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Papstbesuch in Kamerun: missio-Partnerin sieht Chance auf Wandel

Papst Leo XIV. interagiert herzlich mit mehreren Nonnen in einem Raum. Einige Nonnen applaudiere, während eine Person, sichtbar bewegt, sitzt und lächelt. Ein Licht richtet sich auf die Gruppe, und im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen.
Papst Leo XIV. während seines Besuchs in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns, am 15. April.

Als Papst Leo XIV. am 15. April zu seinem ersten Afrikabesuch in der Hauptstadt Kameruns, Yaoundé, landet, richtet sich der Blick eines ganzen Landes auf diesen Moment. Für viele Menschen in dem überwiegend christlichen Kamerun ist dieser Besuch mehr als ein diplomatischer Termin. Er kommt zu einer Zeit, in der das Land von Gewalt, politischen Spannungen und tiefen gesellschaftlichen Bruchlinien geprägt ist.

Die Erwartungen sind hoch. Es geht nicht nur um symbolische Präsenz, sondern um einen möglichen diplomatischen Impuls für eine Lösung des Konflikts. Für Schwester Marie Anne Ngono, Leiterin des missio-Regionalbüros in Kamerun, ist die Ankunft des Papstes von besonderer Tragweite.

„Papst Leo kommt in einem entscheidenden Moment“, sagt die Ordensfrau. „Die katholische Kirche sieht in diesem Besuch eine Gelegenheit zur moralischen Vermittlung.“

Der Konflikt in Kamerun ist ein langjähriger bewaffneter Konflikt zwischen der überwiegend frankophonen Regierung und anglophonen separatistischen Gruppen im Nordwesten und Südwesten des Landes. Er speist sich aus jahrzehntelanger politischer und wirtschaftlicher Marginalisierung, ungelösten Sprachkonflikten und regionalen Entwicklungsungleichheiten. Frieden kann eben nicht von sozialer Gerechtigkeit abgekoppelt werden. Das betonen die Bischöfe Kameruns auch beim Papstbesuch.

Im Norden Kameruns bedrohen zudem islamistische Gruppen wie Boko Haram die Zivilbevölkerung durch Angriffe. Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2016 wurden über 6.500 Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben. Nicht zuletzt hofft die Kirche, dass die Regierung Kameruns die Friedensimpulse von Papst Leo aufnimmt und ganz konkret auch politische Gefangene und inhaftierte Demonstranten freilässt.

Baumeister der Hoffnung

Zu einem der unvergesslichsten Momente der Papstreise gehört für Sr. Marie Anne Ngono der Besuch des Papstes im Waisenhaus Ngul Zamba – „Die Kraft Gottes“ bedeutet das in der lokalen Sprache – in Yaoundé am Mittwochabend.

Nach offiziellen Terminen im Präsidentenpalast nimmt er sich Zeit für Kinder, für Kranke, für diejenigen, die sonst selten im Mittelpunkt stehen. „Jenseits von Protokoll und offiziellen Ehrungen wandte sich Papst Leo XIV. bewusst den Schwächsten und Unschuldigen zu“, berichtet Schwester Marie Anne einen Tag später gegenüber missio. „Mit seinem Besuch im Waisenhaus schenkte der Heilige Vater Kamerun eines der eindrücklichsten Bilder seiner Apostolischen Reise: das einer Kirche, die den Kleinsten nahe sein will.“ Sichtlich bewegt sagte der Papst: „Ihr seid nicht die Vergessenen der Geschichte, sondern die Baumeister der Hoffnung von morgen”, so die Ordensschwester.

Für unsere missio-Partnerin wird diese Szene in Erinnerung bleiben. Sie steht für das, was viele in Kamerun mit dieser Reise verbinden: die Hoffnung auf eine andere Perspektive. „Der Papst zeigte rührende Zuneigung zu Kindern und erinnerte die Welt daran, dass Gott die Demütigen erhöht“, schreibt sie uns. Doch seine Aufmerksamkeit galt nicht nur den Jüngsten, berichtet Schwester Marie Anne. Im Eingangsbereich suchte er auch die Nähe zu den kranken Schwestern der Kongregation, einige von ihnen im Rollstuhl. „Diese Geste der Zärtlichkeit gegenüber den Älteren unterstrich die Botschaft von der Würde jedes Lebens, von der Kindheit bis ins hohe Alter.“

 

Im Epizentrum der Krise

Viele sehen Bamenda, das blutige Epizentrum der anglophonen Krise, als einen der entscheidenden Orte der Reise. Dort war der Papst am Donnerstag. „Das ist das stärkste Signal für Kamerun“, betont die Schwester. Allein die Ankündigung dieses Besuchs hat bereits Wirkung gezeigt. „Die Ankündigung der Landung des päpstlichen Flugzeugs hat bereits eine Form lokaler Waffenruhe begünstigt.“

In Bamenda fand Papst Leo XIV. deutliche Worte. In seiner Rede in einer Kathedrale kritisierte der Papst jene Machthaber, die Milliarden von Dollar „für Mord und Zerstörung ausgegeben werden, während die Ressourcen für Heilung, Bildung und Wiederaufbau nirgends zu finden sind. Er warnte vor einem „endlosen Kreislauf aus Destabilisierung und Tod“ in der von Gewalt gezeichneten Region. „Frieden ist nichts, was wir erfinden müssen. Er ist etwas, das wir annehmen müssen, indem wir unsere Nächsten als Bruder und Schwester akzeptieren“, betonte Papst Leo.

Schwester Marie Anne Ngono sieht das Engagement des Papstes als einen großen Schritt nach vorn: „Die Ankunft des Heiligen Vaters weckt so viele Hoffnungen auf eine Lösung der nationalen Krisen.“

Das Leben geht weiter

Während politische Lösungen weiter auf sich warten lassen, bleibt die Kirche für viele Menschen vor Ort ein zentraler Anker. Sie organisiert Hilfe, schafft Räume für Dialog und begleitet diejenigen, die besonders unter der Krise leiden.

Auch Weronika Vogel, Kamerun-Referentin bei missio, hat diese Realität bei ihrem Besuch im Land erlebt: „Am meisten beeindruckt hat mich in Kamerun das Engagement des Centre de thérapie et protection, das sehr gute und wichtige Arbeit leistet in einem Kontext, in dem Missbrauch ein Tabuthema ist“. Gerade Ordensgemeinschaften tragen vielerorts Verantwortung für die Schwächsten. „Die Unterstützung von missio für die Ordensschwestern ist wichtig, weil lokale Orden nicht genügend eigene Einnahmen haben, um ihre Projekte durchführen zu können“, sagt die missio-Referentin. Sie sind im Dienst an Kindern und Jugendlichen, Kranken, Geflüchteten und älteren Menschen tätig und “leisten großartige Arbeit, die wir unterstützen möchten.“

Der Papstbesuch kann den Konflikt nicht beenden. Aber er kann etwas sichtbar machen, was inmitten der Gewalt oft verloren geht: die Würde des Einzelnen, die Kraft der Gemeinschaft und die Möglichkeit von Veränderung. Für Schwester Marie Anne Ngono bleibt deshalb vor allem eines: „Dieser Tag des Treffens ist ein neues, besonderes und bedeutendes Kapitel unserer Geschichte“, sagt sie. „Papst Leo rief Kamerun zu einem mutigen Schritt nach vorn auf, um eine Zukunft zu gestalten, in der niemand zurückgelassen wird”.

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