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Meine Begegnung mit dem WMS

Von „Was ist das überhaupt?“ bis „Wow, das hatte ich nicht erwartet“

Fünf Personen stehen neben einem alten, hölzernen Waggon im Freien. Der Waggon trägt die Aufschrift „Glück Auf“ und "#Esseninnovation". Die Gruppe lächelt und posiert freundlich für das Foto, umgeben von einer grünen Wiese und historischen Industriegebäuden im Hintergrund.
Gäste aus Myanmar besuchten am 27. September im Rahmen der Eröffnungstage des WMS die Zeche Zollverein, ein UNESCO-Weltkulturerbe.

„WMS“ – drei Buchstaben, die im Frühling immer häufiger durch die Flure des missio-Büros hallten. Anfangs klangen sie für mich wie eine interne Parole, ein Kürzel, das alle kannten, nur ich nicht. Ich war neu, orthodoxe Christin in einer katholischen Organisation, mitten in meinem zweijährigen Volontariat in der Presseabteilung. Jede Woche lernte ich Dinge, über die ich vorher nie nachgedacht hatte – Themen, die sich öffneten wie Fenster zu Welten, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren.

WMS war eines davon. Ich ahnte, dass es wichtig war. Später verstand ich: Es war mehr als das. Dahinter verbarg sich eine ganze kleine Welt – voller starker Menschen, leiser Hoffnung, unbeirrbarer Courage.

Schließlich klärte mich eine Kollegin auf: „WeltMissionsSonntag“ – der Auftakt zum Weltmissionsmonat, einer Zeit, in der Katholikinnen und Katholiken weltweit daran erinnert werden, dass Kirche mehr ist als Mauern und Dogmen. Sie ist Bewegung. Begegnung. Ein Netzwerk aus Gemeinschaften, das sich über Kontinente spannt.

Dieses Jahr eröffnete missio Aachen den Weltmissionssonntag am 26. September in Essen, im Herzen des Ruhrgebiets – einer Landschaft, die einst vom Schmutz der Kohle und dem Klang der Maschinen geprägt war und heute vom leisen Surren neuer Verbindungen lebt. Unter dem Motto „Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen“ stand Myanmar im Mittelpunkt: ein Land, fast 8.000 Kilometer entfernt, erschüttert vom Bürgerkrieg, aber getragen von Menschen, die glauben – gegen jede Wahrscheinlichkeit.

Ein unsichtbarer, doch stahl starker Faden schien damals im Ruhrgebiet – einst geprägt von der Industrie, heutzutage von Begegnungen – gemeinsame christliche Werte aus fernen Ländern miteinander zu verknüpfen.

Aber nur wenige ahnen, wie viel Arbeit hinter so einer Veranstaltung steckt. Ich war nur ein kleiner Teil davon, ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich nahm an einigen Treffen teil, schrieb Texte, koordinierte Social Media. Währenddessen arbeiteten meine Kolleginnen und Kollegen bis spät in die Nacht und prüften Ablaufpläne. Einige erzählten mir später, sie hätten kaum geschlafen – zu präsent waren die To-do-Listen, zu lebendig die Verantwortung. Das dreitägige Programm musste laufen: Gottesdienste, Friedensaktionen, ein Konzert mit Judy Bailey, der Rundgang durch die Zeche Zollverein, das Treffen mit Großspendern und viel mehr. Und natürlich all die Details, die man nur bemerkt, wenn sie schiefgehen.

Am ersten Tag begegnete ich den Gästen aus Myanmar: zwei Ordensschwestern – Elizabeth Phyu Phyu Aung und Emi Soe –, Erzbischof Marco Tin Win, Pfarrer Philip Aung Nge und Pater Girish Santiago SJ.

Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass ich eines Tages Menschen treffen würde, deren Mut so still und zugleich so überwältigend ist, dass er mein eigenes Herz verändert – ich hätte es nicht geglaubt.

Während des Treffens mit den Großspendern erzählte Schwester Emi Soe ihre Geschichte. Wie sie und ihre Mitschwestern zusammen mit dreißig Waisenkindern fliehen mussten – nachts, zu Fuß, durch den Dschungel. Zwei Monate lebten sie dort, versteckt, ständig in Angst. Und doch sprach sie ohne Bitterkeit. In ihrem Blick lag Würde. In ihrer Stimme – Glaube.

Ich saß still in der letzten Reihe. Ich hatte mir vorgenommen, Beobachterin zu bleiben, professionell und distanziert. Doch ihre Geschichte traf mich mitten ins Herz. Ich versuchte vergeblich, meine Gefühle zu verbergen. Es war definitiv einer dieser Wow-Momente, die einem das Gefühl geben, lebendig zu sein, dass die eigene Seele nicht tot ist und man den Schmerz anderer Menschen spüren kann.

Während dieser drei Tage arbeitete ich vor allem an den Social-Media-Beiträgen – ich wollte unseren Followern zeigen, worum es hier wirklich ging: um Menschen, deren Leben von Ungerechtigkeit gezeichnet ist, und doch voller Licht. Um Glaube, der nicht in Kirchenbänken lebt, sondern in den Augen jener, die nicht aufgeben.

Unterstützung – das habe ich in diesen Tagen verstanden – ist kein Wort. Sie ist Tat, Aufmerksamkeit, Mitgefühl. Manchmal ist sie das Einzige, was jemanden über Wasser hält.

„Wir müssen stark bleiben – körperlich, seelisch, geistig“, sagte Schwester Emi Soe nach ihrer Rede. „Mit dem Glauben an Gott können wir weiter für unser Volk beten. Für jene, die am dringendsten unsere Hilfe brauchen.“

Der Weltmissionsmonat ist genau das: eine Erinnerung, dass der Glaube nicht nur in der Stille des Gebets lebt, sondern im Handeln. Dass er Brücken schlägt, wo Mauern wachsen.

Ich war in diesem Jahr nur ein kleines Puzzleteil im großen Ganzen. Aber es war genug, um mich zu verändern.


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