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Inhalt

"Partnerschaft heißt der Weg der Weltkirche"

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Bamberg © Uli Ertle / missio

Über die Diözesanpartnerschaft zwischen dem Bistum Thiès (Senegal) und dem Erzbistum Bamberg

Seit 2007 unterhält das Erzbistum Bamberg eine Partnerschaft mit der Diözese Thiès im Senegal. Im folgenden Beitrag reflektiert Erzbischof Dr. Ludwig Schick die Bedeutung der Partnerschaft und zeigt die Konkretionen dieser Partnerschaft auf. Partnerschaften helfen der Kirche, immer katholischer (das heißt weltweit denken, fühlen und handeln) zu werden, und leisten einen wichtigen Beitrag für die weltweite Mission der Kirche.

Entstehung der Partnerschaft

Am 22. September 2007 haben Bischof Jacques Sarr, der am 18. Januar 2011 verstorben ist, und ich die »Vereinbarung über die Partnerschaft zwischen dem Bistum Thiès im Senegal und dem Erzbistum Bamberg« im Anschluss an einen feierlichen Gottesdienst unterschrieben. Die Unterzeichnung war sowohl ein feierlicher Schlussakt nach einigen Jahren der Überlegungen, Absprachen und Vorarbeiten als auch der Startschuss für eine besondere, intensive Beziehung zwischen zwei sehr verschiedenen Diözesen auf unterschiedlichen Kontinenten.

Bereits während des »Bamberger Pastoralgesprächs« von 1997 bis 2000 wurde über eine »Partnerschaft zu einer Diözese oder einem Land in der 3. Welt« gesprochen. Damals nahm der Erzbischof einen entsprechenden »Antrag unter der Voraussetzung an, dass bereits bestehende Partnerschaften mit anderen Diözesen dadurch nicht gefährdet werden«. Bei der Abfassung des Pastoralplanes für das Erzbistum Bamberg, »Den Aufbruch wagen – heute!«, der im Januar 2005 von mir herausgegebenwurde, heißt es wörtlich: »Die angestrebte Partnerschaft mit der Diözese Thiès im Senegal wird mit Unterstützung der Bistumsleitung strukturell aufgebaut. Gemeinden und Gruppen werden eingeladen, diese Partnerschaft kreativ zu gestalten und zu leben«. Zwischen 2002 und 2005 waren viele Überlegungen angestellt worden, mit welcher Diözese in Afrika, Asien oder Lateinamerika eine Partnerschaft eingegangen werden solle. Es gab viele Meinungen und Vorschläge. Schließlich entschieden wir uns für die Diözese Thiès im Senegal, mit der die KLB des Erzbistums Bamberg bereits seit vielen Jahren gute Beziehungen pflegte.

Seit sich das Vorhaben konkretisierte, mit der Diözese Thiès eine Partnerschaft zu schließen, war klar, dass eine schriftliche Vereinbarung getroffen werden sollte. Diese Partnerschaft sollte »einzigartig«, aber nicht »ausschließlich«, »exemplarisch«, aber nicht »exklusiv« sein, wie es bereits im »Pastoralgespräch« zum Ausdruck gebracht worden war.

Die Erzdiözese Bamberg hat nur eine »Partnerdiözese«, mit der eine schriftliche Vereinbarung getroffen wurde, pflegt aber mit mehreren anderen Diözesen partnerschaftliche Beziehungen, zum Beispiel mit der Diözese Cochabamba in Bolivien, Changanacherry in Indien und Stettin in Polen. Der lange Vorlauf für die schriftliche Vereinbarung und die Kontakte, die bereits vor 2007 bestanden, haben die Partnerschaft von Anfang an auf ein solides und breites Fundament gestellt. Das wirkt sich positiv aus!

