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Die Träume der Jugend in Papua-Neuguinea

© Hartmut Schwarzbach / missio

30. September 2012

Die missio-Jugendaktion “Zerreißprobe” bringt Jugendlichen der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) das Leben am anderen Ende der Welt näher.

„Zerreißprobe“ – so lautet der Titel der Jugendaktion des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio im Monat der Weltmission. Sie ist ein Hinweis auf die enormen Spannungen zwischen Tradition und Moderne im diesjährigen missio-Beispielland Papua-Neuguinea. Während der Eröffnung der missio-Kampagne im Erzbistum Paderborn vom 28. bis 30. September haben Pfadfinder des Diözesanverbandes der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) im Pfarrzentrum St. Johannes Baptist in Höxter-Brenkhausen die Aktion mit Gästen aus Papua-Neuguinea erlebt.

Es war einmal ein Junge aus einer armen Familie mit neun Kindern, der hatte einen Traum: Er wollte die Welt kennenlernen, sehen, was jenseits der Grenzen seines Dorfes war, welche Überraschungen die Welt außerhalb der Berge und Urwälder seines Heimatlandes bietet. Und er wollte den Menschen in der ganzen Welt die Botschaft des Evangeliums bringen. Früh wusste der Junge: „Ich will Priester werden.“ Aber Schulgeld oder gar Studiengebühren konnten seine Eltern nicht zahlen. So blieb dem Jungen nur sein Traum - und das Gebet, der feste Glaube daran, dass Gott seinen Traum Wirklichkeit werden lassen würde.

Vor etwa dreißig Pfadfindern im Pfarrzentrum St. Johannes Baptist in Höxter-Brenkhausen schilderte Pater Elias, Jugendpfarrer der Diözese Madang, seine schwierige und zugleich schöne Jugend in seiner Heimat Papua-Neuguinea. Sein Traum wurde wahr: Er ist Priester geworden; er hat auch ein Stück von der Welt gesehen, zum Beispiel als Seelsorger in Chicago und Jamaika.

© Hartmut Schwarzbach / missio

Im Rahmen der missio-Jugendaktion „Zerreißprobe“ zur Eröffnung der missio-Kampagne schilderte der lebhaft und zugleich zurückhaltend wirkende Priester seine schwierige, aber auch schöne Jugend in Papua-Neuguinea. Und er machte deutlich, wie ganz anders als in Deutschalnd Kinder und Jugendliche in Papua-Neuguinea aufwachsen. Denn das Leben in einem der vielen entlegenen Urwalddörfer des Inselstaates habe nichts mit Urwaldromantik zu tun. Es sei ein hartes Leben, ein Kampf ums tägliche Überleben. Schulen gibt es viele zu wenige in Papua-Neuguinea. Die meisten sind von den Dörfern im oft gebirgigen Landesinneren weit entfernt. „Ich selbst bin damals täglich vier Stunden durch den Wald zur Schule gelaufen“, erzählte der Priester.

Längst ist aber auch die Moderne in Papua-Neuguinea angekommen: Der Fernseher zum Beispiel, so zeigte es der Priester anhand von mitgebrachten Fotos, hat in vielen Dörfern Einzug gehalten. „Das hat durchaus positive Seiten“, erklärte Pater Elias. „Das Fernsehen wird zu einer Brücke in eine unbekannte Außenwelt. Viele Kinder und Jugendliche kennen nur die Welt ihres Heimatdorfes und vielleicht die nächste Umgebung und haben niemals einen weißen Menschen gesehen. Sie glauben oft, Papua-Neuguinea sei der Nabel der Welt. Und durchs Fernsehen erhalten sie eine Vorstellung davon, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Das gilt im Übrigen auch für Erwachsene.”

