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Auf der Schotterpiste zum Glauben … mit Saxophon und Gästen aus Papua-Neuguinea

© Hartmut Schwarzbach / missio

29. September 2012

Mitreißendes Konzert „Hear my Soul“ während der bundesweiten Eröffnung des Monats der Weltmission im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum. Judy Bailey, der Paderborner Domchor, die Mädchenkantorei, „Quintessence“ und Erwin Grosche bringen Westfalen zum Tanzen.

Am Ende hält es die eher als zurückhaltend geltenden westfälischen Zuhörer im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum nicht mehr auf ihren Sitzen: „God never let me down“ – „Gott lässt mich niemals im Stich“: Beim Schlusssong von Judy Bailey mit ihrer raumfüllenden Stimme und Gitarre stehen alle auf, klatschen, singen, tanzen im Rhythmus der Musik. Großes Finale beim Kulturabend „Hear my soul“ während der bundesweiten Eröffnung des Monats der Weltmission am Freitag, 28. September. Es vereint die aus Barbados gebürtige, heute in Deutschland lebende Sängerin und ihre Band mit dem Paderborner Domchor, der Mädchenkantorei und dem Saxophon-Ensemble „Quintessence“. Eingeladen haben das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen und das Erzbistum Paderborn als Gastgeber der missio-Aktion. Der Abend vereint auch das deutsche Publikum mit den Gästen aus der katholischen Kirche Papua-Neuguineas, dem diesjährigen Beispielland des Monats der Weltmission, und mit Erzbischof Ignatius Kaigama, Vorsitzender der nigerianischen Bischofskonferenz.

© Hartmut Schwarzbach / missio

Für die hintergründige Begegnung an diesem Abend sorgt Moderator Erwin Grosche, für seinen westfälischen Humor berühmt. Er interviewt etwa Gilles Coté, Bischof der „Dschungel-Diözese“ Daru-Kiunga in Papua-Neuguinea. Der gebürtige Kanadier bekennt offen seinen Neid auf das deutsche Straßennetz: „In meinem Bistum gibt es nur eine Straße, und das ist eine einzige Schotterpiste. Zu den Menschen zu gelangen, das ist die wichtigste Aufgabe für uns als Kirche, hier ist das durchaus wortwörtlich zu verstehen.”

„Wo liegt Papua-Neuguinea? In der Nähe von Australien!” So beantwortet Erwin Grosche selbst seine Frage. Dies trifft einen wahren Kern. Denn: Der Inselstadt Papua-Neuguinea ist für Menschen in Deutschland sehr fern - ein exotisches Land irgendwo am Ende der Welt, ein Land jedoch mit enormer kultureller Vielfalt. In Papua-Neuguinea werden über 800 Sprachen und Stämme gesprochen. Die Menschen des Inselstaates sind stolz auf ihre kulturellen Traditionen.

Bewusst rückt missio dieses kaum bekannte Land in den Vordergrund. Offiziell wird der Monat der Weltmission am Sonntag, 30. September, mit einem feierlichen Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn eröffnet. Höhepunkt des Monats der Weltmission ist dann der letzte Sonntag im Oktober, wenn weltweit in allen Ländern und Kirchengemeinden die Kollekte für Projekte der Weltmission gehalten wird. „Der Weltmissions-Sonntag“, so missio-Präsident Prälat Klaus Krämer, „ist die größte kirchliche Solidaritätsaktion überhaupt. Hier wird die Dimension des weltkirchlichen Gedankens besonders konkret.“

„Papua-Neuguinea - Land der Gegensätze“: Mehrere Kurzfilme, die missio-Redakteurin Bettina Tiburzy gedreht hat, illustrieren beim Kulturabend die Konflikte, die sich am Zusammenprall zwischen Tradition und Moderne in diesem Land entzünden. Der Rohstoffreichtum lockt ausländische Investoren; die Globalisierung ist längst auch in Papua-Neuguinea angekommen, stellt die Menschen vor eine Zerreißprobe. Die Kurzfilme schildern beispielsweise einen Besuch bei „Dschungelpfarrer“ Bruno, der eine weite und gefährliche Bootsfahrt auf dem Fluss auf sich nimmt, um Proviant für seine Missionsstation zu beschaffen, und der oft tagelang durch den Urwald wandert, um alle 16 Dörfer, die zu seiner Pfarrei gehören, regelmäßig zu besuchen. Sie zeigen, wie tief die katholische Kirche Papua-Neuguineas, die erst vor rund 130 Jahren von europäischen, auch deutschen Missionaren gegründet wurde, mittlerweile in der einheimischen Kultur des Landes verwurzelt ist. Ein Filmausschnitt als Beispiel: Die lokale Bevölkerung tanzt in ihrer traditionellen Kleidung, die auf europäische Betrachter archaisch anmutet, bei einer großen Feier zum 50-jährigen Jubiläum einer katholischen Schwesterngemeinschaft.

