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ZDF-Fernsehgottesdienst am Sonntag der Weltmission

missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer

23. Oktober 2011

Heute wurde weltweit in der Katholischen Kirche der Sonntag der Weltmission gefeiert. Unter dem Leitwort „Macht euch auf und bringt Frucht“ feierte Pfarrer Karl-Hans Köhle den Gottesdienst an diesem Sonntag in der Pfarrkirche St. Joseph in Siegen-Weidenau. Das ZDF übertrug den Gottesdienst live im Fernesehen und im Internet.

Der Präsident von missio in Aachen, Prälat Dr. Klaus Krämer, hielt in diesem Gottesdienst die Predigt, die wir nachfolgend dokumentieren:

[Es gilt das gesprochene Wort.]

I. Eine Dialogszene wird uns im heutigen Evangelium vor Augen gestellt: Jesus im Gespräch mit den Pharisäern. Es ist eine schwierige und spannungsgeladene Situation: Die Pharisäer wollen Jesus auf die Probe stellen. Sie wollen ihn in Widersprüche verwickeln. Sie wollen Material sammeln, das sie gegen ihn verwenden können. Sie wollen ihn endlich zu Fall bringen!

Dialoge spielten im Leben Jesu eine große Rolle: Die Evangelisten berichten von heilsamen Dialogen, in denen Jesus sich Kranken und hilfesuchenden Menschen zuwandte. Sie berichten von Dialogen Jesu mit seinen Jüngern, in denen er ihnen seine Sendung und die Bedeutung seiner Botschaft erschloss. Sie berichten aber auch von Streitgesprächen und harten Auseinandersetzungen, in die Jesus von seinen Gegnern immer wieder verwickelt wurde, denen er aber nicht aus dem Weg ging!

II. Auch das Plakat zur diesjährigen Aktion zum Sonntag der Weltmission zeigt einen Dialog – einen Dialog in dem westafrikanischen Land Senegal. Eine Ordensschwester, eine Mutter mit Kind und zwei Männer stehen zusammen, um miteinander zu reden und aufeinander zu hören. Sie haben sich unter dem Baobab-Baum versammelt, dem in der afrikanischen Kultur eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Viele Mythen und Legenden ranken sich um diesen knorrigen und eigenwilligen Baum. In seinem Schatten versammeln sich Menschen, um Geschäfte zu machen, um Verhandlungen zu führen oder um über ihren Glauben zu diskutieren.

Die Kirche im Senegal ist eine junge Kirche – eine Kirche im Aufbau und im Aufbruch. In vielen Regionen entstehen neue Gemeinden. Katechisten werden ausgebildet, um in der Pastoral mitzuwirken. Ordensschwestern richten Zentren ein, in denen hilfesuchende Frauen beraten und begleitet werden.

Die Kirche im Senegal ist aber auch eine Kirche in der Minderheit. Nur fünf Prozent der senegalesischen Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben. Die große Mehrheit des Landes ist muslimisch geprägt. Aber die Christen im Senegal verstecken sich nicht. Sie sind eine selbstbewusste Minderheit, die den Kontakt zu den anderen sucht, die eine aktive Rolle im öffentlichen Leben spielt und dadurch nicht geringen Einfluss ausübt auf das Leben der Gesellschaft. „Dialog des Lebens“ nennen das die offiziellen Vertreter der Kirche im Senegal. Und dieser Dialog des Lebens beginnt erste Früchte zu tragen.