Von Anfang an legten beide Diözesen Wert darauf, dass es eine »Partnerschaft« und keine »Patenschaft« sein solle. Diese beiden Begriffe wurden immer wieder – auch ausdrücklich – genannt und reflektiert. Die Beziehung zueinander soll Partnerschaft sein, das heißt, gegenseitiges Geben und Nehmen, Austausch auf gleicher Augenhöhe und nicht Patenschaft, die Geld und andere »geistige und materielle Güter« aus dem reichen Norden in den armen Süden transferiert. Im ersten Punkt der »Vereinbarung« heißt es deshalb: »Auf der Grundlage unseres gemeinsamen Glaubens an den Herrn Jesus Christus in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche begründen das Bistum Thiès und das Erzbistum Bamberg eine Partnerschaft als Gebets-, Lern- und Solidargemeinschaft.«

Die drei Säulen der Partnerschaft bilden »das Gebet füreinander«, »das sich immer bessere Kennenlernen« und die »Solidarität miteinander« in allen Bereichen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Bischof Jacques Sarr verstarb Anfang 2011 nach einer kurzen Krankheit im Alter von 76 Jahren.

Konkretisierung der Partnerschaft

I. Partnerschaft als Gebetsgemeinschaft

Eine wesentliche Dimension weltkirchlicher Verbundenheit ist die Gemeinschaft im Gebet.

Das Gebet mit- und füreinander konkretisiert sich zuerst in den Fürbitten. Jeder Partner betet zum Beispiel darum, dass die jeweils andere Diözese Priesterund Ordensberufe sowie Berufungen für die vielen anderen pastoralen und kirchlichen Dienste erhält. Auch Bitten um das innere und äußere Wachstum beider Kirchen, um Bekehrungen zum Glauben, für die Katechumenen und Neubekehrten, für die Familien und jungen Menschen gehören dazu.

Die wichtigste Dimension des Gebets ist aber der Dank, den wir Gott für die Gaben der Schöpfung, für unseren Glauben und für unsere Berufung zur Kirche sagen. Dazu gehört auch der Dank für unsere Partnerschaft in der Gemeinschaft der Kirche und für unsere Glaubenserfahrungen in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Umständen, an denen wir uns teilnehmen lassen. So werden wir auch dankbar dafür, dass das Evangelium bereits »in alle Welt« (Mk 16, 16) gelangt ist. Das Dankgebet schenkt Hoffnung und ermutigt für die Zukunft.

In der Eucharistiefeier beten wir an zentraler Stelle für die Weltkirche. Wenn es im Zweiten Hochgebet heißt: »Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde und vollende dein Volk in der Liebe«, denken wir aneinander. Die Eucharistiefeier bildet auch den Quell- und Angelpunkt der Gebetsgemeinschaft zwischen den beiden Diözesen.

Die Gebetsgemeinschaft konkretisiert sich in folgenden Punkten:

  • Am Sonntag vor oder nach dem 22. September (Tag der Diözesanpartnerschaftsunterzeichnung) wird jedes Jahr der Partnerschaftssonntag gehalten. Für die Feier dieses Sonntags werden jeweils liturgische Hilfen erstellt.
  • Um die Gebetsgemeinschaft zu fördern, gibt es ein Gebetsbild in deutscher und französischer Sprache. Es regt die Gläubigen an, die Anliegen der Partner schaft zwischen Thiès und Bamberg immer wieder persönlich oder gemeinsam vor Gott zu tragen. – Wir pflegen auch die alte Form der Gebetssolidarität durch »Messgaben«, die nebenbei die Geistlichen im Senegal bei der Sorge um ihren Lebensunterhalt unterstützen. Wir leiten an die Diözese Thiès Messstipendien mit der Maßgabe weiter, die Anliegen der Geber aus dem Erzbistum Bamberg in der Eucharistiefeier mit ins Gebet zu nehmen.

»Eine echte Lerngemeinschaft bemüht sich auch darum, gängige Vorurteile zu überwinden, Missverständnisse und Hemmnisse zu beseitigen.«

© Fritz Stark / missio

III. Partnerschaft als Solidargemeinschaft

Die Gebets- und Lerngemeinschaft zwischen unseren beiden Ortskirchen realisiert sich in der Solidargemeinschaft. Besonders bei diesem Punkt muss darauf geachtet werden, dass keine Schieflage entsteht und das Nord-Süd-Gefälle durchschlägt. Auch bei der Solidarität ist Geben und Nehmen auf Augenhöhe wichtig. Konkret bedeutet das:

