Subnavigation und Schnelleinstieg

Ihr Kontakt zu missio

Unsere Servicezeiten ,
Mo.-Do. 8-17 Uhr Fr. 8-13 Uhr

Goethestr. 43 , 52064 Aachen

Tel.:
0800 / 38 38 393
Kontaktformular:
zum Kontaktformular
Weltmissionssonntag 2017: Navigationselement » Liturgische Hilfen » Gäste » Filme & Reportagen » Downloads » Sonntag der Weltmission » Spenden & Projekte » Aktionen für die Gemeinde » Burkina Faso
Wir bauen ein Haus für Alle Solidarität mit bedrängten Christen Glauben teilen. Weltweit. Aktion Schutzengel - Für Familien in Not. Weltweit.

Projektauswahl

Filterkriterien
.
missio im Web 2.0: Facebook, Twitter, Google+, Youtube, Instagram, Blog » Twitter » Instagram » Youtube » Blog » Google+ » Facebook

Inhalt

Geschichte des Afrikatags

Eine Statue im Senegal erinnert an die Epoche der Sklaverei. © Fritz Stark / missio

Der Afrikatag wurde 1891 von Papst Leo XIII. zur Bekämpfung der Sklaverei eingeführt. Heute fördert missio mit der Kollekte zum Afrikatag Projekte und Programme, die Menschen von modernen Formen der Sklaverei, der Unterdrückung und Abhängigkeit befreit und ihnen Chancen zu mehr Selbstbestimmung, Eigeninitiative und Zukunftsgestaltung eröffnet.

Das Christentum hatte immer eine kritische Haltung zur Sklaverei. Im Verlauf seiner Geschichte jedoch kam diese Position nicht immer zur Geltung. Der folgende Aufsatz von P. Othmar Noggler beleuchtet dieses oft schuldhafte Versagen der Kirche und zeigt auf, wie es gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Kirchen Europas zu einer offenen Kritik der Sklaverei und ihrer breiten Bekämpfung kam.

Lesen Sie in nachfolgend von P. Othmar Noggler, wie es zum Afrikatag kam.

Ich nenne euch nicht mehr Sklaven ...

von P. Othmar Noggler, missio

Es ist nun mehr als hundert Jahre her, dass am Epiphanietag 1891 zum ersten Mal die Kollekte für die afrikanische Mission gehalten wurde. Papst Leo XIII. hat diesen so genannten „Afrikatag“ mit einem Schreiben an die katholischen Bischöfe vom 20. November 1890 (1) ins Leben gerufen. Er hängt mit einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte zusammen: mit der Sklaverei.

(1) Enzyklika "Catholicae Ecclesiae"

Die Sklaverei ist ein Kapitel in der Geschichte des Christentums, das noch weit bis in unser Jahrhundert hereinreicht, ja selbst heute – wie alarmierende Berichte aus dem heutigen Sudan zeigen – noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Verbreitet ist die Annahme, dass Sklaverei, vor allem Sklavenjagd und Sklavenhandel, besondere Merkmale der arabischen Länder seien. Das ist allerdings nur zum Teil richtig.

Sklaven sind Menschen, die – nach der Definition des „Lexikon für Theologie und Kirche“ – ihrer persönlichen Freiheit beraubt sind, als Sache behandelt werden und im Eigentum eines anderen stehen. Schon im Altertum war die Sklaverei weit verbreitet, nicht nur in Europa, Afrika und im Orient, auch im alten Amerika vor Kolumbus. Die Araber spielten jedoch in der Neuzeit eine besondere Rolle bei der Beschaffung von Sklaven und Zwangsarbeitern in sklavenartiger Abhängigkeit – und zwar für die „christlichen“ Kolonien in Amerika und Afrika.

Ein christlicher Gewissenskonflikt

Wenn Papst Leo XIII. in seinem Schreiben von der gänzlich auszurottenden „fluchwürdigen Pest der Sklaverei“ spricht, so kann er sich dabei auf eine ganze Reihe von Päpsten berufen, die ähnlich dachten: Angefangen von Gregor dem Großen (590–604) über den mächtigen Innozenz III. (1130–1145) und Paul III. (1534–1549), der die Völker Amerikas vor dem Los der Sklaverei zu retten suchte, bis zu Gregor XVI. (1831–1846), der dreißig Jahre vor ihm die Sklaverei verurteilte. Er kann unterstreichen, dass der Kirche „von Anfang an nichts mehr am Herzen lag, als die Aufhebung und gänzliche Ausrottung der Sklaverei, welche als elendes Joch auf so vielen Menschen lastete“. Einschränkend muss er allerdings hinzufügen, dass die Kirche mit der Lösung dieses Problems „in Berücksichtigung von Zeit und Umständen allmählich und maßvoll umging“.

Wer den Brief des Apostels Paulus an Philemon liest, erwartet mit der Einführung des Christentums als Reichsreligion nach 325 auch die Abschaffung der Sklaverei. Sie war doch Kennzeichen der alten Ordnung, unter der das Christentum vielfach blutig verfolgt wurde. Zudem bildeten Sklaven einen bedeutenden Teil der christlichen Gemeinden. Paulus weist uns den Weg einer Überwindung der Sklaverei von innen her. Er schreibt an Philemon, als er ihm einen entlaufenen Sklaven wieder zurückschickte:

„Vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für immer zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder.“ (Phil 15f.)

