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Schule St. Mary schließt: Hilferuf von Bischof Bulus

Im November 2025 sorgte die Entführung von rund 320 Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften » der katholischen Schule St. Mary im Nordwesten Nigerias weltweit für Schlagzeilen. Nach internationalem Druck kamen im Dezember die Kinder frei. Doch wie ist die Lage heute? In einem Update-Gespräch mit missio Aachen schildert Bischof Bulus Yohanna Dauwa aus der Diözese Kontagora die weiterhin dramatische Situation vor Ort – und erklärt, warum die Schule geschlossen bleiben muss.

„Ohne Sicherheit kann es keine Bildung geben“

Eine große Gruppe von Schülern in Schuluniformen steht auf einem Schulhof vor einem Schulgebäude. Die Mehrheit der Kinder lächelt und schaut in die Kamera. Im Hintergrund sind Bäume und ein klarer Himmel zu sehen.

Wie ist die aktuelle Sicherheitslage in der Region und rund um die St. Mary Schule?

Kurz nachdem die entführten Kinder zurückgekehrt waren, kam es am 3. Januar zu einem Massaker auf einem Markt etwa 15 Kilometer von der Schule entfernt, bei dem 42 Menschen getötet wurden. Die Art der Gewalt war sehr erschreckend. Seitdem fühlen sich die Menschen noch unsicherer, zumal Gerüchte über weitere Angriffe kursieren.

Ich gehe davon aus, dass die Regierung des Bundesstaates Niger es erst dann zulassen wird, dass die Schule wieder öffnet, wenn es angemessene Sicherheitsmaßnahmen gibt – insbesondere rund um das Schulgelände. Derzeit ist das nicht der Fall. Es herrscht Todesangst und viele Menschen sind auf der Flucht. 

Welche Bedeutung hat die Schule St. Mary für die Region und welche langfristigen Folgen drohen, wenn keine Sicherheit hergestellt wird?

Die Schule St. Mary versorgte über 600 Kinder aus mehr als 50 Dörfern. Es gibt in der gesamten Region keine bessere Schule und kein vergleichbares Bildungsangebot. Wenn diese Schule dauerhaft geschlossen bleibt, verlieren diese Kinder ihre wichtigste Chance auf Bildung und auf eine Zukunft jenseits von Armut.

Und wenn Kinder keine Bildung und keine Perspektive haben, werden sie leicht von kriminellen Gruppen rekrutiert. Aber die Folgen gehen weit darüber hinaus. Selbst landwirtschaftliche Arbeit wird unmöglich, wenn Menschen ihre Felder aus Angst nicht mehr betreten können. Die zunehmende Armut gefährdet damit die Zukunft der gesamten Region.

Ein Bischof sitzt in einem weißen Gewand mit rotem Kragen und Mitra. Er blickt nachdenklich und hat einen ernsten Ausdruck auf seinem Gesicht. Im Hintergrund sind Pflanzen zu sehen. Seine Haltung vermittelt Autorität und Besonnenheit.
Bischof Bulus Yohanna Dauwa ist der erste Bischof der Diözese Kontogora im Nordwesten von Nigeria.

Besonders betroffen sind die Abschlussklassen. Gibt es für sie eine Lösung?

Wir versuchen derzeit, die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen, nach Kontagora zu bringen. Dort könnten sie sich registrieren lassen und weiter unterrichtet werden. Wenn das nicht gelingt, verlieren sie ein ganzes Schuljahr und ihre Abschlusschance. Das Problem ist: Wir haben weder ausreichende Unterkünfte noch Klassenräume. Die Situation ist im Moment sehr schwierig für uns. Trotzdem suchen wir weiter nach Lösungen, weil wir diese jungen Menschen nicht allein lassen können.

Welche staatlichen Maßnahmen gibt es bislang?

Seit der Entführung wurden etwa 40 mobile Polizisten in die Region entsandt. Diese sind jedoch schlecht ausgerüstet. Sie können die Bevölkerung nicht wirksam schützen. Die lokalen Behörden unternehmen nichts. Es bleibt nur die Zentralregierung Nigerias, die die Macht und die Mittel hat, das zu stoppen. Bereits während der Entführung der Schülerinnen und Schüler hat sie gezeigt, dass sie handlungsfähig ist und erfolgreich eingreifen kann.

Warum ist internationale Aufmerksamkeit aus Ihrer Sicht weiterhin so wichtig?

Als die Entführung stattfand, haben wir laut auf die Situation aufmerksam gemacht. Die internationale Gemeinschaft hat reagiert, es entstand Druck, und am Ende kamen die Kinder frei. Wenn wir heute die Zentralregierung Nigerias um Hilfe bitten, müssen wir die internationale Gemeinschaft erneut einbeziehen, damit dieser Druck entsteht. Wir brauchen diese Unterstützung mehr denn je. Deshalb bitten wir inständig um Ihre Hilfe.


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