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Inhalt

Auf schwierigen Pfaden

Das Pfarreigebiet von Pfarrer Bruno ist riesig. Das Pastoralteam und der Priester nehmen lange Wege in Kauf, um alle Gemeinschaften zu besuchen.

Mitten im Dschungel Papua-Neuguineas leitet Pfarrer Bruno eine Missionsstation. Zusammen mit seinem Team hilft er den Menschen, eine starke Gemeinschaft zu formen. Keine einfache Aufgabe. Denn das Gelände ist unwegsam und riesig. Und trotz aller Abgeschiedenheit kämpfen die Menschen mit den Einbrüchen der Zivilisation in ihre sozialen Gefüge.

Das grüne Dach des Dschungels zieht sich bis zum Horizont. Nur ein kurviger Fluss windet sich durch den Regenwald. In der Flussmitte bewegt sich ein Punkt mit zunehmender Geschwindigkeit, ein Boot, das über das Wasser zu fliegen scheint.

Als es in einen Nebenarm abbiegt, drosselt der Bootsführer das Tempo. Das Wasser wird seichter. Langsam navigiert er mit seinen zehn Passagieren an Bord um Sand und Kieselbänke herum. „In den Bergen hat es nicht genug geregnet. Die Flüsse führen wenig Wasser“, erklärt Pfarrer Bruno Targoges. Der 45-jährige Priester trägt ein lila Hawai-Hemd, eine Dreiviertel-Hose und eine Baseballkappe. Neben ihm sitzt eine Frau mit Baby, die über seine erfolglosen Versuche, das weinende Kind mit Grimassen aufzumuntern, lachen muss.

Auf einer Schlammbank beäugt ein hellhäutiges Krokodil das Boot. Als es sich nähert, verschwindet es mit einer ruckartigen Bewegung ins Wasser. „Es hat wohl Angst, dass wir ihm die Haut abziehen und es essen“, meint Pfarrer Bruno. Jetzt lachen auch die übrigen Bootsinsassen. Vor ein paar Tagen war Pfarrer Bruno in die Stadt Kiunga gekommen, hatte Proviant, Benzin und Gas für seine entlegene Missionsstation im Dschungel an der Grenze zu Indonesien besorgt. Kiunga ist eine der wenigen Städte im Herzen der Hauptinsel Papua-Neuguineas und Sitz des katholischen Bischofs. Die Diözese Daru-Kiunga umfasst ein Gebiet mehr als dreimal so groß wie Belgien. Der größte Teil besteht aus Regenwald, Sümpfen und Flüssen.

Der Bootsführer deutet auf einen Flussarm mit auffallend heller Wasserfarbe. „Sein Wasser kommt aus dem Gebiet der Ok-Tedi- Mine“, ruft er über den Lärm des Motors hinweg. „Der Fluss ist tot. Durch Chemikalien vergiftet.“ Seit 1984 fördert die Firma Ok Tedi hier Gold und Kupfer in einer der größten offenen Minen der Welt. Mit schwerwiegenden Schäden für die Umwelt und die hier lebenden Menschen. Denn diese ernähren sich von selbst angebautem Obst und Gemüse, Fischen und der Jagd auf wilde Schweine.

Schließlich biegt das Boot in einen seichten, von Bäumen gesäumten Nebenfluss. Das Ufer liegt einige Meter über dem Gewässer. Es geht nur noch im Schritttempo voran. Immer wieder müssen Pfarrer Bruno und einige Männer in den Fluss steigen, um das Boot durch das flache Wasser zu ziehen. Nach drei Stunden mühsamer Fahrt ist das Ziel erreicht, die Missionsstation Tarakbits. Am Ufer wird der Pfarrer bereits von den Schwestern Cecilia und Imelda erwartet. Zusammen mit Pfarrer Bruno und zwei Laien bilden die beiden Hiltruper Ordensfrauen das Pastoral-Team von Tarakbits. Die Schwestern leiten die Kinderkatechese, organisieren Krankenbesuche und haben eine Frauengruppe ins Leben gerufen. Beide sind Mitglieder in verschiedenen Kleinen Christlichen Gemeinschaften des Dorfes.

Die Ordensfrauen begrüßen die Bootsinsassen. Schwester Cecilia greift einen Karton und balanciert ihn auf ihrem Kopf das glitschige, steile Ufer hinauf. Oben erstreckt sich eine kleine, fast baumlose Ebene, an deren Ende das Dorf liegt.

