihr Land nicht aufgeben.

Nach dem Rückzug der libanesischen Armee wächst jedoch die Sorge, schutzlos zwischen die Fronten zu geraten. Die Menschen fordern staatlichen Schutz sowie die Einrichtung humanitärer Korridore, um die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff sicherzustellen.

Die UN-Friedensmission UNIFIL trägt zum Schutz der Zivilbevölkerung bei und erleichtert den Zugang zu Hilfsgütern, die vor allem von lokalen und internationalen Organisationen bereitgestellt werden. Dennoch bleibt der Zugang stark eingeschränkt – aktuell führt nur eine Hauptverbindung aus dem Süden in andere Landesteile.

Mit der Ausweitung israelischer Bodenoperationen sehen sich manche Bewohner faktisch Bedingungen ausgesetzt, die einer militärischen Besatzung ähneln. Dennoch lehnen viele eine dauerhafte Flucht ab und halten an ihrer Entscheidung fest zu bleiben.

Welche Unterstützung wird von der internationalen Gemeinschaft, insbesondere von der EU und Deutschland, erwartet?

Michel Constantin: Dringend benötigt wird zusätzliche Unterstützung, um christlichen Familien ein Bleiben in ihren Dörfern zu ermöglichen. Dazu gehören konkrete Maßnahmen wie die Renovierung beschädigter Häuser sowie die Wiederherstellung landwirtschaftlicher Flächen. Viele Familien sind auf den Anbau von Tabak, Oliven, Gemüse und Obst angewiesen.

Ebenso wichtig ist der Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur – etwa von Bewässerungssystemen, Wasserquellen und Stromversorgung. Darüber hinaus braucht es mobile medizinische Einrichtungen wie Feldkrankenhäuser sowie die Einrichtung sicherer humanitärer Korridore, um die Versorgung mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe zu gewährleisten.

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