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Sierra Leone – eine krisengeschüttelte Nation

Sierra Leone war einst vor allem für seinen Diamantenreichtum bekannt. Doch der für mehr als ein Jahrzehnt andauernde Rebellenkrieg, Ebola sowie Misswirtschaft und Korruption machten das Land zu einem der Ärmsten weltweit. Auf der Rangliste des Human Development Indexes belegt es den 181. von 188 Plätzen (UNDP 2015). Die Corona-Pandemie trifft Sierra Leone daher nun besonders hart. Ein Aufatmen dieser krisengeschüttelten Nation ist bisher nicht in Sicht.

Corona hinterlässt Spuren

Corona birgt längst nicht nur gesundheitliche Risiken. Das wissen wir in Deutschland aus eigener Erfahrung. Schließungen von Geschäften und Gastronomiebetrieben gefährden zahlreiche Arbeitsplätze. Viele Unternehmen leiden unter wirtschaftlichen Einbrüchen. In Sierra Leone sind die Kollateralschäden im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie noch deutlicher spürbar. Ein Großteil der Menschen arbeitet im informellen Sektor. Mit Schließungen von Märkten, Kiosks und anderen Verkaufsstellen haben viele Menschen ihre Existenz verloren und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr aufbringen. Anders als in Deutschland können die meisten Menschen in Sierra Leone kaum Rücklagen bilden und sind auf den täglichen Verdienst angewiesen. Das hat nicht nur Perspektivlosigkeit, sondern auch schwere Hungersnöte zur Folge.

Von Krise zu Krise

Sierra Leone ist ohnehin ein von Krisen gezeichnetes Land. Zunächst der elf-jährige Rebellenkrieg, 2013 der Ausbruch der Ebola-Epidemie und dann die Überschwemmungen und Schlammlawinen in Freetown und Umgebung. Die Wirtschaft konnte sich nie wirklich erholen und die Bevölkerung leidet unter großer Armut. Durch die jüngsten Corona-Entwicklungen wurde das Wirtschaftswachstum erneut gehemmt, das Bruttoinlandsprodukt ging zurück und aufgrund der Rohstoffknappheit hob der Privatsektor die Preise an. Das hat einen Anstieg der Lebenshaltungskosten zur Folge, sodass der Großteil der Bevölkerung kaum noch in der Lage ist, sich mit dem Nötigsten zu versorgen.

Perspektivlosigkeit der Jugend

Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen macht sich eine große Unzufriedenheit breit. Da die Schulen und Bildungseinrichtungen geschlossen sind, bleibt die ohnehin schwer zugängliche Bildung aus. Zwar werden Unterrichtseinheiten per Radio übertragen, aber auch zu diesen haben nicht Alle Zugang. Es fehlt ein geregelter Tagesablauf und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auch gewaltvolle Auseinandersetzungen und Übergriffe auf Justiz- und Polizeibeamte vonseiten Jugendlicher nehmen zu. Auf diese Weise entlädt sich die Frustration und das Misstrauen vieler junger Menschen gegenüber staatlichen Institutionen. Ähnliches konnte man in den Protesten in Nigeria beobachten. Besonders die junge Generation braucht neue Perspektiven für die Zukunft.

Rolle der Kirche

Krieg, Naturkatastrophen und die ständige Gegenwart von Tod und Krankheit hinterlassen Spuren. Die Bevölkerung von Sierra Leone ist größtenteils schwer traumatisiert. Die Katholische Kirche ist für die Menschen durch alle Krisen hinweg ein stetiger Begleiter, der ihnen hilft, das Erlebte zu verarbeiten und nach vorne zu schauen. Seit 2008 unterstützt missio die Arbeit der Rosary Sisters in der Diözese Bo. Ihr Councelling and Peace Centre ist einer von vielen Orten, an dem die Menschen Unterstützung und Zuwendung erfahren. Denn wie eingangs erwähnt, ist es aktuell nicht nur die Covid-19-Krankheit selbst, die Sierra Leone zu schaffen macht, sondern Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven, die damit einhergehen. Ein Land, das zahlreiche Krisen überstanden hat, muss nun erneut alle Kräfte mobilisieren, um die neuen Herausforderungen zu meistern.


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