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„Eine Kettenreaktion der Nächstenliebe“

Sie ist Journalistin, er Seelsorger. Beide verbindet ihre Leidenschaft für den „Schwarzen Kontinent“. Gundula Gause, Nachrichtenredakteurin im „heute journal“, engagiert sich als missio-Schirmherrin für den Afrikatag. Pfarrer Bernhard Merz hat einen Stiftungsfonds gegründet, um den Lebensunterhalt von Priestern in Uganda zu sichern. „Es lohnt sich, selbst wenn nur einem Menschen geholfen wird“, sagen sie.

Engagiert für Afrika: Fernsehfrau Gundula Gause und Pfarrer Bernhard Merz.
Engagiert für Afrika: Fernsehfrau Gundula Gause und Pfarrer Bernhard Merz. © Sämmer

Frau Gause, Herr Pfarrer Merz, welches Bild hat die Öffentlichkeit von Afrika?

Gause: Das Bild von Afrika prägen schlechte Nachrichten wie die von Ebola, IS-Terror, Boko Haram in Nigeria. Leider ist dieses Bild immer noch mehr von Problemen gekennzeichnet, als dass es der Schönheit des Kontinents gerecht wird.

Merz: Ja, es stehen eher die Bedürftigkeit und Vorurteile im Vordergrund. Aber es sind ja auch Tatsachen: die hohe Korruptionsrate in vielen Ländern, große Armut, Unterentwicklung, Polygamie, die auch ein Faktor in dieser Unterentwicklung ist.

Aber gerade in Uganda, wo Sie, Herr Pfarrer Merz sich besonders engagieren, gibt es viele erfolgreiche Jungunternehmen.

Merz: Ja, Uganda erlebt einen Entwicklungsschub, weil man im Land Öl gefunden hat.

Wer profitiert davon?

Merz: Ich fürchte, die einfache Bevölkerung nicht. Ich habe im Vorbeifahren kilometerlang eingezäuntes Gelände gesehen, das von Spekulanten aufgekauft wurde. Die Leute werden von ihrem angestammten Grund vertrieben, weil sie keine Landtitel vorweisen können. Oft werden Einheimische vorgeschoben, hinter denen internationale Konzerne stehen.

Gause: Vergleichbares habe ich auch in Kenia erlebt. Die gute Nachricht wäre, dass es viele Priester und Ordensleute gibt, die mit den Menschen auf ärmstem Niveau leben, sich für sie engagieren und mit ihnen ihre Probleme zu bewältigen versuchen.

Welche Rolle spielen Priester und Ordensleute für die Entwicklung in Afrika?

Gause: Also, das was missio macht, ist erst mal klassische Entwicklungshilfe. Es wird den Menschen gezeigt, wie sie das Land bewirtschaften können, wie gesunde Ernäh rung aussieht, Familien werden angehalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Das, was Christen in Afrika leisten, ist für mich eine Kraft, die Zivilisation schafft: zunächst Entwicklungshilfe, die an der Wurzel des menschlichen Zusammenlebens ansetzt und einfach im Guten wirkt – jenseits von Profit oder anderen Interessen, die von außen in das Land hineingetragen werden, und dazu kommt der seelsorgerische Mehrwert durch den Glauben.

Es geht also gar nicht so sehr um Mission?

Gause: Es hat mich sehr gewundert, als ich für missio in Afrika war, zu erleben, dass die Schwestern und Brüder eben nicht im eigentlichen Sinn missionieren. Sie leben einfach mit den Menschen. Ich habe sie gefragt: „Warum sprecht ihr mit den Jugendlichen nicht über Gott?“ Aber sie haben nur den Kopf geschüttelt und gesagt: „Wir sind für sie da, und so ist es gut.“ Es war für mich eine bewegende Erfahrung zu erleben, wie die Ordensleute die Menschen an den Glauben heranführen, indem sie einfach deren Not teilen – in christlicher Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Demut. Diese spirituelle Dimension gibt den Menschen Zuversicht, Hoffnung, Trost, mit ihren Lebensumständen klarzukommen. Sie gibt ihnen Geborgenheit im Glauben.