III. Früchte getragen hat auch das Dialogzentrum im südindischen Cochin, dessen Aufbau vom Pastoralverbund Hüttental-Freudenberg gemeinsam mit missio bereits in den 70er Jahren tatkräftig unterstützt wurde. Aber nicht nur im Senegal und in Indien – auch bei uns in Deutschland hat sich die Kirche auf einen Weg des Dialogs eingelassen. In einer Situation, die durch viele Schwierigkeiten geprägt ist, erhoffen wir uns durch diesen Dialogprozess einen neuen Aufbruch – oder zumindest doch eine ersten Schritt hin zu einem solchen neuen Aufbruch. Damit dieser Dialogprozess ein fruchtbarer Weg werden kann, darf er nicht zu kurz greifen. Unverzichtbar ist ein ernsthafter und intensiver Dialog über die zentralen Inhalte unseres Glaubens und über die Gestalt unserer Kirche heute und morgen. Der Dialog darf aber niemals nur nach innen gewandt sein. Die Botschaft des Glaubens ist ein Geschenk zum Weitergeben, sie will jeden Menschen erreichen. Deshalb dürfen wir nichts unversucht lassen, um den Glauben wieder neu ins Gespräch zu bringen, den Dialog auch mit denen zu suchen, die sich innerlich von der Kirche schon weit entfernt haben oder mit ihr noch gar nicht richtig in Kontakt gekommen sind. Im Mut zu diesem Dialog zeigt sich heute ganz besonders die missionarische Spannkraft unseres Glaubens.

Dabei ist die Situation alles andere als einfach. Es gibt viele Enttäuschungen und Verhärtungen. Und immer wieder stoßen wir mit unserer Einladung zum offenen Gespräch auch auf Ablehnung und Verweigerung.

IV. Im Evangelium des heutigen Sonntags bekommen wir einen Hinweis, wie Jesus mit solchen Situationen umgegangen ist. Jesus lässt sich nicht auf Spitzfindigkeiten ein. Er lenkt den Blick auf das Wesentliche und löst von dort her Spannungen und Verhärtungen. Jesus weist auf die Mitte des Gesetzes hin, von der alle einzelnen Bestimmungen erst ihren Sinn und ihr Maß erhalten: Alles hängt für ihn an unserer Beziehung zu Gott. Und diese Beziehung zu Gott ist für Jesus untrennbar verbunden mit der Beziehung zu unseren Nächsten. Gottes- und Nächstenliebe sind für ihn zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Und das war für Jesus nicht nur ein theoretisches Wort. Es war die Grundhaltung seines Lebens. Deutlich wird das vor allem daran, wie er den Dialog mit seinen Gegnern führte. Jesus ging es in allem, was er sagte und was er tat, um das Heil der Menschen – und zwar um das Heil eines jeden Menschen, vor allem des Menschen, der gerade vor ihm stand – und das unabhängig davon, ob er ihm wohlgesonnen war oder nicht.

Zur Grundhaltung des Dialogs gehört dieses uneingeschränkte Wohlwollen dem anderen gegenüber. Dieses Wohlwollen bestimmt den Dialog des Lebens, den die Christen im Senegal führen. Weil die anderen dieses Wohlwollen spüren, lassen sie sich auf den Dialog mit der christlichen Minderheit ein und so können sie es gemeinsam schaffen, Schritte zu einem guten Miteinander zu gehen und die großen Probleme der senegalesischen Gesellschaft gemeinsam anzugehen. Diese Grundhaltung des Wohlwollens ist der Schlüssel dafür, dass wir den Dialog auch mit einer Welt wagen dürfen, die den zentralen Inhalten unseres Glaubens oftmals abwartend oder gleichgültig gegenübersteht.

„Macht euch auf und bringt Frucht!“ – dieses Wort aus dem Johannesevangelium, mit dem der diesjährige Sonntag der Weltmission überschrieben ist, soll allen Christen Mut machen, aufzubrechen und den Dialog zu wagen. Es gilt den Christen im Senegal, die als Minderheit Zeugnis für ihren Glauben geben. Es gilt den Christen in Ifuta im Kongo, deren Gemeindeentwicklung hier von Siegen aus seit Jahren tatkräftig gefördert wird. Es gilt den Christen in ganz Afrika und Asien, die wir durch unsere Gabe zum Sonntag der Weltmission unterstützen wollen. Es gilt aber auch für uns hier in Deutschland, für unseren Weg als Kirche in dieser Zeit des Umbruchs: Auch wir dürfen den Mut haben, aufzubrechen und Frucht zu bringen. Amen.

Prälat Dr. Klaus Krämer, missio-Präsident in Aachen

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