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Südafrika: "Wahre Helden"

Lebensfreude und Gottvertrauen: Schwester Hedwig hat immer davon geträumt, Ordensfrau zu werden und anderen Menschen zu helfen.

Von ihrem Traumjob erzählte sie als Schülerin niemandem. Denn das hätte gefährlich werden können für die angehende Novizin aus Südafrika. Heute engagiert sich Schwester Hedwig für notleidende Menschen in Zeiten von Aids.

Wer Ordensschwester werden will, lebt gefährlich. Das wusste die Südafrikanerin Hedwig Maphumulo schon als Schülerin. „Ich habe niemandem erzählt, dass ich in den Orden eintreten will. Denn dadurch hätte ich mich nur in die Gefahr gebracht, missbraucht zu werden.“ In ihrer Heimat gibt es nicht wenige Männer, die es auf Jungfrauen abgesehen haben. Auch angehende Novizinnen gehören zu den Opfern. Das ist die brutale Wirklichkeit in dem Land mit einer der höchsten Vergewaltigungsraten weltweit. Erst als Hedwig Maphumulo im Kloster angekommen war, erfuhren alle davon, dass sie Ordensschwester wird.

Länderinformation Südafrika

Geographie: südlichstes Land Afrikas, grenzt an Namibia, Botswana Simbabwe, Mosambik und Swaziland und hat fast 3.000 km² Küste.

Fläche: 1.219.090 km²; fast dreieinhalb mal so groß wie Deutschland.

Einwohner: rund 49 Millionen.

Sprache: 11 Landessprachen. Zulu (23,8%), Xhosa (17,6%), Afrikaans (13,3%), Sepedi (9,4%) und Englisch (8,2%) werden am häufigsten gesprochen.

Religionen: 77% Christen, 9% traditionelle Religionen, 1,5% Muslime, 1,5% Hindus.

Fußball-WM 2010: Südafrika ist als erstes afrikanisches Land Gastgeber einer Fußballweltmeisterschaft.

HIV/AIDS: Südafrika ist das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate. Rund 5,2 Millionen Menschen leben mit dem Virus (10,6%).

Wirtschaft: Südafrika erzeugt weniger als 0,5% des Bruttoinlandsproduktes der Welt, ist aber die größte Wirtschaft in Afrika (stellt fast ein Viertel des Bruttoinlandprodukts des gesamten Kontinents).

Eine Plage biblischen Ausmaßes

Seit mehreren Jahren ist sie für ihren Orden in dem kleinen Ort Nkandla in der Provinz Kwa Zulu-Natal im Einsatz und wird dabei vom Internationalen katholischen Missionswerk missio unterstützt. Die Großstadt Durban liegt drei Autostunden entfernt. In dieser dörflichen Region Südafrikas hat sich in den letzten Jahrhunderten das Leben nur wenig verändert. Grüne Hügel breiten sich über die Landschaft aus. Weit verstreut liegen einzelne Rundhütten, verbunden durch lehmfarbene Trampelpfade. Elektrischen Strom und fließendes Wasser gibt es nicht. Die Zeit scheint stillzustehen.

Doch seit einigen Jahren ist hier nichts mehr wie zuvor. Die Menschen werden krank. Zuerst sind es nur wenige. Dann immer mehr. Frauen und Männer auch Kinder. Die ersten sterben, dann füllen sich die Friedhöfe mit hunderten und tausenden neuer Gräber. Eine Plage biblischen Ausmaßes überzieht das Land. Besonders betroffen ist Kwa Zulu-Natal. Mit einer Infektionsrate von rund 38 Prozent der Bevölkerung liegt hier das Epizentrum der Aids-Pandemie. 900 von HIV betroffene Familien betreut das Team von Schwester Hedwig in einem schwer zugänglichen Gebiet.

Wie zum Beispiel jene aidskranke Mutter mit drei Kindern, die in einer baufälligen und vom Regen durchnässten Hütte lebt. Eines Morgens warten die Kinder hungrig auf das Frühstück, doch die Mutter scheint noch zu schlafen. Immer wieder versucht die älteste Tochter ihre Mutter wachzurütteln. Dann stammelt sie: „Mama ist tot“. Drei Tage harren die Kinder weinend neben der Leiche aus. Sie wissen nicht, was sie tun sollen. Dann bricht die älteste Tochter auf. Eine letzte Hoffnung gibt es noch. Sie macht sich auf den mühsamen Weg nach Nkandla. Stundenlang ist sie unterwegs. „Ich suche die Frau in dem weißen Kleid“, so irrt sie fragend umher und meint damit Schwester Hedwig in ihrem Habit, so wie sie bei dem ersten Besuch bei der Familie erschienen war.