Viele Jugendliche in Papua-Neuguinea würden sich sehr für die Kirche engagieren, so Pater Elias weiter, und präsentierte ein Foto von einer Dorfkirche mit einfachen Holzdecken und -bänken. „Gerade die Jugendlichen sorgen dafür, dass in der Kirche alles in Ordnung ist, dass der Altarraum mit Blumen geschmückt wird. Viele Jugendliche machen auch gerne Musik, spielen und singen in den Gottesdiensten. An Weihnachten etwa kommen dann auch protestantische Jugendliche in unsere Kirche, weil wir eine größere Kirche haben, und weil der Weihnachtsgottesdienst bei uns besonders schön ist.“ Das ist ein Traum, den Pater Elias heute hat. Er möchte Jugendliche aller christlichen Konfessionen auf Papua-Neuguinea zusammenbringen, „damit alle später an einem Strang ziehen und als Christen gemeinsam an der künftigen Gesellschaft unseres Landes bauen“.

© Hartmut Schwarzbach / missio

In Gesprächen und bei gemeinsamen Spielen ließ sich Pater Elias von den deutschen Pfadfindern erzählen, wie ihr Miteinander aussieht: von gemeinsamen wöchentlichen Gruppenstunden, vielen Aktionen in freier Natur, von den gemeinsamen Zeltlagern im Sommer und gemeinsamen Gottesdiensten. Die gemeinschaftliche Idee der Pfadfinder fand der Jugendpfarrer aus Madang so überzeugend, dass er halb im Scherz, halb im Ernst äußerte: „Vielleicht kommen einmal ein paar Pfadfinder nach Papua-Neuguinea, und erklären dort unseren Jugendlichen, was ein Pfadfinder ist. Die jungen Menschen bei uns sehnen sich nach solchen Impulsen, werden diese sicher gern aufnehmen.“

Die deutschen Jugendlichen waren interessiert an den Schilderungen des Priesters aus Papua-Neuguinea - und nachdenklich. „Ich bin nicht wirklich überrascht”, bemerkte eine etwa 15-jährige Pfadinderin. „Es ist klar, dass Jugendliche in einem Land wie Papua-Neuguinea ganz anders aufwachsen als hier in Deutschland.“ Ob sie so aufwachsen möchte, wie die jungen Menschen dort? Das Mädchen überlegt nur kurz: „Ich denke, es hängt immer davon ab, wie eben jemand aufwächst, welches Leben er kennt.“ Die deutschen Jugendlichen reagierten also durchaus offen auf die Berührung mit einer ganz anderen Welt, lehnten das Fremde nicht ab.

Die Pfadfindergruppe in Höxter-Brenkhausen gehört zu den größten im Diözesanverband Paderborn. Internationale Kontakte gibt es immer wieder, berichtete Andrea Fahnenstich, die als Mutter durch ihre Tochter zu den Pfadfindern kam. Inzwischen engagiert sie sich ebenso wie ihr Mann in der Betreuungsarbeit. „Unsere ganze Familie ist also bei den Pfadfindern. Im vergangenen Jahr war unsere Pfadfindergruppe in Rom. Und dort wurden wir fast überall angesprochen: ,Ach, Sie sind auch bei den Pfadfindern? Das trifft sich gut…‘” International ging es im vergangenen Jahr beim großen Zeltlager im österreichischen Zelldorf zu, an dem die Gruppe aus Höxter-Brenkhausen teilnahm. „Wir kamen mit so vielen Pfadfindergruppen aus verschiedenen Ländern zusammen. Und dann gab es einmal pro Woche die Aktion ,Open pots‘. Dabei mussten die verschiedenen Gruppen jeweils ein Gericht aus ihrem Land kochen - und es gab ein großes gemeinsames Essen.” Der Vorteil war auch, so die Mutter: „Die Jugendlichen kamen dabei wirklich miteinander ins Gespräch. Sie mussten miteinander reden, auch da, wo es Verständigungsprobleme gab.“

Der internationale Gedanke der Pfadfinder und die Arbeit von missio - beides passte gut zusammen. Der weltkirchliche Gedanke wurde bei der Aktion auch der gesamten Pfarrgemeinde präsentiert: bei der Vorabendmesse in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Pater Elias erhielt noch einmal Gelegenheit, vom Leben in seiner Heimat vor der Gottesdienstgemeinde zu sprechen. Und die Pfadfinder begleiteten den Gottesdienst musikalisch, unter anderem mit ihrem Schlusslied: „Offene Hände, flinke Füße, wache Augen, weites Herz - wenn wir alle zusammen stehen, verändern wir die Welt.“

Anja Kordik

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