Subnavigation und Schnelleinstieg

Ihr Ansprechpartner

Johannes Seibel

Johannes Seibel ,
Leiter Abteilung Kommunikation und Presse / Pressesprecher

Tel.:
+49 (0)241 / 7507-285
Kontaktformular:
zum Kontaktformular
Wir bauen ein Haus für Alle Solidarität mit bedrängten Christen Aktion Schutzengel - Für Familien in Not. Weltweit. Glauben teilen. Weltweit.

Projektauswahl

Filterkriterien
.
missio im Web 2.0: Facebook, Twitter, Google+, Youtube, Instagram, Blog » Twitter » Instagram » Youtube » Blog » Google+ » Facebook

Inhalt

Predigt des Erzbischofs von Paderborn im Pontifikalamt zur Eröffnung der missio-Aktion im Hohen Dom am 30. September 2012

Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn)

30. September 2012

Es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Mitbrüder, Schwestern und Brüder im Herrn!

Im Jahr 1958 verfasste der aus Czernowitz stammende jüdische Dichter Paul Celan folgendes kleine Gedicht, das er mit dem Titel „Engführung“ versah: Kam ein Wort, kam, kam durch die Nacht, wollt leuchten, wollt leuchten.

Als ich die Zeilen zum ersten Mal gehört habe, war ich von der fast lautmalerischen Sprache angerührt. „Kam ein Wort, kam, kam…“ – langsam, fast zögerlich, macht sich das Wort auf seinen Weg durch die dunkle Nacht. Schlussendlich erreicht es sein Ziel: zu leuchten – erst schwach und glimmend, dann immer stärker, um am Ende seine ganze Strahlkraft zu verbreiten: Die Finsternis ist besiegt. Mir ist nicht bekannt, ob Celan dieses Gedicht auf dem Hintergrund irgendeiner religiösen Erfahrung verfasst hat. Das tut auch nichts zur Sache. Wir jedenfalls können beim Hören unsere Überzeugung nicht ausklammern. Deshalb bringen wir die Verse nicht mit irgendeinem x-beliebigen Wort in Verbindung. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh 1,15) In diese Worte kleidet der Prolog des Johannesevangeliums das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi. „Er ist dein Wort, durch ihn hast du alles erschaffen.“ – So beten wir in einer Präfation in der Heiligen Messe. Für uns Christen ist der menschgewordene Gottessohn das Wort schlechthin, das zu uns gesprochen ist zu Heil und Erlösung. Und so halte ich es für legitim, die Gedanken Celans auf dem Hintergrund dieser Überzeugung zu bedenken.

Schwestern und Brüder!

Wer kennt nicht auch im Glauben die Erfahrung einer regelrechten „Nacht“? Es gibt Momente im Leben, in denen uns alles stockdunkel erscheint. Die Dunkelheit kann ganz verschiedene Ursachen haben: Not, Leid, Einsamkeit, Krankheit, Sünde. In solchen Momenten ist es schwer, einen Ausweg zu finden, überhaupt die Spur zu entdecken, die mich das Leben weiter führen will – das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Auch den großen Heiligengestalten der Kirchengeschichte ist diese Erfahrung nicht fremd.

Manchmal ist es dann ein einziges Wort, eine Begegnung, ein Gebet, das uns den Horizont weitet. Ganz langsam – wie von Paul Celan beschrieben – bricht es sich in uns die Bahn und weist den Weg hinaus aus der Dunkelheit. Uns selbst und einander solche lichtvolle Erfahrungen zu ermöglichen, ist die Aufgabe der Christen. Schauen wir zuerst auf uns selbst: Wie kann ich mich selbst mit der Erfahrung der Nähe Gottes beschenken?

Der Begriff „Nacht“ ist nicht nur mit negativen Gefühlen wie Dunkelheit und Einsamkeit besetzt. Wir verbinden ihn ebenfalls mit Ruhe und Ausruhen. Ohne die Nacht und den erquickenden Schlaf ist uns die Arbeit des Tages nicht möglich, sind wir unausgeglichen und eingeschränkt. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Beziehung zu Gott. Wir brauchen Zeiten der Ruhe, um für ihn da zu sein. Damit er uns begegnen kann, müssen wir uns frei machen von äußeren Ablenkungen und Zerstreuungen.

Gerade in unserer hektischen Zeit ist das kompliziert. Im Berufsleben wird stete Erreichbarkeit und Verfügbarkeit gefordert. Abschalten ist kaum möglich. Die gefährlichen Folgen für Gesundheit und soziale Kontakte liegen allerdings auf der Hand. Jede Beziehung, die nicht gepflegt wird, verdorrt – auch die Gottesbeziehung. Das scheint mir eine der Gesellschaftskrankheiten der heutigen Zeit zu sein. Die Sehnsucht nach einem wirklich tragfähigen Fundament im Leben ist bei vielen Zeitgenossen groß. Doch ohne ein Mindestmaß an Offenheit Gott gegenüber geht es nicht. Oder anders gesagt: Wenn wir sein Wort, seine Nähe als Leuchte für unseren Lebensweg erfahren wollen, müssen wir ihm die Gelegenheit geben, diese Leuchtkraft auch entwickeln zu können.

