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Stimme der Armen

Pfarrer Ambroise Tine ist Leiter von Caritas Senegal.

Mit den weltweiten Kollekten zum Afrikatag sammelt die Kirche im Januar 2012 Gelder für die Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter in Afrika. Auch der Direktor von Caritas Senegal, Ambroise Tine, verdankt seinen beruflichen Werdegang der Unterstützung aus Deutschland. Davon profitieren heute viele arme Menschen. Denn ob vor der UN oder in den Dörfern des Senegal: Pfarrer Tine setzt sich für diejenigen ein, die von jeglicher Entwicklung abgeschnitten sind.

Als kleiner Junge hätte es sich Ambroise Tine nie träumen lassen, dass er eines Tages in New York die große Bühne betreten würde. Vor 57 Jahren kam er in einem kleinen Rundhütten-Dorf zur Welt, das in der kargen Savannenlandschaft des Senegal liegt. Damals wie heute leben die Menschen dort von dem, was sie dem Land abtrotzen können. Immer mit der Angst, der nächste große Regen könne ausbleiben und sie dem Hunger ausgeliefert sein. Es ist diese Erfahrung, die Ambroise Tine mit nach New York brachte, als er im September 2010 an das Rednerpult der Vereinten Nationen tritt und vor der Versammlung erklärt: „Wenn sie eine arme Familie im Senegal fragen, ob sie von den Millennium-Zielen zur Armutsbekämpfung gehört haben, wird sie dies vermutlich verneinen. Doch sie kennen die Ziele. Allerdings unter einem anderen Namen. Sie nennen sie ‚Überleben’.“

Sich für Menschen in Not einzusetzen und ihnen eine Stimme zu verleihen, bestimmte schon immer das Leben von Ambroise Tine. Schon früh war dem aufgeweckten Jungen klar, dass er Priester werden möchte. Obwohl sein Vater früh starb, schaffte er den Schulabschluss. Mit 16 Jahren trat er in das kleine Seminar zur Priesterausbildung ein. Nach Jahren der Ausbildung und des Studiums in Rom, das missio unterstützte, wurde er Caritasdirektor in der Diözese Thiès. Seit 2007 leitet Ambroise Tine als Nationaldirektor die Caritas im Senegal und ist damit zuständig für die Koordination ihrer Dienste in allen sieben Diözesen des westafrikanischen Landes.

Ständig ist der lebhafte Pfarrer unterwegs, um den Bau von Brunnen zu organisieren, Nothilfe und Gesundheitsdienste zu koordinieren. Bei all dem hat er für die Menschen immer ein offenes Ohr und aufmunterndes Wort übrig. In seiner Gegenwart wird viel gelacht, denn mit Humor, so findet Ambrosius Tine, lässt sich manches besser ertragen. Und ertragen müssen die Menschen im Senegal einiges.

In der Liste der Vereinten Nationen, die die Entwicklungsstufe aller Länder bewertet, liegt der Senegal nur einen Platz vor Haiti auf Rang 144. Jeder fünfte Senegalese ist unterernährt. Mehr als die Hälfte der Menschen kann nicht schreiben oder lesen. „Wir haben unheimlich viele Jugendliche, die keine Arbeit finden können“, erklärt Pfarrer Ambrosius. „Sie leiden sehr unter der Perspektivlosigkeit. Viele träumen davon, nach Europa zu gehen, weil sie dort auf Arbeit hoffen. Manche unternehmen die riskante Reise und verlieren dabei ihr Leben.“

AT 2012 Ambrosius Tine, Muslime, Dakar:
Der friedliche Dialog zwischen Christen und Muslimen ist beispielhaft für den Senegal.
Ambrosius Tine, Muslime, Dakar: Der friedliche Dialog zwischen Christen und Muslimen ist beispielhaft für den Senegal.

So erging es dem Sohn von Yayi Bayam Diouf, einer Nachbarin von Pfarrer Ambroise in Dakar. Der 28-Jährige ertrank zusammen mit 80 jungen Männern, als er 2006 versuchte, mit einem völlig überfüllten Boot die 800 Kilometer entfernten Kanarischen Inseln zu erreichen. Für seine Mutter und die Familien der Bootsinsassen brach eine Welt zusammen. Sie hatten nicht nur den Verlust ihrer geliebten Söhne und Ehemänner zu betrauern. Viele Witwen wussten auch nicht, wie sie ohne den Ernährer ihren Lebensunterhalt und das Schulgeld für ihre Kinder aufbringen sollten.

In ihrer Verzweiflung wandten sie sich an Pfarrer Ambroise. Er ermunterte sie, sich selbst mit kleinen Einkommen schaffenden Projekten selbstständig zu machen, und konnte das Schulgeld für die Kinder aufbringen. Mit seinen Mitarbeitern klärt Ambroise Tine über die Gefahren der Migration auf und hilft, mit den jungen Menschen neue Perspektiven im eigenen Land zu finden. missio unterstützt ihn dabei.

Nach Deutschland hat Abbé Ambroise sehr gute Beziehungen. Während seines Studiums in Rom und auch danach übernahm er mehr als zehn Jahre lang im Sommer die Urlaubsvertretung für den Pfarrer von Hersel bei Bonn im Rheinland. Während dieser Zeit hat er Partnerschaften zwischen Städten und Diözesen in Deutschland und dem Senegal mit auf den Weg gebracht. Für sein völkerverbindendes Engagement ist ihm vom deutschen Staat das Bundesverdienstkreuz verliehen worden. In dieser Zeit sind enge Freundschaften mit Familien in Deutschland entstanden, so dass er immer wieder zu Besuch nach Deutschland kommt.

Bei einem dieser Besuche konnte er selber erleben, wie es sich anfühlt, wenn man an den Grenzen Europas in Verdacht gerät, unautorisiert einreisen zu wollen. Pfarrer Ambroise war von einer befreundeten deutschen Familie zu einer Taufe eingeladen worden. Er war nach Brüssel geflogen, um von dort nach Deutschland zu reisen. Doch bei der Passkontrolle bekam er nicht wie gewohnt den Einreisestempel, sondern wurde von Grenzbeamten abgeführt. Der gerade neu ausgestellte Pass hatte das Misstrauen der Kontrolleure erregt.

Über eine Stunde dauerte das Verhör. Warum er gekommen sei?, Wohin er wolle?, Wie lange er bleibe?, fragten die Beamten in zunehmend schärferem Ton. Ambroise Tine beantwortete alle Fragen pflichtbewusst, doch mit zunehmender Zeit wurde ihm immer unwohler in seiner Haut. Die Beamten hatten auch wissen wollen, ob er in Europa Arbeit suche. Pfarrer Ambroise hatte geantwortet: „Ich bekomme zwar immer wieder Arbeitsangebote aus Europa, aber ich muss diese leider ablehnen. Denn ich werde im Senegal gebraucht.“ Schließlich erlaubten die Belgier die Einreise.

Pfarrer Ambroise ist sich bewusst, dass die meisten Afrikaner nicht die gleichen Chancen haben wie er. Für all diejenigen wollte er vor den Vereinten Nationen sprechen. „Ich hoffte, die Stimme der Armen zu sein, derjenigen die keine gute Bildungschancen haben, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, und derjenigen, deren Kinder keine Chance habe, einfach weil sie am falschen Ort geboren sind.“ Und egal, ob in New York oder in Dakar, Ambroise Tine ist fest entschlossen, sich weiterhin für diejenigen einzusetzen, die ansonsten kein Gehör finden.

Bettina Tiburzy

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