Eine Plage biblischen Ausmaßes

Aidswaisen: Die Geschwister Mbali und Sne haben ihre Eltern verloren. Schwester Hedwig nimmt sich der Kinder an.

In der Missionsstation des Ordens findet sie endlich Schwester Hedwig, die sie tröstend in den Arm nimmt. Dann fahren sie gemeinsam zu der Hütte, wo die Geschwister warten. Noch immer liegt die Leiche in der Hütte. Die Ordensfrau muss handeln. Sie organisiert die Beerdigung. Durch ihren Einsatz überleben die Kinder und können sogar zur Schule gehen. Ohne diese Unterstützung hätten die drei Geschwister es damals nicht geschafft. Heute ist die älteste Tochter 20 Jahre alt, hat geheiratet und ist gerade Mutter geworden. Sie lebt in bescheidenen, aber geordneten Verhältnissen.

Die Hilfe von Schwester Hedwig und den anderen Ordensschwestern für die von Aids betroffenen Menschen umfasst neben der seelsorgerischen und pflegerischen Betreuung der Familie viele weitere Aufgaben. So haben die Ordensschwestern das Sizanani-Zentrum aufgebaut. „Helft einander“ lautet auf deutsch der Name dieses Hauses, in dem 40 Aidswaisen sowie HIV-infizierte Mädchen und Jungen leben. Die Nonne ist gleichzeitig Ansprechpartnerin für Menschen in Krisensituationen wie für Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind und befürchten, dadurch mit dem tödlichen Virus infiziert worden zu sein.

Unter ihnen ist eine schwangere junge Frau, die sich auf ihr Baby freut und erfahren muss, dass sie infiziert ist. „Wer kümmert sich um mein Kind, wenn ich nicht mehr bin?“, fragt sie. Schwester Hedwig setzt Gott und die Welt in Bewegung, um solchen Menschen zu helfen. Spezielle Medikamente können die Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft verhindern. Ebenso kann der Ausbruch von Aids durch die Medizin um viele Jahre, vielleicht sogar um Jahrzehnte aufgeschoben werden.

Ohne eine gute Ausbildung wäre Schwester Hedwig ihren vielfältigen Aufgaben nicht gewachsen. Trotzdem belasten sie diese tragischen Schicksale. „Wenn ich mich zum Gebet zurückziehe und meditiere, schöpfe ich aus dem Glauben wieder neue Kraft.“ Mit neuer Energie geht sie dann ans Werk. Ihr Gottvertrauen und ihre Lebensfreude sind ansteckend. Zum Beispiel, wenn sie sich mit den Kindern des Sizanani-Zentrums trifft und sie die traditionelle Zulu-Musik hören. Dann vergessen sie alles um sich herum und genießen den Moment. Während alle tanzen, hält Schwester Hedwig einen zweijährigen Jungen auf dem Arm und bewegt sich im Rhythmus der Musik. Voller Freude lacht das Kind. Seine Eltern sind an Aids gestorben. Auch der Kleine trägt das tödliche Virus in sich. Die Ordensfrau wird ihn mit Medikamenten versorgen. Und mit ganz viel Liebe.

Die Waisen von Nkandla

Mutterseelenallein: Ohne Hilfe von außen können die Aidswaisen nicht überleben.

Unter dem Titel „Die Waisen von Nkandla“ hat der britische Fernsehsender BBC im Jahre 2004 die Mission der Katholikin mit der Kamera verfolgt. Zu sehen ist die Geschichte des elfjährigen Mädchen Mbali und ihres kleinen Bruders Sne. Zuerst stirbt die Mutter an Aids. Dann pflegt die Tochter den kranken Vater, versorgt den kleinen Bruder. Als der Vater stirbt, haben die Kinder niemanden mehr. Doch die Nonne lässt die Aids-Waisen nicht im Stich. Sie macht sich auf die Suche nach einer Pflegefamilie, kümmert sich um die Schulgebühren für die Kinder. „Sie brauchen einfach alles, was arme Kinder nicht haben: Kleidung, Spielzeug, eine Schultasche“.

Wie sich Schwester Hedwig der Kinder annimmt, berührt die Menschen vor dem Fernsehschirm. Der Musiker Elton John sieht die Sendung und ist tief berührt von der Ordensfrau. Kurz Zeit später besucht der Popstar das Projekt in Südafrika. „Im Kampf gegen Aids“, sagt Elton John zu Schwester Hedwig und ihren Mitschwestern, „sind die Menschen in den Projekten die wahren Helden.“

Jörg Nowak / Fotos: Harald Opitz

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