Trauer und Angst nach tödlichem Angriff in Nigeria an Ostern
Am 5. April, dem Ostersonntag, dem höchsten Fest der Christen, erschütterte ein Angriff von Terroristen den Nordwesten Nigerias. Dort, in der Gemeinde Debe im Bundesstaat Kebbi wurden dabei mindestens 24 Menschen getötet. Unter den Opfern sind nach Angaben von missio-Partnern auch fünf Männer aus der katholischen Gemeinde sowie zwei Christen anderer Konfessionen, darunter ein Pastor.
Wo einst eine römisch-katholische Kirche, Häuser und Geschäfte standen, befinden sich heute Asche und Ruinen. Die Such- und Bergungsarbeiten dauern weiterhin an, sodass befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen könnte.
„Der Vorfall hat die Region in tiefe Trauer gestürzt“, sagt Pater Matthew Stephen Kabirat, Direktor für Soziale Kommunikation der katholischen Diözese Kontagora.
Doch Debe ist kein Einzelfall.
Gewalt erschüttert Gemeinden in der Osterzeit
In Nigeria, dem sechstbevölkerungsreichsten Land der Welt, leben seit Jahren Millionen Menschen in ständiger Unsicherheit. Banditen töten wahllos Menschen verschiedener Religionen und zeigen damit erneut die Brutalität, die viele Regionen prägt.
Christen gehören auch vielerorts zu den gefährdeten Gruppen. Islamistische Gruppen wie Boko Haram greifen immer wieder Kirchen, Dörfer und Gemeinden an. Die Zahlen zeichnen ein erschütterndes Bild: In den ersten 96 Tagen des Jahres 2026 wurden über 1.400 Christen getötet, 102 Menschen allein in der Karwoche. Seit 2009 summiert sich die Zahl der Opfer auf über 125.000.
Viele Christen sind verzweifelt. Sie rufen laut um Hilfe: „Wo sind unsere Anführer? Sind sie noch bei uns? Möge Gott unsere Gebete hören! Wir sind es leid, immer wieder Menschenleben zu verlieren“, sagt missio-Partner Fr. Maurice Kwairanga nach einem erneuten Angriff von Boko Haram auf ein Flüchtlingslager für Christen am 8. April.
Die Gewalt in Nigeria kennt viele Gesichter, doch keines ist weniger grausam.
Entführungen sind zu einem Geschäftsmodell geworden. Im November vergangenen Jahres erschütterte eine Nachricht aus Nigeria weit über das Land hinaus: Bewaffnete Angreifer stürmten die katholische St. Mary’s School und verschleppten mehr als 300 Kinder sowie zwölf Lehrkräfte.
Nach einem Monat wurden die Kinder freigelassen, auch infolge eines beispiellosen internationalen Drucks auf die nigerianische Regierung.
Die Schule bleibt bis heute, fast vier Monate später, geschlossen. Sie ist eine der größten Bildungseinrichtungen der Region und für viele Kinder oft die einzige Chance auf eine bessere Zukunft, fern von Armut und der Gefahr, von bewaffneten Gruppen rekrutiert zu werden. Die Sorge, dass sich ein solcher Angriff wiederholen könnte, ist geblieben. missio kontaktiert regelmäßig Bischof Bulus Yohana Dauwa aus Bistum Kontagora, um sich über die Lage vor Ort zu informieren. Seine Antwort bleibt unverändert: Die Menschen haben Angst und fliehen aus den Dörfern.
Leben zwischen Unsicherheit und Hoffnung
„Wir brauchen mehr Sicherheit vom Staat. Die Bundesregierung hat genug Kapazität, aber es wird zu wenig getan“, sagt Bischof Bulus verzweifelt.
Ermittlungen verlaufen im Sande, Täter werden selten zur Rechenschaft gezogen. Für viele Christen bedeutet das nicht nur den Verlust von Häusern und Kirchen, sondern auch den Verlust von Vertrauen – in Institutionen, die Sicherheit eigentlich garantieren sollten.
Genau das ist gerade passiert in der Gemeinde Debe in Kebbi.
„Es braucht jetzt dringend staatliches Eingreifen, eine umfassende Untersuchung des Angriffs und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien“, sagt Pater Matthew. „Wir rufen die Menschen dazu auf, angesichts dieser Tragödie ruhig zu bleiben und zusammenzuhalten“.
So entsteht ein Klima, in dem Angst zum Alltag wird – und Nigeria für viele Christen zu einem der gefährlichsten Orte weltweit wird.
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