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Kaduna ist eine Metropole im nördlichen Nigeria. Vielfältige Konflikte, seien es religiöse, ethnische oder politische, prägen die Situation. Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso legt im folgenden Interview die Gründe für diese Situation dar, beschreibt die Rolle der Kirche innerhalb dieser konfliktgeladenen Situation und spricht von seinen Hoffnungen, die er mit der kommenden Afrikasynode verbindet.

Interview mit Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso / Kaduna

Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso (Kaduna) © Weigold / Konradsblatt

Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso, in Ihrer Weihnachtsbotschaft Ende vergangenen Jahres haben sie mit deutlichen Worten die Situation der Armen in Ihrer Heimat angeklagt, insbesondere der Kleinbauern, die an Hunger litten. Was war der Hintergrund für diese Situation?

Etwa in der Mitte des vergangenen Jahres schossen die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Bohnen, Gari (Anm. d. Red.: wird durch Fermentierung aus der Maniokwurzel hergestellt) und Yams in die Höhe. In einigen Fällen haben sich die Preise mehr als verdoppelt und waren deshalb für die meisten Nigerianer insbesondere in den ländlichen Gebieten unbezahlbar geworden. Dies führte zu der Situation, dass so manche Familie über Tage hinweg ohne ein vernünftiges Essen oder aber mit nur einer Mahlzeit pro Tag auskommen musste.

Herbeigeführt worden ist diese Situation zum einen durch eine sehr schlechte Ernte im Vorjahr. Hinzu kommt die Tatsache, dass Reis, der für viele Familien ein Grundnahrungsmittel ist, vor allem us asiatischen Ländern wie China beziehungsweise Taiwan importiert werden muss. Und Sie erinnern sich vielleicht, dass es im Laufe des vergangenen Jahres ein weltweites Problem der Versorgung mit Reis gab. Es scheint, dass die Nachfrage viel höher war als das zur Verfügung stehende Angebot und folglich die Preise in die Höhe schnellten. Auch hat das Horten von Grundnahrungsmitteln durch skrupellose Zwischenhändler zur Verschlimmerung der Situation beigetragen. Darüber hinaus sind unsere Kleinbauern, die über 70 Prozent der benötigten Nahrungsmittel des Landes produzieren, auf die Kräfte der Natur angewiesen, aber verfügen in der Regel nur über unzureichende Hilfsmittel beziehungsweiseWerkzeuge.

Hat sich die Situation inzwischen verbessert oder erwarten Sie in diesem Jahr eine ähnliche Entwicklung?

Ja, die Situation hat sich ein wenig verbessert. Aber mit der gegenwärtigen globalen Wirtschaftskrise, den fallenden Ölpreisen, der zurückgehenden nigerianischen Ölproduktion, die der Situation im Niger Delta geschuldet ist, und dem drastischen Wertverlust unserer nationalen Währung befürchte ich, dass die Atempause, die wir zur Zeit haben, nur von kurzer Dauer sein wird.

Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso
Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso hat sowohl die Gewalt 2002 in Kaduna als auch 2006 in Maiduguri persönlich miterlebt. © Weigold / Konradsblatt

Wenn Sie in Ihre Erzdiözese schauen, wie viele Menschen würden Sie als arm bezeichnen, wie viele Menschen waren von Hunger betroffen? Was hat die Regierung unternommen, was haben die Religionsgemeinschaften unternommen, um den Menschen zu helfen?

Es ist schwierig, genaue statistische Angaben in dieser Frage zu machen. Aber ich würde sagen, dass von den 2,2 Millionen Menschen, die auf dem Gebiet der Erzdiözese Kaduna leben, mehr als zwei Drittel unter der Armutsgrenze leben, das heißt mehr als zwei Drittel verfügen über weniger als einen Dollar pro Tag. Und diese etwa zwei Drittel der Bevölkerung waren meiner Ansicht nach auch direkt von Hunger betroffen.

Die Regierung hat Getreide aus dem strategischen Getreidevorrat des Staates frei gegeben und angeordnet, dass dieses Getreide zu subventionierten Preisen verkauft werden sollte. Aber an vielen Orten gelangte das Getreide in die falschen Hände. Diese haben es sozusagen an sich gerissen und politisch instrumentalisiert. Wie üblich ist die gerechte Verteilung durch Vetternwirtschaft und Nepotismus zunichte gemacht worden.