Im Pfarrhaus gibt es keinen Strom. Eine Taschenlampe und Kerzen spenden Licht.

Missionsstation im Dschungel

Einfache Holzbauten mit Wellblechdächern neben traditionellen Hütten, die eineinhalb Meter über dem Boden auf Pfählen errichtet sind, die Dächer aus Bananenblättern – das ist Tarakbits. Es ist feucht. Überall tropft Wasser. Kinder laufen durch Pfützen. Nasse, lehmige Pfade verbinden die Hütten. Neben der schlichten Kirche gibt es in dem Dorf eine kirchliche Schule. Nicht weit davon entfernt unterhält die Kirche eine Krankenstation, die gerade von Armeesoldaten renoviert wird. Ungefähr 30 Familien leben im Dorf.

Am Pfarrhaus angekommen, streift Pfarrer Bruno die matschigen Stiefel ab. Ursprünglich stammt er aus einer anderen Region des Inselstaates. Einem kleinen Eiland nördlich der Hauptinsel. Sein Vorname „Bruno“ zeugt davon, dass seine Heimat vor dem Ersten Weltkrieg zu Deutsch-Neuguinea gehörte, wo viele deutsche Missionare tätig waren. Er trat der Männersektion der Hiltruper Missionare bei. Erst seit einem Jahr leitet der Priester die Missionsstation.

Das Pfarrhaus besteht aus einer Schlafkammer, einer winzigen Küche und einem Büroraum. An der Wand beim Schreibtisch klebt ein Bild von Peter To Rot, dem einheimischen Katechisten, der von Papst Johannes Paul II. 1995 selig gesprochen worden ist. Es dunkelt bereits. Strom gibt es im Pfarrhaus nicht. Eine Taschenlampe und Kerzen spenden etwas Licht, als der Pfarrer sich an die Vorbereitung der Messe für den nächsten Tag macht. Doch der Sonntag soll anders beginnen, als sich das Pfarrer Bruno vorstellt.

Die sieben Jugendlichen müssen sich vor der ganzen Dorfgemeinschaft und Pfarrer Bruno (im gelben Hemd) entschuldigen.

Nächtlicher Zwischenfall

In der Nacht durchdringen Schreie das monotone Zirpen der Grillen. Jemand setzt einen Generator in Gang. Scheinwerfer strahlen hell auf. Aufgeregte Stimmen schwirren durch die Nacht. Ein Dorfbewohner kommt zum Haus der Schwestern gelaufen. „Die Soldaten haben ein paar Jungen geschnappt, die die Batterie der Krankenstation stehlen wollten“, berichtet er den Schwestern. Jetzt hätten die Soldaten die Übeltäter in einen Raum gesperrt. Pfarrer Bruno sei auch gekommen. Morgen früh werde man alles in Ruhe besprechen. Kurz darauf gehen Generator und Lichter aus und es kehrt für ein paar Stunden Ruhe ein.

Am nächsten Morgen muss Pfarrer Bruno die Messe erst einmal verschieben. Er verhandelt mit dem Offizier der Armee, den Dorfältesten und den Eltern der sieben Jungen, die alle noch zur Schule gehen. Das halbe Dorf ist auf den Beinen und diskutiert über die letzte Nacht. Die Jungen schwören, sie hätten die Batterie nur ausleihen wollen, um Musik zu hören, und sie dann zurückgebracht. Schwester Cecilia glaubt ihnen. „Schon seit längerem wundert sich das Personal der Krankenstation darüber, dass die Batterie morgens oft so schwach ist“, sagt sie. „Vermutlich haben sie schon öfters die Batterie ‚ausgeliehen‘.“

Der Offizier will die sieben zur Polizeistation bringen. Ihre Eltern wollen das verhindern. „Auf Polizeistationen geht es nicht gerade zimperlich zu. Schläge sind da keine Seltenheit“, erklärt Schwester Cecilia und schüttelt traurig den Kopf. Und dann berichtet die Ordensfrau, dass es mit Jugendlichen öfter Probleme gibt: „Dies war nicht der erste Diebstahl. Manche stehlen und betrinken sich. Es gibt viel Alkoholmissbrauch und Gewalt in Familien. Viele zerbrechen daran. Einige Eltern kümmern sich überhaupt nicht um ihre Kinder.“

Die Verhandlungen mit den Soldaten erweisen sich als zeitaufwändig. Erst nach der Messe, die mit zwei Stunden Verzögerung beginnt, findet gegen Mittag ein Treffen der ganzen Dorfgemeinschaft statt. Der Kommandeur hat sich erweichen lassen und verzichtet darauf, die Jungen zur Polizei zu bringen. Stattdessen besteht er auf einer öffentlichen Entschuldigung.

