Subnavigation und Schnelleinstieg

Ihr Ansprechpartner

Werner Meyer zum Farwig ,
stv. Leiter der Abteilung Bildung

Tel.:
+49 (0)241 / 7507-289
Kontaktformular:
zum Kontaktformular

Ihre Ansprechpartnerin

Hilde Wilhelm ,
Abteilung Bildung; Koordination Gästeeinsatz

Tel.:
+49 (0)241 / 7507-263
Kontaktformular:
zum Kontaktformular
» Kollektenaufruf und -termine » Reportage » Afrikatag 2017 » Bausteine für den Gottesdienst » Afrikatag 2017
Aktion Schutzengel - Für Familien in Not. Weltweit. Wir bauen ein Haus für Alle Solidarität mit bedrängten Christen Glauben teilen. Weltweit.

Projektauswahl

Filterkriterien
.
missio im Web 2.0: Facebook, Twitter, Google+, Youtube, Instagram, Blog » Twitter » Instagram » Youtube » Blog » Google+ » Facebook

Inhalt

"Deutliche Spannung zwischen arm und reich"

Reise durch Nigeria: Bewegende Begegnungen und bittere Armut

Zehn Tage lang begleitete Prälat Klaus Krämer, missio-Präsident in Aachen, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, durch Nigeria. Auf der Reise durch das bevölkerungsreichste Land Afrikas empfingen sie die Menschen mit großer Herzlichkeit. Die Gäste aus Deutschland informierten sich über die Friedensarbeit der katholischen Kirche, besuchten ein Gefängnis und trafen einen hohen muslimischen Führer. Prälat Krämer sprach Anfang September 2009 in einem Interview über seine Eindrücke:

Erzbischof Zollitsch und missio-Präsident Krämer in Nigeria.

missio: Was hat Sie am meisten in Nigeria beeindruckt?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Sehr beeindruckt hat mich die große Herzlichkeit mit der wir an allen Orten unserer Reise empfangen wurden. Es war eine große Dankbarkeit zu spüren für die vielfältige Unterstützung, mit der der Aufbau kirchlicher Strukturen in Nigeria in den vergangenen Jahrzehnten durch die deutschen Katholiken gefördert wurde. Auf der anderen Seite war aber auch die große Hoffnung spürbar, dass diese Solidarität in der Zukunft nicht abreißen wird.

missio: Die Afrikasynode im Oktober beschäftigt sich mit den Themen „Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung“. Inwiefern spielen diese Themen in Nigeria eine Rolle?

Prälat Dr. Klaus Krämer: In Nigeria herrscht eine deutliche Spannung zwischen Armut und Reichtum. Durch die Förderung und den Verkauf von Erdöl kommt es zu großen Einnahmen, von denen aber nur einige wenige profitieren. So ergibt sich die paradoxe Situation, dass Nigeria trotz seines Reichtums an Rohstoffen zu den zwanzig ärmsten Ländern der Welt gehört. Ein Bischof hat die Situation treffend auf den Punkt gebracht: Nigeria ist eine reiches Land, in dem viele Arme leben. Von daher gehört die Frage der Gerechtigkeit zu den zentralen Themen, mit denen sich die nigerianische Gesellschaft auseinander zu setzen hat.

missio: Welchen Herausforderungen sieht sich die nigerianische Ortskirche gegenüber?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Die Frage der Gerechtigkeit stellt sich auch innerhalb der nigerianischen Ortskirche. Es gibt ein großes Gefälle zwischen armen und reichen Diözesen. Hier stellt sich die Frage eines gerechten Ausgleichs und einer angemessenen Verteilung der Lasten. Hinzu kommen zahlreiche ethnische Spannungen und Konflikte. Nigeria ist ein Land, in dem über 400 verschiedene Volksgruppen zusammenleben. Die Zahl der Muslime und der Christen ist in etwa gleich groß. Friedens- und Versöhnungsarbeit sind hier ebenso wichtig, wie ein partnerschaftliches Miteinander der christlichen und muslimischen Religionsführer, um extremistischen und fundamentalistischen Tendenzen entgegenzuwirken.