Was die Religionsgemeinschaften angeht, kann ich nur für die Erzdiözese sprechen. Mit Hilfe der St. Vincent de Paul – Gesellschaft und der Kommission »Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden« sowie der Caritas haben wir in den Pfarreien den in Not geratenen Familien durch entsprechende Lebensmittelspenden versucht zu helfen.

Nigeria selbst ist ein recht reiches Land, insbesondere aufgrund seiner Ölvorkommen. Trotzdem wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen für die größer werdende Armut im Land?

Ja, Sie haben absolut Recht. Unser Land ist reich gesegnet, sowohl mit menschlichen als auch natürlichen Ressourcen. Unglücklicherweise sind wir nicht fähig gewesen, diese Ressourcen zum Wohl des Volkes, besonders zum Wohl der Armen, zu nutzen. Der Reichtum der Nation befindet sich in der Hand einiger Weniger, die nicht nur einfach reich, sondern so reich sind, dass es schon ein Skandal ist. Dies ist darin begründet, dass diese kleine Gruppe unbeschränkten Zugang zu den öffentlichen Mitteln hat. Als Folge werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Kluft wird täglich größer. Und dies wird vor allem verursacht durch Führungsschwäche, systemisches Versagen in Regierungsführung, Korruption, Selbstsucht und Habgier.

Nigeria

Ihre Erzdiözese befindet sich im nördlichen Teil Nigerias. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime. Einige nördliche Bundesstaaten haben vor einigen Jahren die Scharia eingeführt. Gibt es Ihrer Ansicht nach eine direkte Verbindung zwischen der Situation der Armut und der Einführung und der »Popularität« der Scharia?

Nein, ich sehe keine direkte Verbindung zwischen der Einführung des Rechtssystems der Scharia und der Situation der Armut an sich. Was ich jedoch wahrnehme ist der falsche Gebrauch von Religion durch einige Individuen, um ihre eigenen selbstsüchtigen Ziele zu erreichen. Armut im nördlichen Nigeria ging der Einführung der Scharia lange voraus. Ich meine, die Scharia ist dafür bestimmt, Muslime in ihrer Beziehung zu Gott und zum Nächsten anzuleiten. Ich glaube nicht, dass es in der Scharia auch nur eine Stelle gibt, die Führern erlaubt, öffentliche Gelder zu stehlen oder schlecht zu verwalten. Meiner Meinung nach hängt das Problem der Armut in unserem Land und besonders im Norden zu einem großen Maße mit schlechter Führung, Ignoranz, Selbstsucht, Korruption und Analphabetentum zusammen.

Zerstörte Häuser: Auch im November 2008 kam es wieder zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. © Fritz Stark / missio

Erzbischof Matthew, Sie sind im Januar 2008 in Ihr Amt als Erzbischof von Kaduna eingeführt worden. Zuvor waren Sie Bischof der Diözese Maiduguri, die sich ebenfalls im Norden Nigerias befindet. Im Jahr 2006 haben Sie brutale Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen in Maiduguri miterleben müssen, die durch die Mohammed-Karrikaturen in einer dänischen Tageszeitung ausgelöst worden waren. Auch Kaduna hat in der Vergangenheit bereits gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen erlebt. Zum Beispiel im Jahr 2002, als sich ein Protest gegen den »Miss World«-Schönheitswettbewerb, der in Nigeria stattfinden sollte, formierte. Im Verlauf des Protestes kam es zu unbeschreiblicher Gewalt in Kaduna mit Hunderten von Opfern. Wenn Sie die Situation in beiden Diözesen vergleichen, was würden Sie sagen?