Persönliche Zeugnisse der missio-Gäste ergänzen im Heinz Nixdorf MuseumsForum die Filmbeiträge - wie der von Schwester Anna Damas. Seit 2006 lebt die aus Duisburg stammende Steyler Missionsschwester in Papua-Neuguinea. „Ich wollte immer in andere Weltregionen, um dort zu helfen, schon als Mädchen“, plaudert die Ordensfrau im Gespräch mit Erwin Grosche. „Natürlich hätte ich auch als Entwicklungshelferin gehen können. Aber als ich die Steyler Missionsschwestern näher kennen lernte, wurde mir klar, dass dies meine Berufung ist: In einer Gemeinschaft leben, die den Glauben überzeugend bezeugt.” Der weltkirchliche Gedanke bewegte sie, ihre frühere Stellung als Pastoralreferentin im Bistum Aachen aufzugeben und ans andere Ende der Welt zu gehen. Dort arbeitet sie heute im Auftrag der Bischofskonferenz im Bereich Bibelarbeit und Katechese, denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein, und der spirituelle Hunger der Menschen, ihre Suche nach Halt ist oft größer als die materielle Not.“

Judy Bailey und Erzbischof Gilles Coté im Duett. © Hartmut Schwarzbach / missio

„Die katholische Kirche, der rund ein Viertel der Bevölkerung Papua-Neuguineas angehört, ist nahezu die einzige Institution, der die Menschen wirklich vertrauen“, sagt Schwester Thecla Gamog, die als einheimische Ordensfrau im Bistum Madang Frauen und Mädchen in Notsituationen hilft und derzeit auch mit Unterstützung von missio ein Frauenhaus für ihre Region baut. „Die Menschen vertrauen der Kirche”, so Schwester Thecla, „mehr als der Regierung, die für viele der entlegenen und sehr gebirgigen Gebiete unseres Landes weit weg ist. Die Menschen wissen, dass die Kirche sich für sie einsetzt, ohne gleich etwas zurückzufordern.“

Der Glaube in Papua-Neuguinea ist stark - 96 Prozent der Menschen bezeichnen sich als Christen. Über religiöse Fragen zu sprechen, sich auf die Bibel zu berufen ist auch im Alltag, sogar auf politischer Ebene selbstverständlich. Die Kleinen Christlichen Gemeinschaften wachsen, in denen sich Menschen treffen und das Evangelium mit Blick auf ihre konkrete Lebenssituation reflektieren. Der einheimische Pater Elias Aiyakio, der nach seelsorgerischen Tätigkeiten in Chicago und auf Jamaica in seine Heimat zurückkehrte, schildert augenzwinkernd eine gänzlich andere Glaubenserfahrung: „Es heißt, dass der Glaube nirgendwo so stark ist wie bei uns auf Papua-Neuguinea. Unser Land ist ein Land mit hohen, schroffen Bergen. Nun aber bin ich hier in Deutschland. Und ich sehe hier keine Berge. Und ich frage mich: Wie groß muss der Glaube in diesem Land sein, wenn er sogar die Berge in anderen Teil der Welt versetzen kann…?” Selbst Erwin Grosche mag nicht sofort eine Antwort auf diese Frage geben können.

Es ist ein heiterer, ein vielfältiger und zugleich lehrreicher Abend, der eine wirkliche Begegnung mit einem einzigartigen Land ermöglicht. Begegnung - ein zentrales Motiv im Monat der Weltmission. Denn, so missio-Präsident Prälat Klaus Krämer: „Die Begegnung von Deutschen mit dem kulturellen und spirituellen Reichtum Papua-Neuguineas kann uns bereichern, die Fremdheit des Anderen kann uns selbst in Frage stellen und vielleicht zu einem neuen Glaubenszeugnis führen.”

Anja Kordik

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