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"Afrika kann seinen eigenen Weg finden"

missio-Präsident in Aachen: Prälat Dr. Klaus Krämer

missio-Präsident Krämer zum Afrikatag am 6. Januar 2011

16. Dezember 2010
Von Stefan Klinkhammer (KNA)

Vor 120 Jahren, am 6. Januar 1891, beging die katholische Kirche erstmals den Afrikatag. Damals war die Sklaverei noch präsent, gegen die die Kirche ankämpfte. Seither ist viel geschehen auf dem ärmsten Kontinent. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) spricht missio-Präsident Prälat Klaus Krämer über die Ursprünge des Afrikatages, über die Mission und die Gegenwart und Zukunft der afrikanischen Kirche.

KNA: Herr Prälat Krämer. Seit 120 Jahren gibt es den Afrika-Tag. Wie ist diese Initiative entstanden und was war ihr Sinn?

Krämer: Mit der ersten weltweiten Afrikakollekte, zu der Papst Leo XIII. für den Dreikönigstag 1891 aufgerufen hatte, wandte der Papst sich damals ganz explizit gegen die Sklaverei. Er nannte sie eine fluchwürdige Pest. Die Kollekte sollte ein kirchliches Zeichen gegen dieses Unrecht sein.

KNA: Sollten Sklaven mit dem Geld freigekauft werden?

Krämer: Das spielte auch eine Rolle. Der Papst wollte mit dem Erlös vor allem die Arbeit der katholischen Missionare unterstützen, die sich in vielen Fällen gegen die Menschenjagd engagierten und auch Sklaven freikauften. Der Kampf gegen die Sklaverei war in der Missionsbewegung des 19. Jahrhunderts ein ganz wichtiges Motiv.

KNA: Wie entwickelte sich diese Mission dann weiter?

Krämer: Im 19. Jahrhundert ging es ja zuerst darum, Menschen überhaupt mit dem christlichen Glauben in Kontakt zu bringen, den Glauben zu verkünden und durch die Taufe in die Gemeinschaft der Kirche aufzunehmen. Aus dieser Arbeit der Missionare entwickelte sich südlich der Sahara eine große einheimische Kirche mit eigenen Strukturen, Priestern und Ordensleuten. Heute besteht Mission vor allem darin, diese kirchlichen Strukturen und damit das kirchliche Leben vor Ort zu unterstützen.

KNA: Worauf kommt es da besonders an?

Krämer: Wir tun viel für die Ausbildung der Priester und Ordensleute, auch für die Ausbildung von Katechisten, also Laienmitarbeitern. Sie tragen oft die eigentliche pastorale Arbeit vor Ort und sind nahe am Leben der Menschen. Das ist zwar keine Entwicklungsarbeit im engen Sinne. Aber indem wir pastorale Mitarbeiter gut ausbilden, fördern und qualifizieren wir Verantwortungsträger, die nicht zuletzt für die gesellschaftliche und soziale Entwicklung ihrer Länder viel leisten können.

KNA: Also die klassische "Hilfe zur Selbsthilfe"?

Krämer: Ja, durch die Strukturen der Diözesen und Gemeinden entstehen lebendige Netzwerke vor Ort. Die Menschen können diese Netzwerke nutzen, um gemeinsam mit unseren Partnern ihre Situation zu verbessern. Ich denke, diese Gemeindestrukturen sind eine besonders effektive und nachhaltige Form von Entwicklungshilfe.

KNA: Welche Herausforderungen kommen auf die Kirche Afrikas zu?

Krämer: Eine der größten Herausforderungen sehe ich in der Notwendigkeit noch mehr als bisher auf eigenen Füßen zu stehen. Dies ist nicht zuletzt deshalb nötig, weil die Kirchen im Westen sie in Zukunft nicht mehr in dem Maße werden finanziell unterstützen können, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Deshalb wird künftig die Frage der Finanzierung der eigenen Strukturen eine große Herausforderung für die afrikanische Kirche sein. Da gilt es zu überlegen, wie das kirchliche Leben noch mehr aus eigener Kraft heraus getragen und entwickelt werden kann.

KNA: Sie kennen Schwarzafrika von eigenen Reisen. Wie beurteilen Sie die Lage dort?

Krämer: Die Probleme sind vielfältig. Denn einerseits gibt es große wirtschaftliche Schwierigkeiten: Als Produzent steht Afrika in der Weltwirtschaft beispielsweise völlig am Rand und die wichtigen internationalen Akteure tun wenig dafür, das zu ändern. Hinzu kommen große Herausforderungen im Gesundheitswesen. Das Problem der HIV/Aids-Pandemie ist da nur die Spitze eines Eisbergs. Dies alles stellt die Menschen und die Kirche vor immense Herausforderungen. Von vielen wird der Kontinent in seiner Not aber schon fast vergessen. Man hat sich daran gewöhnt.

KNA: Spüren Sie diese Wahrnehmung Afrikas auch in Deutschland?

Krämer: In den Gemeinden zum Glück nicht. Wenn wir dort die Kampagne zum Monat der Weltmission veranstalten, spüre ich sehr viel Anteilnahme. Gerade wenn wir Vertreter der afrikanischen Kirche einladen und konkrete Kontakte ermöglichen. Da springt sehr viel Positives über. Die Menschen bei uns lassen sich anstecken von der Lebens- und Glaubensfreude afrikanischer Christen. Das gibt wichtige Impulse für unser eigenes kirchliches Leben. Insgesamt ist die Solidarität mit Afrika ein wichtiges Anliegen der deutschen Katholiken.

KNA: Worin sehen Sie den größten Unterschied im Gemeindeleben hier und in Afrika?

Krämer: Schon die Länge der Gottesdienste unterscheidet sich sehr. In Afrika dauern sie häufig drei Mal so lang wie bei uns. Und die Lebendigkeit ist dort natürlich eine andere. Dabei spürt man auch das Bemühen, die jeweilige Kultur der Region in die Liturgie einfließen zu lassen, etwa durch typische Gesänge oder Tänze. Durch die Einbindung von lokalen Traditionen und Bräuchen wird die Feier ein fester Bestandteil des Lebens dieser Menschen. Etwas davon wünsche ich mir auch hier, weil die Liturgie in der Mitte des Lebens stattfinden und Impulse für den Alltag geben sollte.

KNA: Was wünschen Sie sich für Afrikas Zukunft?

Krämer: Ich wünsche den Menschen in Afrika, dass sie ihr Selbstbewusstsein, allen Problemen und Herausforderungen zum Trotz, bewahren und stärken. Ich wünsche ihnen, dass sie die reichen materiellen und kulturellen Ressourcen nutzen und die Entwicklung des Kontinents mehr und mehr in die eigene Hand zu nehmen. Ich wünsche der Kirche in Afrika, dass es ihr gelingen möge, eine Gestalt einer Kirche und Glaubensgemeinschaft zu entwickeln, die zu Afrika passt und gleichzeitig auf den Rest der Weltkirche ausstrahlt.

Mit freundlicher Genehmigung der KNA.

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