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Wie sieben unschuldig verurteilte Christen im indischen Kandhamal elf Jahre Haft überlebten

Gebete, das Hoffen auf das Wiedersehen der Familie, Unterstützung durch die Kirche vor Ort und missio: So haben sieben Christen im ostindischen Kandhamal elf Jahre unschuldig im Gefängnis überlebt. Anfang Dezember 2019 sind alle endgültig vom Obersten Gerichtshof freigesprochen worden.

Damit ist klar, dass der Vorwurf des Mordes an einem Hindu-Nationalisten 2008 gegen die sieben Männer  fingiert war und als Auslöser für bereits zuvor geplante hindu-nationalistische Pogrome gegen Christen im Bundesstaat Orissa (heute: Odisha) diente. missiol-Projektpartner haben die Familien kurz vor Weihnachten zu Hause besucht. Hier berichten unsere Partner, was die sieben Männer und ihre Familien erzählen.

Im Gefängnis haben wir täglich das Wort Gottes gelesen

Budhadeb Nayak ließ vor allem der Glaube überleben. "Nichts ist unmöglich für Gott, Gott hat unsere Gebete erhört, er lässt uns nie im Stich, unsere Befreiung war nur durch Gottes Gnade möglich, alles geschieht nach seinem Zeitplan, seinem Wissen und seinem Willen. Selbst im Gefängnis haben wir täglich gebetet und das Wort Gottes gelesen." Budhadeb Nayak ist glücklich, hat aber auch ein wenig Furcht davor, was die Zukunft bringen wird. Seine Tochter Silpa war noch ganz klein, als Budhadeb Nayak verhaftet wurde. Auch später konnte sie wenig über den Grund, warum ihr Vater im Gefängnis war, in Erfahrung bringen - ihr Mutter konnte darüber nicht reden. " Ich vermisste meinen kaum gekannten Vater und träumte immer im Schlaf von ihm. Jetzt bin ich überglücklich, denn ich kann ihn nun von Angesicht zu Angesicht sehen und ich kann ihn jetzt endlich auch meinen Vater nennen", erzählt Silpa.

Foto: missio / Projektpartner
Budhadeb Nayak ist überglücklich: Nach elf Jahren unschuldig im Gefängnis kann er an Weihnachten 2019 seine Familie wieder in die Armen nehmen. Er wurde auch dank missio vom Obersten Gerichtshof freigesprochen.

Die Kinder der unschuldig Inhaftierten fühlten sich wie Waisenkinder

Gornath Chalanseth sorgte sich im Gefängis immer um seine Familie und seine Kinder. Er betete immer dafür, dass seine Kinder auch ohne ihn und sein Einkommen zur Schule gehen und vielleicht sogar studieren konnten. Sie haben es geschafft. "Ich bin allen dankbar für die Unterstützung, die meiner Familie auf unterschiedliche Weise zuteil wurde", sagte er jetzt den missio-Partnern. Sein Sohn Sudhir Chalanseth ging auf ein Internat. "Ich fühlte mich wie ein Waisenkind. Im Internat. Wenn die anderen Kinder Besuch von ihren Eltern bekamen, war das sehr schmerzhaft für mich, wenn ich niemanden aus meiner Familie sehen konnte", erzählte Sudhir. Die Nachricht von der Freilassung seines Vaters konnte er kaum glauben. "Danach fühlte ich mich wie im Himmel", sagte er zu den missio-Partnern.

Foto: missio / Projektpartner
Gornath Chalanseth trifft in seinem Heimatdorf nach elf Jahren unschuldig im Gefängnis seinen Sohn wieder. Das war kurz vor Weihnachrten 2019.

Jetzt sind meine Kinder voller Hoffnung und Glück

Durjadhan Sunamajhi wühlt die Begegnung mit seinen Kindern nach elf Jahren Haft auf.  "Als ich im Gefängnis war, waren meine Kinder hilflos, kaputt und hoffnungslos. Jetzt sind sie voller Hoffnung und Glück", erzählt er beim Besuch der missio-Partner.  Ribita Sunamajhi, die älteste Tochter, erinnert sich: "Ich war klein, als mein Vater ins Gefängnis gebracht wurde. Als ich älter wurde, besuchte ich ihn zusammen mit meiner Mutter. Beim ersten Mal erkannte er mich nicht gleich und fragte meine Mutter, wer ich sei, was mich zutiefst schmerzte", erinnert sie sich. Jetzt konnte sie die Nachricht vom Freispruch für ihren Vater kaum glauben. Aber das Gefühl ist für sie und ihren Vater überwältigend: "Jetzt ist er mir nahe."

Foto: missio / Projektpartner
Durdjadhan Sunamajhi musste elf Jahre unschuldig im Gefängnis blieben. Für den Christen aus dem indischen Kandhamal setzten sich auch 6.000 Menschen aus Deutschland mit der missio-Petition #freeourhusbands ein. An Weihnachten 2019 kam er nach dem Freispruch des Obersten Gerichtshofes zu Hause an.