Doch so weit reichte die Kraft der Christen nicht. Sobald sie selbst Nutznießer einer überkommenen „Ordnung“ waren, gelang es ihnen nicht mehr, Angehörige anderer Völker, Nichtchristen, gar farbige Menschen tatsächlich als Geschwister mit gleicher Würde anzusehen.

Wie immer gab es in der Kirche aber auch Propheten. So haben die Bischöfe der frühen Kirche, das sei zu ihrer Ehre gesagt, im Sklavenstand kein Hindernis für die Berufung in ein kirchliches Amt gesehen. Priester entließen Sklaven, die ihnen als Pfründe zugefallen waren, in so großer Zahl, dass ihre Finanzverwaltungen glaubten, gegen diese „Verschwendung“ einschreiten zu müssen. So legte etwa die Synode von Sevilla 390 fest, dass ein Bischof oder Priester seine Kirchensklaven nur dann in die Freiheit entlassen dürfe, wenn er finanziellen Ersatz bieten könne – oder einen anderen Sklaven. Hier ging es um kirchlichen Besitzstand, den es zu wahren galt.

Im frühen Mittelalter war die zuletzt im fränkischen Reich bis ins 10., in England und Skandinavien noch bis ins 13. Jahrhundert bestehende Sklaverei in Europa weitgehend abgeschafft und in die zumindest mildere Form der Leibeigenschaft oder Hörigkeit umgewandelt. In Südeuropa erfuhr sie allerdings in der Zeit der Sarazenenkriege und später der Kreuzzüge durch den Einbruch der arabischen Völker in den Mittelmeerraum einen erneuten Aufschwung. Kriegsgefangene beider Seiten wurden als Sklaven betrachtet. Auf christlicher Seite entstanden die Orden der Theatiner und Mercedarier, die sich den Loskauf versklavter christlicher Gefangener zur Lebensaufgabe machten, notfalls selbst im Austausch in die Sklaverei gingen.

Den Gipfel verbrecherischer Geschäftemacherei erreichten wohl die „christlichen“ Venezianer, die christliche Kinder, die sich zur Befreiung des Heiligen Landes in Venedig beim so genannten Kinderkreuzzug einschiffen wollten, kurzerhand als Sklaven an die Araber verkauften.

Die Botschaft der Befreiung

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Urgemeinde in Jerusalem die Besitz- und Geldgier als eine wesentliche Wurzel von Menschenverachtung und Leid angesehen und deshalb für die authentische Nachfolge Jesu den Gemeinschaftsbesitz gewählt hatte (vgl. Apg 2,44). Schließlich war es diese Gier, die auch zu dem für uns unfassbaren Verbrechen der Sklaverei unter christlichem Vorzeichen führte. Millionen indianischer Menschen waren schon ausgerottet, als Bartholomé de Las Casas, der berühmteste Verteidiger der indianischen Völker, zu ihrem Schutz den folgenschweren Rat gab, doch Afrikaner „einzuführen“, die den abverlangten Strapazen in Bergwerken und auf den Plantagen besser gewachsen seien. Abgesehen davon, dass Portugal zu dieser Zeit bereits den Sklavenhandel mit Afrikanern auf die Neue Welt ausgedehnt hatte, schien ihm sein Vorschlag, als er dessen menschliche Konsequenzen sah, selbst ungeheuerlich und beklagenswert.

Am Sklavenhandel haben nicht nur alle „christlichen Seefahrer“ und ihre Nationen verdient, auf ihm haben nicht nur die Amerikaner ihre Wirtschaft aufgebaut, auch die Kirche und die Missionare haben sich nachweislich an dem Geschäft beteiligt. Sogar auf der päpstlichen Flotte wurden noch 1724 Sklaven gehalten.

Schließlich geschah es aber auch auf Drängen der päpstlichen Kongregation für die Verbreitung des Glaubens, das Papst Benedikt XIV. 1741 die Apostolische Konstitution „Immensa pastorum“ herausgab, als deren Folge Portugal 1755 den Sklavenhandel mit Indianern verbot.

Die Kongregation hatte mehr erwartet, nämlich nicht nur ein Verbot der Versklavung von Indianern, sondern auch von Afrikanern. Sie hatte es von sich aus in einem Schreiben an den Missionsoberen im Kongo auch auf die afrikanischen Menschen ausgedehnt.

Die Zeit war reif

Bis zur wirklichen Abschaffung der Sklaverei durch die europäischen Nationen bedurfte es noch einiger Zeit. Es war mehr der Zeitgeist der Aufklärung, der das Bewusstsein von der Würde und Gleichheit aller Menschen förderte, als die Initiative der Kirche selbst. Erst das 19. Jahrhundert jedenfalls brachte die wirkliche Abschaffung der Sklaverei durch die europäischen Nationen und die Vereinigten Staaten.

Nicht betroffen hiervon war die Sklaverei bei den Arabern in Afrika. Und abseits der Blicke der Öffentlichkeit bedienten sich die Kolonialmächte ihrer in einer Weise, die „Doppelmoral“ in ihrer reinsten – und schlimmsten – Form darstellt.

Aber das Bewusstsein der Christen war einmal wachgerüttelt. Das größte Verdienst hieran haben sicher die Missionare und Missionsvereine beider Konfessionen sowie die Missionsorden, die durch ihre Berichte von der Not der afrikanischen Sklaven eine breite Anteilnahme und Solidarität hervorgerufen hatten.

© 2009-2017 missio Aachen