Ich habe beide Krisen persönlich miterlebt. Im Jahr 2002 habe ich in Kaduna gearbeitet, als der Protest gegen den »Miss World«-Schönheitswettbewerb seinen Lauf nahm (Anm. d. Red.: Zu dieser Zeit war Dr. Matthew Man-oso Ndagoso Dozent am Priesterseminar in Kaduna). Im Jahr 2006, als es gewaltsame Auseinandersetzungen in Maiduguri gab, war ich dort Bischof. Von dieser Gewalt war ich persönlich und direkt betroffen, da mein Haus, zahlreiche Kirchen, Gemeindezentren, Schulen, Autos et cetera zerstört wurden. Einer meiner Priester, Father Michael Gajere, wurde ermordet. Auch bei den damaligen Gewaltausbrüchen in Kaduna wurden zahlreiche Pfarrkirchen, Häuser und so weiter zerstört und ein Priester, Father James Iyere, getötet. Nun bin ich der Oberhirte von Kaduna. Zufälligerweise ist es erst zwei Monate her, dass ich die Pfarrei, wo Father James Iyere 2002 getötet worden ist, wieder eröffnet habe. Das Pfarrhaus ist noch immer eine Ruine, und der Pfarrer lebt in einer anderen Pfarrei, von wo aus er die Pfarrgemeinde betreut.Wir versuchen zurzeit Gelder zu sammeln, um das Pfarrhaus und die Kirche neu zu errichten. Man kann beide Situationen nur als tragisch beschreiben.

Auf dem Gebiet der Diözese Maiduguri existiert die älteste muslimische Gemeinschaft Nigerias. Die islamische Kultur durchdringt alle Aspekte des Lebens und herrscht in diesen auch vor. Christen sind eine sehr kleine Minderheit in diesem Bundesstaat. Folglich stellen sie auch keine ernsthafte Bedrohung für den Islam dar, der die inoffizielle Staatsreligion darstellt. Die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen sind sehr stark von dieser Sichtweise her geprägt. Es gibt keine Auseinandersetzungen um Kontrolle oder Überlegenheit, um es mal so auszudrücken. Es wird als gegeben hingenommen. Dinge werden von der Regierung ohne Zögern zu Gunsten des Islam entschieden.

Kaduna dagegen ist aufgrund seiner Geschichte als Verwaltungssitz der alten nördlichen Region kosmopolitischer. Die meisten der größeren Ethnien Nigerias sind präsent. Ebenso gibt es eine deutlich größere Präsenz von Christen als in Maiduguri. Innerhalb der Metropole Kaduna ist die Gemeinschaft der Christen fast genauso groß wie die derMuslime. Folglich gibt es Auseinandersetzungen um die Kontrolle der Stadt durch diese beiden Religionsgemeinschaften. Die muslimische Gemeinschaft sieht Kaduna, da es das politische Zentrum der nördlichen Region ist, als ihr traditionelles politisches Zentrum an. Diese Auseinandersetzung um Kontrolle erzeugt Spannungen und hat in der Vergangenheit zahlreiche ethnische und religiöse Krisen innerhalb der Stadt verursacht.

Freitagsgebet: Die Hälfte der Nigerianer sind Muslime. © Fritz Stark / missio

Wie würden Sie die Beziehung zwischen Christen und Muslimen in ihrer Erzdiözese beschreiben? Gibt es eine Art Dialog zwischen diesen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften?

Die Beziehung zwischen Christen und Muslimen in Kaduna, wie auch andernorts im nördlichen Teil Nigerias, ist unglücklicherweise geprägt durch gegenseitigen Hass und gegenseitiges Misstrauen, verursacht durch tief sitzende und tradierte Überzeugungen sowie Verbitterung, die sich auf die andere Religionsgemeinschaft bezieht. Dennoch scheint sich die Situation seit 2002 aufgrund der vom Staat errichteten Strukturen verbessert zu haben. Diese neu errichteten Strukturen bringen die Führer der Religionsgemeinschaften zusammen, um Angelegenheiten, die im gemeinsamen Interesse liegen, wie zum Beispiel die Frage von Toleranzund friedlicher Koexistenz, zu diskutieren. Dies hat dazu beigetragen, die üblicherweise angespannte Atmosphäre zu entschärfen.