Oft habe ich im Gefängnis über den Sinn des Lebens nachgedacht

Bhaskar Sunamajhi hatte nur einen Sohn, als er ins Gefängnis gebracht worden war. Heute studiert der Sohn. Deshalb sagt Bhaskar Sunamajhi heute nur: "Gott ist wirklich großartig, der sich um meine Frau und mein Kind gekümmert hat. Ich bin ihm einfach nur dankbar." 

Sanatan Badamajhi tröstete das Gebet und das Wort Gottes, wenn ihn die Sorgen übermannten. "Oft habe ich über den Sinn und Zweck des Lebens nachgedacht, habe bis zuletzt gezweifelt, dass ich wirklich jemals wieder aus dem Gefängnis komme", berichtet er den missio-Partnern. Um seine Familie macht er sich zwar weiter Sorgen. Aber jetzt fühle er gleichzeitig auch eine grenzenlose Dankbarkeit. Er braucht noch etwas Zeit, aber seine Kinder, seine Frau, seine Verwandten und die christliche Gemeinde wieder zu sehen, macht ihn glücklich -  "sogar sehr glücklich", wie er zum Schluss den missio-Partnern sagt.

Noch etwas Zeit braucht  Munda Badamajhi. Er spricht nicht viel. Seine Frau Bazwarndigudali Badamajhi versteht ihn. Sie ist sich aber ganz sicher: "Ich habe für seine Freilassung gebetet und Gott hat mein Gebet erhört, er wird alles gut machen."

Foto: missio / Projektpartner
Munda Badamajhi (Mitte) ist noch gezeichnet von elf Jahren Haft, obwohl er unschuldig war. An Weihnachten 2019 ist er wieder zu Hause im indischen Kandhamal. missio-Partner betreuen ihn.
Foto: missio / Projektpartner
Sanatan Badamajhi kann endlich nach elf Jahren unschuldig in Haft im indischen Kandhamal wieder seine Frau sehen. missio hat sich mit einer Petition für seine Freiheit eingesetzt.

Wer als Christ leidet, der schäme sich nicht

Bijay Kumar Sanseth hat im Gefängnis oft über ein Wort des Heiigen Petrus nachgedacht, wenn er sehr traurig war: Wer als Christ leidet, der schäme sich nicht, sondern verherrliche Gott in diesem Sinne. "So konnte ich Kraft sammeln, ließ mich trösten und konnte Gott um inneren Frieden und äußeren Mut bitten", berichtet er heute. Er war fest davon überzeugt, dass er aus dem Gefängnis entlassen wird.

Für seine Frau Pabitra Sanseth war es "ein großer Schmerz, als mein Mann ins Gefängnis gebracht wurde", erzählt sie den missio-Partnern. "Es war schwar, den schmerzhaften Schrei meiner Schwiegermutter und die Last meiner Familie zu ertragen", berichtet sie weiter. Einmal hat sie sogar zu Gott gebetet, dass er sie sterben lassen soll. Danach hat Pabitra Sanseth Alpträume bekommen und Gott um Vergebung für diesen Wunsch gebeten. Danach habe sie eine Stimme gehört: "Fürchte Dich nicht, bete weiter", erinnert sie sich. Und so konnte sie die Last dann tragen. "Ich habe mich vollkommen auf Gott verlassen", sagt sie - und das hat sie mit ihrem Mann verbunden.

Bijay Kumar Sanseth, war vor seiner Verhaftung Vorsitzender einer Art christicher landwirtschaftlicher Genossenschaft. "Ich hatte einen Traktor für meinen Lebensunterhalt, aber ich habe alles verloren, als ich ins Gefängnis gebracht wurde, doch ich bin hoffnungsvoll, dass der Verein mit der Unterstützung Gottes wiedergegründet wird", sagt er zum Abschied zu den missio-Partnern.

missio wird die Familien der jetzt freigelassenen sieben Christen im Kandhamal weiter unterstützen.

Foto: missio / Projektpartner
Bijay Kumar Sanseth ist nach elf Jahren unschuldig im Gefängnis wieder mit seiner Familie vereint. Beruflich muss der Landwirt ganz neu starten.

Familien bedanken sich bei missio für die Unterstützung

Bedanken wollen sich die Familien ausdrücklich bei missio, die sich seit elf Jahren für die sieben unschuldig verurteilten Christen im Kandhamal eingesetzt haben. missio besuchte unter anderem 2016 mit Journalisten die Familien. Über ihr Schicksal berichteten anschließend zum Bespiel die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Südwestfunk, die Tagespost oder die Katholische Nachrichten-Agentur. missio startete eine Petition zur Freilassung der Männer unter dem Titel #freeourhusbands, die rund 6.000 Männer und Frauen unterzeichneten. missio unterrichtete auch Politiker in Deutschland über das Schicksal der sieben Christen.

Helfen Sie den Familien im Kandhamal weiter


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