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"Das Geistliche Wort" zum Sonntag der Weltmission

am Sonntag, 24. Oktober 2010

von Irmgard Icking, Beraterin für das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen

Aus urheberrechtlichen Gründen steht eine Audiodatei hier leider nicht zur Verfügung.

Würden Sie sich als Missionarin, als Missionar bezeichnen? Ich habe das kürzlich eine Gruppe von Firmlingen gefragt: Fühlt Ihr Euch als Missionare? Sie können sich vorstellen, welche Verwunderung, welches Unverständnis meine Frage auslöste.

Warum ist alles, was mit Mission zu tun hat, uns so fremd geworden? Warum scheinen heute die Begriffe Mission, missionarisch, missionieren so gar nichts mit unserem eigenen Christ -Sein zu tun zu haben?

Kann es sein, dass es uns schwer fällt, uns mit dem Begriff Mission anzufreunden, weil wir so unsicher sind, was diese unsere christliche Mission eigentlich ausmacht? Was sollen wir denn, in Gottes Namen, bezeugen, wenn wir manchmal selbst nicht mehr wissen, an was wir uns in unserem Glauben halten können? Wie sollen wir denn verkünden, wenn wir uns in einer Sprachlosigkeit erleben, in der uns nicht nur die Worte, sondern auch der Inhalt abhanden gekommen sind? Wie sollen wir denn andere für unsere kirchliche Gemeinschaft begeistern, wenn diese doch heute allenthalben so viel Entrüstung und Enttäuschung auf sich zieht? Und dort, wo unsere Kirche ihre starke, unangefochtene Seite zeigt, da geht es doch eher um professionelle Dienste der Sozialfürsorge oder um überzeugende Konzepte der Armutsbekämpfung. Was hat das mit Mission zu tun?

Immer noch schwingt für viele beim Wort missionieren mit, dass da Menschen überredet und mit Hilfsgütern gelockt werden sollen – oder sogar Zwang im Spiel ist. Schauen wir in die Geschichte der Mission, so finden wir in der Tat Gewalt und Zwang. Aber wir finden auch Befreiung und ergreifende Zeugnisse der Menschlichkeit. Wir finden kleinmütiges Sektierertum ebenso wie große Aufbrüche in die Freiheit von Menschen, die gefangen waren in Sklaverei und Unterdrückung, in Begrenzungen von Unwissenheit und zerstörerischem Aberglauben. Der widersprüchliche geschichtliche Befund verweist uns unausweichlich auf unser eigenes Nachdenken über Mission, verweist uns darauf, in unsere Zeit hinein zu buchstabieren, was Mission heißt und sie aus ihrem ureigenen Grund heraus zu verstehen.

© missio

„Geh und handle genau so!“ Das diesjährige Leitwort im Monat der Weltmission führt uns zu Jesus selbst und zu seiner Mission. Und es führt uns zu den Glaubens- und Lebensgeschichten von Ordensfrauen aus Indien, die, in der Spur von Mutter Theresa, diesen Anspruch leben.

Geh! So beginnt die Aufforderung. Und unmittelbar möchten wir fortfahren: geh hinaus! Geh hin zu den Armen! Zu denen, die Hilfe, Heilung, Trost und Hoffnung brauchen. So ist das Wort aus dem Lukas-Evangelium auch gemeint. Aber um hinaus gehen zu können, bedarf es zunächst des In-Sich-Gehens, der Einkehr, der Umkehr zu Gott selbst als dem, der sendet. Es bedarf der Vergewisserung seiner Nähe. Nur wenn wir in ihm bei uns selbst sind, wenn wir in seinem Geist handeln, der Zusage seiner Liebe glauben und aus ihr heraus uns dem anderen zuwenden, vermögen wir, diesen Aufruf tatsächlich zu verwirklichen. „Geh, und handle genau so!“

Es geht also darum, Jesu Aufruf nachzugehen und gleichzeitig die Art und Weise wahr zunehmen, wie er seine Mission gelebt hat. Erzählen uns die Evangelien davon, dass er heilt und segnet, dass er ein Herz hat für die Schwachen und Ausgegrenzten, so berichten sie immer auch, dass Jesus die Stille brauchte, sich zum Beten zurückzog, er suchte die Nähe des Vaters. Ja, wir lernen, dass bei Jesus handeln und beten, heilen und mit dem Vater sprechen, predigen und die Stille suchen einen immer wiederkehrenden Bewegungsfluss darstellen.

Seine Mission gründet im Willen des Vaters. Er geht auf die Menschen zu aus der Kraft, die aus seiner Nähe zum Vater kommt.

Der Liebe Gottes trauen und uns von ihr hinausführen lassen: wie gut, dass es in der Geschichte unserer Kirche immer wieder Frauen gibt, die uns dabei an die Hand nehmen!

Die indischen Schwestern, die in diesen Tagen in unseren Gemeinden unterwegs sind, lassen uns an ihrer Mission teilhaben. Dabei atmet das Zeugnis dieser Frauen, die wie Mutter Theresa den Ärmsten der Armen dienen, soviel Freiheit, soviel Mut!

Nicht selten sind sie ganz neue Wege gegangen, haben die Sicherheit ihrer Klöster hinter sich gelassen, um bei den Bedürftigen zu sein, dort, wo Not und Elend nach Hilfe und Hoffnung schreien. Sie prangern mutig Unrecht an, begehren auf gegen eine Kultur der Gleichgültigkeit und des Weg-Schauens. Nicht selten müssen sie Widerstände überwinden, um in den von männlicher Macht dominierten Einrichtungen und Strukturen ihre Stimme zu Gehör zu bringen, ihre Ideen durch zu setzen. Nicht selten stoßen sie zunächst auf Unverständnis und Ablehnung, in ihren Orden, in der Kirche, in ihrem gesellschaftlichen Umfeld.

