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Nigerias Jugend kämpft um ihre Zukunft

Seit zwei Wochen protestieren in dem westafrikanischen Land zahlreiche junge Menschen gegen Polizeigewalt und für Veränderungen. Die Lage droht zu eskalieren – einige Protestierende wurden bereits getötet.

#EndSARS ist momentan ein häufig genutztes Hashtag in Nigeria. Wer jetzt vermutet, dass es dabei um den Kampf gegen das Sars-Coronavirus 2 geht, dass für die aktuelle Pandemie verantwortlich ist, täuscht sich: SARS ist die Abkürzung für eine Eliteeinheit der nigerianischen Polizei, der „Special Anti-Robbery Squad“. Der Grund, weshalb ausgerechnet die Abkürzung in den sozialen Netzwerken Nigerias so häufig vorkommt, ist erschreckend: Vor zwei Wochen tauchte ein Video auf, das zeigt, wie ein SARS-Mitglied einen jungen Mann tötet.
Polizeigewalt gehört zur traurigen Realität in Nigeria und das „Special Anti-Robbery Squad“ gehört zu den berüchtigten Einheiten im Land. Berichten zufolge gehen mehrere Todesfälle auf ihr Konto, die Schikanen, vor allem gegenüber jungen Menschen, sind nahezu alltäglich. Das nun aufgetauchte Video scheint das Fass aber jetzt zum Überlaufen gebracht zu haben. Seit zwei Wochen gibt es massive Proteste gegen Polizeigewalt, vor allem im Süden des Lands rund um die Millionenstadt Lagos. Und die Sicherheitskräfte gehen massiv gegen sie vor: Laut Amnesty International sind mindestens zwölf Menschen bei den Protesten bisher ums Leben gekommen. Ein Ende ist nicht in Sicht.

 

Hartmut Schwarzbach/missio
Ignatius Kaigama, Erzbischof der Diözese Abuja in Nigeria.

Ignatius Kaigama, Erzbischof von Abuja, der nigerianischen Hauptstadt, hat sich in einem langen Facebook-Post zu den Protesten im Land geäußert. Er analysiert dabei, wie Nigeria seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1960 von einem Land der Hoffnung zu einem Land der Gier und Korruption wurde. Die Jugend habe jegliche Hoffnung verloren, weil sie kaum noch Chancen für ein gutes Leben bekämen. Die Situation sei in so vielen Bereichen schlechter geworden – Ernährung, Gesundheit, Sicherheit – und die Regierung tue zu wenig dagegen. Ein selbstkritischer Blick sei angebracht sowie ein offenes Aussprechen der Wahrheit. „Jeder von uns ist mit Schuld daran, was Nigeria und den Nigerianern geschehen ist, aber wir können zusammen daran arbeiten. Solange es Leben gibt, gibt es auch Hoffnung“, schreibt Erzbischof Kaigama in seinem Statement.
Nigeria ist zwar die größte Volkswirtschaft Afrikas und gilt als Schwellenland, aber die Probleme sind immer noch sehr groß. Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist stark, die Korruption frisst sich durch den gesamten Staatsapparat und die Gewalt durch terroristische Gruppen erschüttert das Land immer wieder. Nun kommt mit der Covid-19-Pandemie noch ein weiteres großes Problem hinzu. Der anfängliche Lockdown, den das Land verhängte, kostete viele Nigerianer ihren Job, die Wirtschaft brach ein, die Armut wuchs. Die Stilllegung des Landes konnte nicht aufrecht gehalten werden. Einer Verbreitung des Coronavirus im Land kann nun kaum noch etwas entgegengesetzt werden, weil das Gesundheitssystem des Landes nicht stark genug ist.

 

Hartmut Schwarzbach/missio
Stephen Dami Mamza, Bischof der Diözese Yola in Nigeria.

Auch Stephen Dami Mamza, Bischof von Yola im Norden von Nigeria, äußerte sich zu den Protesten. In einer Videobotschaft an missio erklärt er, wie die Preise auf den Märkten, für Benzin und Strom gestiegen seien und die Armut durch die Pandemie immer größer werde – und damit auch die Verzweiflung der Menschen. Dies treibe die jungen Leute auf die Straße. „Es scheint wie eine Revolution zu sein“, sagt Bischof Mamza. „Wir beten, dass sich alles zum Guten wendet.“
Die Proteste haben zumindest für starke internationale Aufmerksamkeit gesorgt. So äußerten sich UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden und Popsängerin Rihanna zu dem Fall; auch weitere Prominente fordern ein Ende der Gewalt gegen Demonstranten. Wir von missio schließen uns dieser Forderung an und hoffen, dass die Lage sich wieder beruhigt und Wege gefunden werden, die Probleme anzugehen und zu lösen. Nur so kann Nigeria wieder zu einem Land der Hoffnung werden.

 


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