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Journalistin befrat Frau

Katholikentag 2024: "Menschlich handeln statt Menschenhandel"

Podium "„Eine Welt. Keine Sklaverei.“ – Menschlich handeln statt Menschenhandel" von missio Aachen mit Bundesarbeitsminister Heil beim Katholikentag 2024 in Erfurt

Journalistin befrat Frau Foto: Christian Schnaubelt/missio
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ermuntert auf dem Katholikentag in Erfurt Nichtregierungsorganisationen und Kirchen, für Partnerinnen oder Partner im globalen Süden in Deutschland gegen ausbeuterische Verhältnisse vor Gericht zu gehen. Moderatorin Judith Langhans befragte ihn auf dem missio-Podium "Menschlich handeln statt Menschenhandel".

Mehrfach war im Erfurter Theater am Freitagnachmittag (31. Mai 2024) lauter Applaus zu hören: Immer, wenn es um die Weiterentwicklung des Lieferkettengesetzes ging, unterstützte das Publikum die Teilnehmenden des missio-Podiums „Eine Welt. Keine Sklaverei. Menschlich handeln statt Menschenhandel“ des Katholikentages 2024. 

Denn alle Teilnehmenden setzten sich für ein starkes Lieferkettengesetz ein: Arbeitsminister Hubertus Heil, MdB und die Verhandlungsführerin der EU-Lieferkettenrichtlinie Anna Cavazzini, MdEP genauso wie missio-Präsident Pfarrer Dirk Bingener. » Dabei war das Podium nicht nur politisch, sondern auch emotional. So berichteten Pfarrer Peter Kossen und die missio-Partnerin Schwester Rose aus Assam in Nordost-Indien was es heißt, am Anfang der Lieferkette zu stehen mit wenig Rechten und noch weniger Einkommen. Moderiert wurde das Podium von Judith Langhans.

Zu Anfang äußerte Pfarrer Dirk Bingener seine Sorge über die Gemeinden und dien Menschen, die unter moderner Sklaverei leiden. Er brachte zum Ausdruck, dass diesen Menschen, die fast nichts haben, bei der Ausbeutung noch das Allerletzte genommen werde. 

Schwester Rose berichtete von der Situation auf den Teeplantagen in Indien und wie anfällig Mädchen und junge Frauen aufgrund der geringen Einkommen für Menschenhandel sind. 

Von der Situation in der Fleischindustrie erzählte Peter Kossen und sprach konkret von einer „organisierten Verantwortungslosigkeit“. Er weitete sein Statement noch auf die Prostitution in Deutschland aus und verdeutlichte, wie es direkt vor unserer Tür zu moderner Sklaverei kommt. 

In einem Einspieler zeigte missio, was es bedeutet, am Anfang der Lieferkette zu stehen: Für den Abbau von Glimmer (das Mineral „Mica“) in Madagaskar werden solche Hungerlöhne bezahlt, dass die ganze Familie, einschließlich kleiner Kinder, für den Abbau schuften muss. 

Hubertus Heil war sichtlich berührt von den Schilderungen und erzählte von einer seiner Reisen nach Äthiopien, bei der ihm bewusst wurde, wie wichtig ein Lieferkettengesetz ist. Unternehmen, die sich nicht um ihre Zulieferer kümmern und Menschenrechtsverletzungen verantworten, müssten die Folgen spüren. Dazu bräuchte es unter anderem einen besseren Austausch zwischen den Behörden, auch auf europäischer Ebene. 

Ihm war es wichtig darauf hinzuweisen, dass nicht der Verbraucher allein im Kampf gegen moderne Sklaverei in die Verantwortung genommen werden könne, die unternehmerische und staatliche Verantwortung gehöre auch dazu. Nur wenn diese drei ineinander greifen könne man Fortschritte erziehen. Denn: „Im ersten Artikel unseres Grundgesetzes heißte es nicht ‚Die Würde des Deutschen ist unantastbar‘, es heißt ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar.‘“ Dem Zitat folgte Applaus. 

Anna Cavazzini weitete unseren Blick für die Welt. Sie berichtete davon, wie vor allem Minderheiten von Zwangsarbeit betroffen sind und nannte unter anderem das Beispiel von Myanmar. Dort gebe es sogar staatlich angeordnete Zwangsarbeit. Sie verwies auch auf den jüngsten Beschluss des Europaparlaments, der den Verkauf von Produkten aus Sklavenhandel künftig verbietet. Heil und Cavazzini sind sich einig „Wer im globalen Kontext Profite macht, muss auch globale Verantwortung übernehmen.“ 

Fazit: Bei dem Podium traf politischer Dialog auf Wirklichkeit: Was bedeutet es konkret für die Menschen vor Ort, wenn wir Produkte wie Tee oder Glimmer kaufen. Um politisch einen Unterschied machen zu können, bräuchten die Politikerinnen und Politiker die Unterstützung der Bevölkerung und auch der NGOs. Alle auf dem Podium waren sich einig, dass nicht nur eine freie Marktwirtschaft gebraucht werde, sondern auch eine faire. 

Das Podium steht auf www.katholikentag.de     zum Nachschauen zur Verfügung. 

Autor: Dr. Martin Stauch und Sabrina Wiesen / missio Aachen
Fotos: Christian Schnaubelt / missio Aachen


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