Was den Dialog in seinen unterschiedlichen Formen und Ausprägungen angeht, würde ich sagen, dass es einen gewissen Dialog gibt. Das Forum, das von der Regierung gegründet worden ist und auf das ich mich zuvor bezogen habe, stellt einen Ort für Gespräche dar. Es gibt zudem von Gruppen und Individuen gegründete Initiativen wie zum Beispiel die »Interreligiöse Mediationsgruppe «, gemeinsamvon Christen undMuslimen errichtet, um beide Religionsgemeinschaften an einen Tisch zu bringen, um über Themen zu beraten, die sehr leicht Konflikte verursachen können. Die Kommission »Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden« der Erzdiözese Kaduna sowie Caritas haben in der jüngsten Vergangenheit Treffen zwischen Christen und Muslimen organisiert, um gute Beziehungen zu pflegen. Das letzte solcher Treffenwar ein Dinner, um gemeinsamdas Ende der Fastenzeit 2009 zu begehen. Es gibt zudem gelegentliche Kontakte zwischen der Führung der Christian Association of Nigeria (CAN) und der Jama’atul Nasril Islam (JNI) (Anm. d. Red.: es handelt sich um eine muslimische Dachorganisation, die ihren Sitz in Kaduna hat), um anstehende Probleme und Sorgen zu diskutieren. Zusammenfassend kannman sagen, dass es gelegentliche Kontakte und Treffen gibt, wenn die Notwendigkeit entsteht, insbesondere wenn Probleme auftreten.

Es gibt zur Zeit keinen organisierten theologischen oder spirituellen Dialog zwischen Christen und Muslimen in Kaduna, abgesehen von gelegentlichen Treffen, die aufgrund wahrgenommener Spannungen notwendig werden, um eine friedliche Koexistenz sicherzustellen. Dennoch ist es erwähnenswert, dass auf der persönlichen und individuellen Ebene der Dialog des Lebens zwischen Christen und Muslimen eine tagtägliche Angelegenheit darstellt. Viele Christen und Muslime leben im gleichen Viertel und arbeiten auf demMarkt, auf der Farm, in Büros et cetera zusammen. Auch wenn ich dies nun gesagt habe, ist zu bedenken, dass man nicht von einemwahren Dialog sprechen kann, solange die notwendigen Zutaten nicht existieren, nämlich gegenseitiges Vertrauen, Respekt und Offenheit.

Ist die Frage der Religionen nicht auch eine Frage der Ethnien? Und welche Rolle spielt die Politik in diesem Zusammenhang?

Im Norden Nigerias ist der Name Haussa / Fulani für andere ethnische Gruppen gleich bedeutend mit Islam; und zwar so sehr, dass die Konvertierung eines Mitglieds eines dieser anderen ethnischen Gruppen hin zum Islam gleichgesetzt wird mit dem Wechsel der ethnischen Identität. Darüber hinaus macht es die unentwirrbare Verbindung, die zwischen der Kultur der Haussa und Fulani und dem Islam besteht, sehr schwierig zu trennen, was nun islamisch ist und was der Kultur der Haussa und Fulani zuzuordnen ist. Und erst recht sind die billigsten und populärsten politischen

Instrumente, auf die Politiker in unserem Land zurückgreifen, die Religion und die Ethnie. Wenn Menschen billige Popularität wollen, benutzen sie entweder ihre ethnische Herkunft, Religion oder beides, was auch immer ihnen am geeignetsten erscheint. Dies ist auch der Grund, dass viele Analysten hinsichtlich der Einführung der Scharia im Norden des Landes von der politischen Scharia sprechen. Es ist eine Tatsache, dass die trennende Linie zwischen Politik, Religion und Ethnie in unserem Land unglücklicherweise nur sehr dünn ist. Deshalb würde ich auf die Frage auch antworten: Ja, die religiöse Frage kann eine ethnische wie auch eine politische Frage sein.

Glaubensbekenntnis: In keinem anderen Land bezeichnen sich so viele Menschen als „tiefgläubig“ wie in Nigeria. © Fritz Stark / missio

Im kommenden Oktober wird die II. Afrikasynode stattfinden. Diese Synode steht unter dem Thema: »Die Kirche in Afrika im Dienst an Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden.« Was bedeutet diese kommende Synode für Sie, die Erzdiözese und die Situation in Kaduna?