Verantwortungsvolle Akteure bei Muslimen und Christen

missio: Erst vor Kurzem hat eine radikale islamistische Sekte in Maiduguri mit Gewaltaktionen und der Forderung, in ganz Nigeria die Scharia einzuführen, für Aufsehen gesorgt. Glauben Sie, dass Nigeria gefährdet ist, destabilisiert zu werden?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Das Auftreten radikaler und gewaltbereiter Gruppen droht das labile Gleichgewicht in der Tat aus der Balance zu bringen. Dies sehe ich als eine durchaus ernstzunehmende Gefahr. Auf der anderen Seite sind aber auch viele verantwortungsvolle Akteure auf beiden Seiten darum bemüht, Spannungen konstruktiv anzugehen. So haben sich im ganzen Land islamisch-christliche Komitees zusammengefunden, um Streitigkeiten vor Ort zu schlichten und Spannungen abzubauen.

missio: Hatten Sie auf der Reise auch Gelegenheit mit muslimischen Führern zusammenzutreffen?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Besonders eindrucksvoll war die Begegnung mit dem Emir von Wase im Haus des Erzbischofs von Jos. Erzbischof Kaigama und der Emir haben durch ihr gemeinsames Auftreten in ethnischen Konflikten zwischen muslimischen und christlichen Bevölkerungsgruppen eine überaus positive Rolle gespielt und damit die Spirale der Gewalt in wirkungsvoller Weise durchbrochen.

Sie möchten dieses Video in Ihre eigene Website einbinden? Bitte verwenden Sie dazu den von Youtube zur Verfügung gestellten HTML-Quellcode.

missio: Was für eine Rolle spielt der interreligiöse Dialog in Nigeria?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Erzbischof Kaigama hat das Zusammenwirken von Christen und Moslems in Nigeria sehr treffend als einen „Dialog des Lebens“ bezeichnet. Durch das Miteinander der religiösen Führungsgestalten wird unmissverständlich deutlich, dass sich Extremisten und gewaltbereite Gruppen bei ihren Aktionen nicht auf die Religion berufen können – weder auf den Islam noch auf den christlichen Glauben! Der Dialog zwischen den Religionen trägt dazu bei, einer unheilvollen Instrumentalisierung der Religion zu politischen Zwecken in aller Entschiedenheit entgegenzutreten.

Gefängnispastoral

missio: Sie haben das Agodi-Gefängnis in Ibadan besucht. Welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Ich habe die Situation im Agodi-Gefängnis als sehr bedrückend erlebt. Unter menschenunwürdigen Bedingungen drängen sich dort über 600 Gefangene in einem Gefängnis aus der britischen Kolonialzeit, das auf 300 Personen ausgelegt ist. Die allermeisten von ihnen sind Untersuchungshäftlinge, die oft jahrelang auf ihren Prozess warten. Manche wissen nicht einmal genau, warum sie inhaftiert wurden.

missio: Wie engagiert sich die katholische Kirche dort? Und warum ist das wichtig?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Im Vordergrund steht natürlich die humanitäre Hilfe für die Gefangenen und die pastorale Begleitung. Darüber hinaus vermitteln die Verantwortlichen für die Gefängnispastoral den Untersuchungshäftlingen rechtlichen Beistand durch Anwälte, die unentgeltlich tätig sind. Sehr beeindruckt hat mich die professionelle Versöhnungsarbeit, durch die die gestörten Beziehungen zu den Opfern und ihren Angehörigen, aber auch zu den eigenen Familien der verurteilten Gefangenen aufgearbeitet werden. Die Arbeit der Kirche beschränkt sich aber nicht nur auf die Sorge für den einzelnen Menschen, sie richtet sich auch auf die strukturellen Probleme. So setzen sich die Verantwortlichen für bessere Haftbedingungen und für eine Verbesserung des Justizwesens im ganzen Land ein. Der Einsatz für menschenwürdige Behandlung und für die Einhaltung grundlegender rechtsstaatlicher Standards ist ein wichtiger Beitrag der nigerianischen Katholiken für mehr Gerechtigkeit und Frieden im eigenen Land.

Sie möchten dieses Video in Ihre eigene Website einbinden? Bitte verwenden Sie dazu den von Youtube zur Verfügung gestellten HTML-Quellcode.

missio: Für Erzbischof Zollitsch war das die erste Reise in ein afrikanisches Land. Hat er sich geäußert, wie ihm die Reise gefallen hat?

Prälat Dr. Klaus Krämer: Erzbischof Zollitsch war von seiner ersten Begegnung mit Afrika sehr beeindruckt, das hat er in seinen Ansprachen und in den vielen Gesprächen und Begegnungen immer wieder deutlich zum Ausdruck gebracht. Die große Herzlichkeit und die Glaubensfreude, die uns immer wieder entgegengestrahlt ist, wirkt einfach ansteckend. Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz konnte er sich aber auch einen eigenen Eindruck davon verschaffen, wie das Wirken der Kirche in Nigeria durch die Arbeit der weltkirchlichen Hilfswerke in den letzten Jahrzehnten unterstützt und begleitet werden konnte. Die Anerkennung, die er uns diesbezüglich ausgesprochen hat, ermutigt uns, auf dem eingeschlagenen Weg weiter voranzuschreiten.

© 2009-2017 missio Aachen