  • Das Bistum Thiès ist für das Erzbistum Bamberg eine Tür zur Kultur und Spiritualität Afrikas. Wir erhalten Informationen aus erster Hand über das Zusammenleben verschiedener Völker, Sprachen und Religionen, über die Wirtschaft, das Bildungs- und Gesundheitswesen in einem sich im Aufbau befindlichen Entwicklungsland. So lernen wir den afrikanischen Kontinent besser begreifen. Thiès bereichert uns auch durch Informationen über Migration und den guten interreligiösen Dialog mit den Muslimen.
  • Umgekehrt ist die Erzdiözese Bamberg am Beispiel von Thiès zur Anwältin derer geworden, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden. Das Erzbistum Bamberg leistet im Rahmen seiner für weltkirchliche Aufgaben zur Verfügung stehenden Mittel dem Bistum Thiès bei seinen pastoralen, sozialen und caritativen Aufgaben finanzielle Hilfe.
  • Im Schulreferat des Erzbischöflichen Ordinariats entstand die Idee der sogenannten »Bleistiftaktion« zur Unterstützung der Schulbildung in der Diözese Thiès. Mit circa 70.000 bisher verkauften Stiften wurde sie ein großartiger Erfolg. Sie ergänzt die schon seit vielen Jahren erfolgreiche »Schulgeldpatenschaft«. Da das staatliche Schulsystem im Senegal sehr defizitär ist, sah sich die katholische Kirche genötigt, eigene kirchlich getragene Schulen zu unterhalten. Wegen ausbleibender staatlicher Zuschüsse ist dieses private Schulsystem nur über Beiträge finanzierbar, die aber von vielen Eltern nicht aufgebracht werden können. Hier greift die im Erzbistum ehrenamtlich organisierte und betreute Aktion »Schulgeld«, welche derzeit 684 Schüler/innen durch – weitgehende – Übernahme des Schulgeldes unterstützt.
  • Schulen und Kindergärten unterhalten Kontakte zu Schulen und Kindergärten in der Diözese Thiès und unterstützen sie durch Spenden. Zwei Schulen haben Partnerschaften geschlossen, zwei weitere unterhalten Briefkontakt. Mindestens zehn Schulen haben Patenschaften im Rahmen der Aktion Schulgeld übernommen. Seit 2008 haben acht Kindertagesstätten Beziehungen zu einem Kindergarten in der Diözese Thiès geknüpft.
  • Verbände und Einrichtungen im Bereich der Erzdiözese (KLB, Kath. Frauenbund, Diözesancaritasverband) fördern Projekte in der Partnerdiözese Thiès, zum Beispiel in den Bereichen Vorschul- und Schulwesen, Mikrokredite und Frauenförderung, Brunnenbau, Aufforstung und Erosionsschutz. Die Erzdiözese fördert Maßnahmen im pastoralen Bereich, zum Beispiel Kirchenbau, Bau von Gemeindezentren, katechetische Materialien.

III. Partnerschaft als Solidargemeinschaft

Die Gebets- und Lerngemeinschaft zwischen unseren beiden Ortskirchen realisiert sich in der Solidargemeinschaft. Besonders bei diesem Punkt muss darauf geachtet werden, dass keine Schieflage entsteht und das Nord-Süd-Gefälle durchschlägt. Auch bei der Solidarität ist Geben und Nehmen auf Augenhöhe wichtig. Konkret bedeutet das:

