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Handys, Gewalt und Traumatherapie: Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege auf missio-Konferenz zur Lage im Kongo

Ein Nobelpreisträger als Redner bei einer missio-Veranstaltung und eine Konferenz unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Dr. Gerd Müller – für mich ein Höhepunkt in diesem „missio-Jahr 2019“.

Zusammen mit missio-Präsident Dirk Bingener und der Moderatorin Gundula Gause überreichte Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege (Demokratische Republik Kongo) am 25. November in Berlin 60.000 Unterschriften der Aktion Schutzengel „Aktion Saubere Handys“ an den Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Stefan Oswald. Eigentlich ist die Petition an die Handyhersteller gerichtet, nur Rohstoffe für ihre Produktion zu verwenden, die nachweisbar nicht aus illegalem Abbau stammen - aber keiner der 13 angeschriebenen Hersteller erklärte sich bereit, die Petition entgegenzunehmen. 

Foto: missio / Christian Schnaubelt

Skandal der Massenvergewaltigung von Frauen als Kriegswaffe im Kongo

Anschließend hielt Denis Mukwege, dem im vergangenen Jahr der Friedensnobelpreis verliehen worden war, in der Berliner Charité einen Vortrag zum Thema „Traumatisierte Opfer und straffreie Täter – der Skandal im Ostkongo“. Der kongolesische Gynäkologe, der seit vielen Jahren Opfer von sexueller Gewalt in Bukavu (Demokratische Republik Kongo)  behandelt und unermüdlich auf den Skandal der Massenvergewaltigung von Frauen als Kriegswaffe im Kongo hinweist, forderte einen transparenten Handel mit Bodenschätzen im Kongo und den Aufbau „sauberer Lieferketten“, um die brutale Gewalt in seinem Heimatland einzudämmen. Daran muss gerade am Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, den die Vereinten Nationen für den 25. November ausgerufen haben, erinnert werden. In bewegenden Worten berichtete Mukwege über das Schicksal von Frauen und Kindern, die im Kontext des Rohstoffhandels im Kongo ausgebeutet werden und verzweifelt nach Auswegen aus Lebensbedingungen suchen, die man als „Sklaverei“ bezeichnen kann.

Wir wollen in Deutschland auf die Verflechtungen zwischen der Gewalt im Osten Kongos und unserem Konsumverhalten hinweisen.

Der Vortrag von Friedensnobelpreisträger Mukwege fand im Rahmen der Konferenz „Demokratisierung in der Krise? – Situation und Perspektiven in der DR Kongo“ statt, zu der missio am 25. und 26. November 2019 gemeinsam mit der Katholischen Akademie Berlin eingeladen hat. Die Schirmherrschaft für die Konferenz hatte Bundesminister Dr. Gerd Müller übernommen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Gundula Gause. Ziel der Konferenz war es, so missio-Präsident Bingener, „in Deutschland auf die Verflechtungen zwischen der Gewalt im Osten Kongos und unserem Konsumverhalten hinzuweisen“. Darüber hinaus sollten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft die Notwendigkeiten und Möglichkeiten weiterer Vernetzungen in den aktuellen Veränderungsprozessen sondieren.

Foto: missio / Christian Schnaubelt
Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege spricht am 25. November 2019 in Berlin.

An der Veranstaltung „Demokratisierung in der Krise? – Situation und Perspektiven in der DR Kongo“ nahmen zahlreiche Experten aus der Demokratischen Republik Kongo teil: Erzbischof Marcel Utambi, Vorsitzender der Kongolesischen Bischofskonferenz (CENCO), wies auf die Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat und die Notwendigkeit eines verantwortlichen Umgangs mit den Rohstoffen in seiner Heimat hin. Dr. Boniface Mabanza ging auf die Herausforderungen für Frieden und Sicherheit angesichts anhaltender Gewalt im Kongo ein. Thérèse Mema-Mapanzi berichtete von ihrer Arbeit mit den vergewaltigten Frauen in den Traumazentren der Erzdiözese Bukavu. Ferdinand Muhigirwa thematisierte die Nutzung der Bodenschätze im Kongo ein und forderte für die Formulierung eines Bergbaukodex. Justin Nkunzi warb für eine gerechte Nutzung der Bodenschätze und nannte die zentralen Herausforderungen für das kirchliche Handeln. Und Donatien Nshole, Generalsekretär der Kongolesischen Bischofskonferenz (CENCO), wies auf den Einsatz für die Menschenwürde als zentrale Kategorie des gesellschaftlichen Engagements der Kirche im Kongo hin.

Impressionen von der missio-Konferenz in Berlin

missio unterstützt seit Jahren Traumazentren im Kongo

missio arbeitet seit vielen Jahren im Rahmen seiner Projektarbeit mit der Kirche in der Demokratischen Republik Kongo zusammen. Dabei ist Thérèse Mema eine langjährige Projektpartnerin. Zur Unterstützung der Frauen, die im Verlauf des jahrelangen Bürgerkriegs in dem zentralafrikanischen Land Opfer von sexueller Gewalt wurden, fördert missio 16 Traumazentren in der Erzdiözese Bukavu, in denen neben der Traumaarbeit und psychosozialen Begleitung der Opfer zahlreiche Programme initiiert wurden.

  • zur Sensibilisierung von Dorfgemeinschaften und Familien für den Umgang mit den Opfern sexueller Gewalt,
  • zur Vermittlung von medizinischer und juristischer Betreuung,
  • zur Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen sowie
  • zur Betreuung und Hilfe für Kinder, die infolge von Vergewaltigungen zur Welt gekommen sind.

Die Traumazentren in Bukavu, der Heimatstadt von Denis Mukwege, arbeiten eng mit dem Friedensnobelpreisträger und dem von ihm geleiteten Panzi-Hospital in Bukavu zusammen.

Helfen Sie den Frauen im Kongo, die Opfer der Gewalt werden

 

Die Veranstaltung „Demokratisierung in der Krise? – Situation und Perspektiven in der Demokratischen Republik Kongo“ wurde von missio-Referent Dr. Marco Moerschbacher zusammen mit Dr. Eva-Maria Hertkens, Jörg Nowak und Vanessa van den Hövel organisiert.

Ein starkes Team: Die Mannschaft von missio auf der Konferenz zur Lage im Kongo, darunter Projektpartner aus dem Kongo und Diözesanreferenten und Referentinnen aus ganz Deutschland.

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