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2019 war dank missio-Unterstützer ein gutes Jahr für die Religionsfreiheit

2019 war für die Religionsfreiheit aus Sicht von missio ein gutes Jahr. Die pakistanische Christin Asia Bibi , die wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt worden war, wurde vom Obersten Gerichtshof in Pakistan freigesprochen und konnte mit ihrer Familie in Kanada Asyl finden. Die sieben unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Christen im indischen Kandhamal wurden vom Obersten Gerichtshof in Indien nach elf Jahren endlich freigesprochen.

In beiden Fällen engagierten sich Unterstützerinnen und Unterstützer von und mit missio für die Betroffenen. Die Beispiele zeigen, dass wir in Deutschland nicht ohnmächtig sind, wenn es gilt, sich religionsverbindend für Religionsfreiheit einzusetzen und diskriminierten, bedrängten und verfolgten Christinnen und Christen weltweit zu helfen. Beides gehört ganz eng zusammen.

Foto: S. Sheeky/missio
Beispiel Pakistan: Am Ostersonntag 2016 forderte ein Anschlag auf einen Freizeitpark in Lahore mehr als 70 Tote und 300 Verletzte. Unter den Opfern waren Christen und Muslime. Danach forderten in Faisalabad (Bild) Friedensaktivisten die pakistanische Regierung auf, einen Aktionsplan gegen Hass und Gewalt aufzustellen. Die missio-Projektpartner in Pakistan arbeiten dabei auch mit muslimischen Organisationen zusammen. Das hilft verfolgten Christen. Es braucht gegen Extremismus ein breites gesellschaftliches Bündnis.

Christen und Muslime in Pakistan gemeinsam für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit

Erfolgreich war der Einsatz für Religionsfreiheit, weil er über Religionsgrenzen hinweg erfolgt. Im Fall Asia Bibi war es ein muslimischer Rechtsanwalt, der unerschrocken die Rechte der Christin verteidigt hat. Und in Deutschland ist es ein muslimischer Auswanderer aus Pakistan, der den Rechtsanwalt von Asia Bibi unterstützt. Wir von missio arbeiteten mit beiden zusammen – und im Gespräch sagten sie uns immer wieder: Wir wollen auch als Muslime zeigen, dass wir den Missbrauch unserer Religion für extremistische und ideologische Zwecke nicht hinnehmen wollen. Zugleich arbeiten in Pakistan muslimische und christliche Gruppen gemeinsam daran, den politischen Missbrauch der Blasphemiegesetze in ihrer Heimat einzudämmen. Darüber wird wenig berichtet, aber solche Initiativen machen Hoffnung.

In Indien greift der Hindu-Nationalismus immer stärker um sich. Ein neues Staatsbürgerschaftsgesetz wird für die Minderheiten im Land zusehends gefährlich. Auch hier arbeiten christliche, muslimische und hinduistische Menschenrechtlern und Menschenrechtlerinnen zusammen, um gemeinsam die säkulare Verfassung zu verteidigen, die in Gefahr ist. Diese Menschenrechtler, mit denen unsere missio-Partner kooperieren, lassen sich nicht von der offiziellen hindu-nationalistischen Politik entzweien und gegeneinander ausspielen. Sie wissen: Nur wenn sie sich gemeinsam für die Rechte aller Minderheiten und religiösen Gruppen einsetzen, ist jede Gruppe geschützt.

Am heutigen Stephanustag gedenkt die katholische Kirche der verfolgten Christen weltweit. Die Lesung aus der Apostelgeschichte 6, 8–10; 7, 54–60 zeigt, wie sehr das Gebot der Feindesliebe das christiche Verständnis prägt und auch den Einsatz für Religionsfreiheit inspiriert.

In jenen Tagen tat Stéphanus aber, voll Gnade und Kraft, Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertíner und Kyrenäer und Alexandríner und Leute aus Kilíkien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stéphanus zu streiten; aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.
Als sie seine Rede hörten, waren sie in ihren Herzen aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen gegen ihn. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stéphanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

In Qaraqosh im Irak fürchten Christinnen und Christen um den Frieden und die Sicherheit, die von der internationalen Politik abhängen.

Zukunft der verfolgten Christen im Nahen Osten schwer einzuschätzen

Wie sich die Lage der Religionsfreiheit und der diskriminierten, bedrängten und verfolgten Christen im Nahen und Mittleren Osten entwickeln wird, ist schwer einzuschätzen. Die Christinnen und Christen dort drohen zwischen den politischen Fronten zerrieben zu werden.

  • Der Machtkampf zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran erschüttert nach wie vor die Region.
  • Der strategische Rückzug der USA hinterlässt ein Machtvakuum, das Russland gefüllt hat und die Türkei gerne füllen möchte.
  • Die Protagonisten der großen geostrategischen Interessen nehmen wenig Rücksicht auf das Leben der kleinen Leute. Diese kleinen Leute leiden – Christen, Jesiden, Muslime oder Juden.
  • Nicht zuletzt wird die Europäische Union ihrer politischen und diplomatischen Verantwortung nicht gerecht. Ihre Rolle als Anführer einer Welt, die auf Menschenrechte, Dialog und Ausgleich setzt, nimmt die Europäische Union nicht wahr – zum Schaden aller Menschen und nicht zuletzt der bedrängten Christinnen und Christen im Nahen und Mittleren Osten.