Jene, die sich darauf eingelassen haben und in der Kraft der Frohen Botschaft ihr Leben gestalten, halten damit nicht hinter dem Berg. Hier sind wir beim zweiten Aspekt angelangt: Wenn die Leuchte des Wortes Gottes hell brennt und strahlt, dann hilft sie nicht nur uns, sondern auch unseren Mitmenschen. Auch aus diesem Grund ist die diesjährige Missio-Aktion mit dem Psalmwort überschrieben: „Dein Wort ist ein Licht für meine Pfade.“ (Ps 119,105) Denn nichts anderes bedeutet ja Mission. Die französischen Bischöfe haben im Jahr 1994 eine missionarische Initiative gestartet und ihr das Motto gegeben: „Den Glauben in der gegenwärtigen Gesellschaft anbieten“ – ein schönes Wort, das für mich den rechten Sinn trifft.

Schwestern und Brüder!

In den letzten Jahrhunderten brachten Missionare aus Europa das Licht des Glaubens, das sie in ihrem Leben als eine Hilfe erfahren hatten, mit großem Elan und vielen persönlichen Opfern in die neu entdeckten Kontinente in Übersee. Nach Papua-Neuguinea, in das Land, mit dem wir heute in besonderer Weise verbunden sind, kamen die ersten katholischen Missionare im Jahr 1845. Sie erahnten sicherlich damals kaum, was sie durch ihr Handeln und ihre Predigt dort bewirkten. Langsam, aber stetig drang das Wort Gottes in die Herzen der Menschen und begeisterte sie für ein Leben aus dem christlichen Glauben. Viel Gutes ist seitdem geschehen. Und auch heute, unter sich teils rasant verändernden gesellschaftlichen Bedingungen, wird die Kirche aufgrund ihres caritativen Engagements und des Eintretens für Menschenwürde und Menschenrechte geschätzt. Das Christentum bietet vielen Halt und Orientierung: 87 % der Bevölkerung Papua-Neuguineas sind evangelische und katholische Christen.

Heute Morgen ernten wir in gewisser Weise die Früchte dieses segensreichen Wirkens. Mittlerweile gehört es zu den Grundeinsichten der Kirche in Europa, dass auch sie der missionarischen Impulse durch Schwestern und Brüder in der Weltkirche bedarf. Denn vielerorts hat sich das Bild gewandelt: weltweit ist die Zahl der Katholiken wachsend – und das trotz des Rückgangs an Gläubigen auf unserem Kontinent. Die Kirche in Europa, schon gar nicht die Kirche in Deutschland, ist nicht der „Nabel der katholischen Welt“, als der sie sich oftmals ansieht. Deutschland ist Missionsland geworden (P. Alfred Delp SJ, 1941). Um der drohenden Resignation entgegenzuwirken und auch unserem Glaubensleben, das manchmal müde und schlaff geworden ist, wieder neuen Antrieb zu geben, tut ein Blickwechsel gut. Mögen Frömmigkeitsformen auch Ausdruck der jeweiligen Mentalität eines Landes und deshalb nicht auf jedermann übertragbar sein: die Glaubensfreude, die man in den in Afrika oder Asien gefeierten Gottesdiensten regelrecht spüren kann, beeindruckt viele unter uns und steckt an. Ganz selbstverständlich wird der Freude am Glauben in Tanz, Gesang und Musik Ausdruck gegeben. Etwas davon dürfen wir in dieser Heiligen Messe erleben. Dank dafür allen, die uns daran teilhaben lassen!

Schwestern und Brüder!

Sich gegenseitig im Glauben zu stärken und zu erneuern; sich mitzuteilen, wie Gott uns Leuchte auf unserem Lebensweg ist: Diese Tatsache ist mir – neben vielem anderen – Grund zur Freude an unserer Kirche. Es zeugt von der Lebendigkeit des Evangeliums und offenbart die Wirkmacht des Heiligen Geistes – auch in unserer Zeit. Und es zeigt, dass wir als Glaubende nicht allein sind – allen gegenläufigen Meinungen zum Trotz.

„Dein Wort ist ein Licht für meine Pfade.“ – Öffnen wir einander unsere Herzen für dieses Geschenk! Mögen diese Tage der Begegnung in der einen Weltkirche uns stärken und dem Wort Gottes, für uns Mensch geworden in Jesus Christus und wegweisend im Leben, in unserem Inneren neu die Bahn brechen – langsam, aber stetig, und schlussendlich mit voller Kraft.

Amen.

________
Linktipp:
Pressemitteilung vom 30. September 2012 zum Pontifikalamt

© 2009-2017 missio Aachen