Merz: Mein Freund George William Kaahwa, der Priester in Uganda ist, versucht auch, den Leuten nicht einfach Geld zu geben, sondern sie herauszufordern und anzuleiten, das Wenige, das sie haben, miteinander zu teilen. Es geht darum, zusammenzuleben, um stark zu werden, darum, den Gemeinschaftsgedanken zu fördern. Auch er selbst bemüht sich, Gemeinschaft zu leben, also nicht septisch abgeschottet nur für Gottesdienste da zu sein.

Pfarrer Merz, Sie helfen Priestern in Uganda mit einer Stiftung. Wie kamen Sie dazu?

Merz: George William Kaahwa, der seit Jahren in meinen Pfarreien Urlaubsvertretung macht, erzählte mir eines morgens, wie arm die Priester in seiner Heimat sind. Sie bekommen vom Bischof keinerlei Gehalt, allenfalls Spenden aus unseren Hilfswerken oder durch Messstipendien, die in die Missionsländer weitergeleitet werden. Wir hatten George William bis dato durch Spenden unterstützt. Ich habe dann nach einer Möglichkeit gesucht, dauerhaft etwas für Priester zu tun. Bei missio konnte ich mit einem kleinen Startkapital von 5.000 Euro eine Stiftung gründen. Durch Zustiftungen ist der Kapitalstock von 2010 bis heute auf 140.000 Euro angewachsen. Mit Stiftungserlösen und Spenden fördern wir mittlerweile 500 Priester in fünf ugandischen Diözesen.

Aids: Ordensleute geben Waisen ein Zuhause. | Armut: Dürren, Landraub, Unterentwicklung machen jeden Tag zum Überlebenskampf.
Aids: Ordensleute geben Waisen ein Zuhause. | Armut: Dürren, Landraub, Unterentwicklung machen jeden Tag zum Überlebenskampf. © F. Stark | H. Schwarzbach

Was motiviert Sie, sich zu engagieren?

Gause: Meine Motivation ist, die Freude, die ich am Glauben empfinde, weiterzugeben. Für mich ist das Christentum der Appell, sich für andere zu engagieren. Der Glaube ist für mich ein Geschenk, und ich freue mich, wenn ich das quasi weitergeben kann, indem ich mich dafür engagiere, dass Projekte bekannt werden, dass Menschen geholfen wird.

Merz: Als Jugendlicher habe ich unserem Pfarrer geholfen, die Akten zu sortieren. Er schenkte mir ein Neues Testament. Und da bin ich dann auf Worte gestoßen wie: „Gebt und es wird euch gegeben werden.“ Damals war einer der ers ten Konflikte, die in mein Blickfeld geraten sind, der Biafra-Konflikt. Ich habe von meinem Ta schen geld gespendet, weil ich merkte: Das darf mir nicht egal sein, wenn ich Christ sein will. Dass ich dann gemäß dieses Schriftworts von anderswo unverhofft Geld bekam, war der Auslöser – letzten Endes auch dafür, dass ich Priester geworden bin.

Afrika gilt immer noch als der verlorene Kontinent. Lohnt sich da Hilfe überhaupt?

Gause: Auf jeden Fall! Indem man einem Einzelnen hilft, entwickelt sich – so nenne ich es – eine Kettenreaktion der Nächstenliebe.

Merz: Vielleicht ist meine Hilfe wirklich nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Aber wenn nur einem geholfen wird, hat die Sache schon Sinn. Was zählt, sind die Gesten, die Zeichen der Hoffnung, die gesät werden. Jeder hat nur in einem gewissen Zeitfenster die Möglichkeit zu helfen, und die müssen wir nutzen. Wenn ich diese Chance immer verschiebe, ist sie irgendwann vorbei.

Interview: Beatrix Gramlich

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