Gleichwohl gibt es Hoffnung: Ein nicht geringer Teil der Bürgerinnen und Bürger etwa im Libanon oder im Irak, darunter auch christliche Autoritäten und Gruppen, wollen eine neue Zivilgesellschaft und politische Kultur aufbauen, die nicht mehr entlang von ethnischen, konfessionellen oder religiösen Grenzen organisiert ist. Diese Kräfte wollen wir von missio zukünftig stärker stützen. Für die Christinnen und Christen im Nahen und Mittleren Osten wird es künftig nur eine Zukunft geben, wenn Frieden, Sicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt Gewalt, Ausgrenzung und Korruption ablösen. Diese Bewegungen brauchen unsere Hilfe.

Westafrika: Nigeria als Beispiel für den überlebenswichtigen interreligiösen Dialog

Noch ein Blick auf Westafrika: Diese Region – bei missio Aachen vor allem Nigeria – wird im Mittelpunkt der Aktion zum Weltmissionssonntag 2020 stehen. Unsere Mitarbeiterin Bettina Tiburzy und der Fotograf Hartmut Schwarzbach waren drei Wochen in Nigeria unterwegs. Sie recherchierten, wie durch interreligiösen Dialog Frieden möglich werden kann. Auch hier machen wir von missio folgende Erfahrung: Was wir – auch die kritischen Medien – im Westen zu schnell unter der Rubrik „Muslime gegen Christen“ abbuchen, stellt sich vor Ort doch wesentlich komplizierter dar. Die Ursachen dafür, warum es zu Konflikten kommt, die wir dann als allein religiös grundiert wahrnehmen, sind vielfältig.

  • Politische Missstände wie Korruption, wirtschaftliche Benachteiligung wie in den Regionen im Norden Nigerias,
  • postkolonial und geschichtlich tradierte ethnisch aufgeladene Konflikte,
  • die Folgen des Klimawandels, der die Konkurrenz um lebenswichtige Ressourcen im wahrsten Sinne des Wortes anheizt:

Das alles spielt eine Rolle, wenn es um den islamistischen Terrorismus von Boko Haram geht, wenn verschiedene Ethnien mit unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit in gewalttätige, tödliche Konflikte geraten. missio-Projektpartner wie Erzbischof Ignatius Kaigama oder Bischof Steven Mamza werden nicht müde, gemeinsam mit muslimischen Würdenträgern in der Gesellschaft und der Politik Nigerias den Missbrauch ihrer Religionen für Politik und Ideologie anzuprangern und eine religionsverbindende Gegenbewegung aufzubauen. Diese Arbeit werden wir von missio weiter unterstützen.

Bischof Stephen Mamza besucht eine Frau im IDP-Camp für Binnenflüchtlinge in Yola. Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Bischof Steven Mamza besucht in Nigeria eine Frau in einem Camp für Binnenflüchtlinge. Die Kirche versorgt betroffene Christen und Muslime gleichermaßen.

Helfen Sie in Nigeria der Kirche im Einsatz für Religionsfreiheit

Angesichts aller dieser Konflikte, wie können wir von missio dann sagen, dass 2019 ein gutes Jahr für die Religionsfreiheit war?

 Nun – es sind nicht allein die Fälle von Asia Bibi und die Freilassung der sieben indischen Christen von Kandhamal, die uns Mut machen. In der deutschen Politik wird das Thema Religionsfreiheit immer stärker beachtet. Die Bundesregierung, das Auswärtige Amt, das Entwicklungshilfeministerium – hier entstehen immer mehr Stäbe, Stellen und Kompetenzzentren, die sich für Religionsfreiheit weltweit einsetzen. Das war vor fünf, zehn Jahren noch nicht der Fall. Auch in den Debatten des Bundestages wird das Thema Religionsfreiheit immer öfter – und differenzierter – aufgegriffen.

Auch die Resonanz auf unsere Länderberichte Religionsfreiheit », die Menschenrechtsstudien » und die Ausstellung „Religionsfreiheit in Gefahr – Christen unter Druck“ » nahm 2019 erheblich zu. Erstmals konnten wir mit den Aachener Gesprächen mehrere kirchliche und nicht-kirchliche Organisationen an einen Tisch bringen, die sich mit dem Thema Religionsfreiheit beschäftigen. Und nicht zuletzt konnten wir gemeinsam mit katholisch.de, dem Online-Portal der katholischen Kirche in Deutschland, einen Film über Ursachen und Folgen der Verletzungen von Religionsfreiheit produzieren. Hier ist der nächste Film zum Thema Religion und Gewalt schon in der Konzeption.

Alles in allem: missio wird in Zukunft seinen Einsatz für Religionsfreiheit und bedrängte Christinnen und Christen weiter verstärken. Der Stephanustag mahnt uns dazu.


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