  • Das Bistum Thiès ist für das Erzbistum Bamberg eine Tür zur Kultur und Spiritualität Afrikas. Wir erhalten Informationen aus erster Hand über das Zusammenleben verschiedener Völker, Sprachen und Religionen, über die Wirtschaft, das Bildungs- und Gesundheitswesen in einem sich im Aufbau befindlichen Entwicklungsland. So lernen wir den afrikanischen Kontinent besser begreifen. Thiès bereichert uns auch durch Informationen über Migration und den guten interreligiösen Dialog mit den Muslimen.
  • Umgekehrt ist die Erzdiözese Bamberg am Beispiel von Thiès zur Anwältin derer geworden, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden. Das Erzbistum Bamberg leistet im Rahmen seiner für weltkirchliche Aufgaben zur Verfügung stehenden Mittel dem Bistum Thiès bei seinen pastoralen, sozialen und caritativen Aufgaben finanzielle Hilfe.
  • Im Schulreferat des Erzbischöflichen Ordinariats entstand die Idee der sogenannten »Bleistiftaktion« zur Unterstützung der Schulbildung in der Diözese Thiès. Mit circa 70.000 bisher verkauften Stiften wurde sie ein großartiger Erfolg. Sie ergänzt die schon seit vielen Jahren erfolgreiche »Schulgeldpatenschaft«. Da das staatliche Schulsystem im Senegal sehr defizitär ist, sah sich die katholische Kirche genötigt, eigene kirchlich getragene Schulen zu unterhalten. Wegen ausbleibender staatlicher Zuschüsse ist dieses private Schulsystem nur über Beiträge finanzierbar, die aber von vielen Eltern nicht aufgebracht werden können. Hier greift die im Erzbistum ehrenamtlich organisierte und betreute Aktion »Schulgeld«, welche derzeit 684 Schüler/innen durch – weitgehende – Übernahme des Schulgeldes unterstützt.
  • Schulen und Kindergärten unterhalten Kontakte zu Schulen und Kindergärten in der Diözese Thiès und unterstützen sie durch Spenden. Zwei Schulen haben Partnerschaften geschlossen, zwei weitere unterhalten Briefkontakt. Mindestens zehn Schulen haben Patenschaften im Rahmen der Aktion Schulgeld übernommen. Seit 2008 haben acht Kindertagesstätten Beziehungen zu einem Kindergarten in der Diözese Thiès geknüpft.
  • Verbände und Einrichtungen im Bereich der Erzdiözese (KLB, Kath. Frauenbund, Diözesancaritasverband) fördern Projekte in der Partnerdiözese Thiès, zum Beispiel in den Bereichen Vorschul- und Schulwesen, Mikrokredite und Frauenförderung, Brunnenbau, Aufforstung und Erosionsschutz. Die Erzdiözese fördert Maßnahmen im pastoralen Bereich, zum Beispiel Kirchenbau, Bau von Gemeindezentren, katechetische Materialien.
Während seiner Senegalreise Im Jahr 2008 informierte sich Erzbischof Dr. Ludwig Schick, unter anderem über das Bildungswesen vor Ort. Schulkinder begrüßen Erzbischof Schick bei einem Schulbesuch in der senegalesischen Stadt Thies.
Während seiner Senegalreise Im Jahr 2008 informierte sich Erzbischof Dr. Ludwig Schick, unter anderem über das Bildungswesen vor Ort. © KNA-BILD

Info-Tipp

Ausführliche Informationen über die diözesane Partnerschaft zwischen dem Erzbistum Bamberg und der Diözese Thiès im Senegal finden sich auf der » Internetseite des Erzbistums Bamberg.

Fazit

Als Bischof der katholischen Kirche und Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Weltkirche habe ich den Wunsch, dass Diözesanpartnerschaften eine Selbstverständlichkeit werden. Zum Wesen der katholischen Kirche gehört die gelebte Gemeinschaft zwischen den Diözesen, in denen und aus denen die katholische Kirche in der ganzen Welt besteht (Zweites Vatikanisches Konzil). Diözesanpartnerschaften sowie alle anderen Partnerschaften helfen der katholischen Kirche, immer katholischer (das heißt weltweit denken, fühlen und handeln) zu werden. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu Mission und Evangelisation in der ganzen Welt und helfen mit, das »Reich Gottes der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude im Heiligen Geist« aufzubauen (vgl. Röm 14,17). Nicht zuletzt tragen sie dazu bei, dass die Globalisierung eine Globalisierung der Menschenwürde, der Menschenrechte und der Bewahrung der Schöpfung wird. Für uns in Europa sind die Partnerschaften mit den aufstrebenden Ortskirchen in den Entwicklungsländern eine Quelle geistlicher und pastoraler Impulse, die wir gerade in den aktuellen Umstrukturierungsprozessen hierzulande gut gebrauchen können.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Bamberg

Quelle: Forum Weltkirche, 4-2011, S. 21-25 und online auf forum-weltkirche.de.

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