In Anbetracht unserer früheren Erfahrungen mit ethnischen, religiösen und politischen Konflikten in Kaduna, die unglücklicherweise Barrieren des gegenseitigen Hasses und Misstrauens errichtet, zu verhärteten Herzen geführt haben und das fundamental Gute eines jeden Menschen untergraben, denke ich, dass das Thema der zweiten Afrikasynode »Die Kirche in Afrika im Dienst an Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden« für uns in Kaduna angesichts unserer Anstrengungen hinsichtlich dieser Fragen während der vergangenen Jahre zur rechten Zeit kommt. Die Hervorhebung der Rolle der Kirche als Vermittlerin (»Agent«) von Versöhnung wird einen weiten Weg zurücklegen, unsere lokalen Initiativen in dieser Hinsicht zu stärken und zu ermutigen. Das Thema der Synode ist deshalb für uns in der Erzdiözese Kaduna sehr bedeutsam.

Es gibt kaum ein Individuum oder eine Familie in unserer Erzdiözese, die nicht auf die eine oder andere Art und Weise durch die nicht enden wollenden Konflikte betroffen ist, die Kaduna über all die Jahre erlebt hat. Mit diesem Thema kann sich jeder in der Erzdiözese identifizieren, denn es spricht die konkrete Realität an, mit der wir täglich umzugehen haben. Zudem dient das Thema als Herausforderung für uns, nämlich dort, wo wir in unserer Rolle als Vermittler von Versöhnung gefehlt haben. Es ist deshalb ein Weckruf für uns, noch mehr auf der Suche nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden zu tun.

Überdies erinnert das Thema uns als Diözese daran, dass Gott es war, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete, sondern uns das Wort von der Versöhnung anvertraute (vgl. 2 Kor 5,18 –20). Mit anderen Worten: Das Thema der Afrikasynode erinnert uns an die Tatsache, dass Gott uns als Diözese zusammengerufen hat, um als Glaubensgemeinschaft auf Jesus als den Urheber von Erlösung und die Quelle von Einheit und Frieden zu blicken. Und es erinnert uns daran, dass Gott uns als Kirche errichtet hat, so dass wir für alle das sichtbare Sakrament der heilbringenden Einheit sein mögen (vgl. LG 9). Ferner fordert uns das Thema heraus, als Sakrament der Einheit das Evangelium in unserem Leben zu bezeugen, indem wir der Welt die Macht Gottes in Christus offenbaren, alle Barrieren niederzureißen, seien sie ethnischer, religiöser oder politischer Natur. Dazu sind wir verpflichtet. Und dass wir in einem Land wie dem unsrigen, das von Konflikten und Spaltungen heimgesucht ist, aufgerufen und herausgefordert sind, gemeinsam Zeugnis für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden abzulegen.

Noch ein Wort zu unseren Hoffnungen hinsichtlich der kommenden Synode. Das Wort Synode beinhaltet die Idee, sich gemeinsam auf einenWeg zu begeben, einen Weg, auf dem Lebenserfahrungen, Hoffnungen, Freuden, Trauer, Herausforderungen, Ideen miteinander geteilt und Hilfe, Unterstützung und Ermutigung dort, wo nötig, gegeben werden. Wir hoffen, dass diese während der Synode miteinander zu teilenden Erfahrungen den Ortskirchen unseres Kontinents auf den Gebieten von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden helfen werden, mit unserer besonderen Situation umgehen zu können, einer Situation, die die Notwendigkeit von Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden für uns zu einem Imperativ gemacht hat.Wir hoffen zumBeispiel, dass die Erfahrungen der Kirchen in Ruanda, Sierra Leone, Südafrika, Liberia und vieler anderer uns in Kaduna als Lektion dienen können, während wir uns bemühen, uns für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. Vor allem aber freuen wir uns auf die Früchte der Diskussionen der Synodenväter zu diesem aktuellen Thema, und in besonderer Weise freuen wir uns auf die Apostolische Exhortation des Heiligen Vaters am Ende der Synode.

Erzbischof Dr. Matthew Man-oso Ndagoso, haben Sie herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Norbert Kößmeier

Erzbischof Ndagoso ist zu Gast im Monat der Weltmission in der Erzdiözese Freiburg.

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