Für mich sind diese Frauen, die missio uns in diesem Monat der Weltmission vorstellt, Botschafterinnen eines radikalen Missionsverständnisses, dem es nicht in erster Linie um das Wachsen der Kirche geht, sondern darum, dass die Welt menschlicher werde, dass Menschen als Geschöpfe und Ebenbilder Gottes in Würde leben können. Ihre Lebensgeschichten erzählen von überraschenden und mutigen Taten, von völlig neuen Ansätzen, Not und Unrecht zu bekämpfen, von unglaublicher Energie, von Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft, oft in einem Umfeld von Gewalt, Hass und Verfolgung. Was mich in ihren Biographien jedoch besonders bewegt, ist, dass bei ihnen Glaube und Handeln, Spiritualität und Aktion, Gebet und Tat verknüpft und verwoben sind wie im reichen Muster eines Teppichs.

Ich finde in ihren Lebensgeschichten so vieles wieder, was uns die französische Missionarin Madeleine Debrel in ihren wunderbaren Texten, Gebeten und Gedichten hinterlassen hat. Als junge Frau begründet sie 1930 im kommunistisch geprägten Arbeiter-Milieu südlich von Paris eine kleine Gemeinschaft. Sie versucht dort, in einer Hochburg des Kommunismus, in der die katholische Kirche sich ängstlich in ein selbstgerechtes Ghetto verschanzt hat, ein geistliches Leben zu leben, unter den Arbeitern, mit ihnen solidarisch. Es wird ein Leben, das von einer großen inneren Freiheit gekennzeichnet ist. Madeleine Debrel verweigert sich allen Regeln und einengenden institutionellen Bindungen. Sie ringt darum, mit ihren Gefährtinnen eine Lebensform zu finden, die vollkommen frei ist, um, wie sie sagt, sich ganz von Gott gefangen nehmen zu lassen. Sie lehnt alle äußeren Erkennungszeichen einer christlichen Lebensform ab, um sich ausschließlich mit Gott und seinem Willen zu identifizieren, um allezeit frei zu sein, dorthin zu gehen, wo er sie braucht. Sie ist eine Missionarin von einer Radikalität, die erschrecken könnte, wäre diese nicht so einzig bestimmt und bedingt durch die Liebe. Die Liebe ist ihr alleiniger Handlungsmaßstab. Es gilt ihr nichts anderes, als sich ganz einer unbedingten Gottesliebe zu verschreiben und diese wirksam werden zu lassen für andere. Damit sie heile und befreie, ja damit diese überhaupt erst Menschen das Menschsein ermögliche. „ Die Liebe ist unsere einzige Aufgabe,“ sagt sie. „Wir wissen bloß zweierlei: zum einen, dass alles, was wir tun, nur klein sein kann; zum anderen, dass alles, was Gott tut, groß ist. Das beruhigt uns angesichts dessen, was zu tun ist. Weil wir die Liebe für eine hinreichende Beschäftigung halten, haben wir uns nicht die Mühe gemacht, unsere Taten nach beten und handeln auseinander zu sortieren. Wir finden, dass das Gebet eine Aktion ist und die Aktion ein Gebet.“

Es ist das Doppelgebot der Liebe, wie es auch die große Kirchenlehrerin Katharina von Siena als den eigentlichen Anspruch christlicher Existenz beschreibt. Im sehnsüchtigen Ringen um ihre eigene Nähe zu Gott hört sie Christus sagen: „Du sollst nicht nur Dir selber nützlich sein, nein, auch den anderen, auch dafür gebe ich dir ja meine Gnade. Ich will dich doch nicht von mir wegschicken; im Gegenteil, die Liebe für die Menschen wird dich nur noch fester an mich binden. Du weißt, ich habe zwei Gebote der Liebe gegeben, ihr müsst mich und eueren Nächsten lieben ... Ich will, dass Du die Gerechtigkeit beider Gebote erfüllst. Du sollst nicht auf einem Fuß daher hinken, Du sollst mit beiden Füssen ausschreiten.“

Die Freiheit, die aus der Erfahrung der Nähe zu Gott und seiner Liebe wächst – sie wird zum Wasserzeichen für die Mission, wie sie diese Frauen verstehen und leben und zu der sie uns einladen. Diese Freiheit atmet dort, wo Gott und seiner Gnade Raum gegeben wird, wo Gott ein Ort gesichert wird, wie Madeleine Debrel es ausdrückt. Sie entbindet uns des Argwohns, dass Mission anderen etwas ungewolltes andienen oder überstülpen will. Und sie befreit uns von der Last des Versagens, nie genug tun zu können, um auch nur annähernd Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung zu erwirken, um auch nur annähernd dem Schrei der Not etwas wirksames entgegen setzen zu können. Sie vertraut, dass Gott selbst in seiner unerschöpflichen Liebe aufhebt und vollendet, was in unseren Händen immer bruchstückhaft bleibt.

Uns so dürfen wir mit Madeleine Debrel`s Worten sprechen und beten:

„Gib, dass wir unser Dasein leben
nicht wie ein Schachspiel, bei dem alles berechnet ist,
nicht wie einen Wettkampf, bei dem alles schwierig ist,
nicht wie einen Lehrsatz, bei dem wir uns den Kopf zerbrechen.
Sondern wie ein Fest ohne Ende, bei dem man dir immer wieder begegnet,
wie bei einem Ball,
wie in einem Tanz,
in den Armen Deiner Gnade,
zu der Musik allumfassender Liebe.
Herr, komm und lade uns ein.“

© 2009-2017 missio Aachen