Die Jungen hocken zerknirscht und beschämt vor den versammelten Dorfbewohnern. Einzeln stehen sie auf, entschuldigen sich mit gesenktem Blick bei der ganzen Gemeinschaft und bei Pfarrer Bruno und den Schwestern. Denn die Batterie gehört der kirchlichen Krankenstation. „Die Gesundheits- und Schuleinrichtung sind von der Kirche für euch und das ganze Dorf zur Verfügung gestellt. Es ist unser aller Sache, darauf Acht zu geben. Denn es ist schlecht für die Gemeinschaft, wenn Dinge gestohlen werden“, erklärt Pfarrer Bruno vor allen. „Ich mag nicht, was ihr getan habt. Aber ich mag euch. Denn im Kern seid ihr gute Menschen.“ Und dann nimmt er jeden der Jungen in den Arm.

Viele Menschen in den Dörfern glauben an Hexerei. Doch öffentlich möchte das niemand zugeben.

Für die Jugendlichen sei es nicht immer einfach, meint Pfarrer Bruno, nachdem sich das Dorfleben wieder beruhigt hat. „Sie langweilen sich hier. Sie kennen westliche Musik und Filme. Manche haben Handys. Und sie träumen von einem Leben, in dem sie viel Geld verdienen und sich tolle Dinge leisten können“, erklärt er.

Auf der anderen Seite glaubten viele Menschen aber auch an „Sanguma“, Hexerei. Der Glaube daran sei sogar so stark, dass immer wieder Menschen ermordet würden. „Wenn jemand unerwartet stirbt, glauben viele Menschen, dass jemand die Person verhext habe. Und dann töten sie den angeblichen ‚Hexer‘“, erklärt Pfarrer Bruno. „Es ist nicht immer leicht, mit diesen unterschiedlichen Vorstellungen klarzukommen.“

Kleine Christliche Gemeinschaften

Am nächsten Morgen schüttet es wie aus Kübeln. Von der Veranda eines Pfahlhauses dringt Gesang durch das Trommeln des Regens. Einige Dorfbewohner und Schwester Imelda haben sich unter dem Vordach der Hütte eingefunden. „In Tarakbits gibt es vier Kleine Christliche Gemeinschaften. Jeweils mehrere Familien, die gemeinsam beten, singen und die Bibel lesen. Sie diskutieren über Themen, die sie beschäftigen“, erklärt Schwester Imelda.

Irene Amandus hat das heutige Treffen vorbereitet. Sie möchte über den Missbrauch von Alkohol sprechen. Dazu hat sie ein mit Bleistift gezeichnetes Bild mitgebracht, das eine Gruppe Betrunkener zeigt. Es entsteht eine lebhafte Diskussion. „Manche im Dorf trinken einfach viel zu viel“, sagt eine Frau. Andere finden, dass es sich schon etwas gebessert hätte, seit sie das Thema in ihren Familien offen angesprochen hätten. Man werde weitermachen, denn der Alkohol mache viele Familien kaputt.

Überall in der Diözese sind Kleine Missionsstation entstanden.
Die Kinderkatechese macht Schwester Cecilia viel Spaß.

Als das Treffen beendet ist, bricht die Sonne durch die Wolken. Der Regen hört auf. Pfarrer Bruno und sein Team machen sich auf, um eines der sechzehn umliegenden Dörfer zu besuchen. Manche der weit verstreuten Dörfer sind nur durch zweitägige Tagesmärsche zu erreichen.

In allen Siedlungen haben sich in den letzten Jahren Kleine Christliche Gemeinschaften gebildet. Der Bischof der Dschungeldiözese, Gilles Côté, hat zu Beginn des Millenniums eine „Reise des Glaubens“ ausgerufen, die die Katholiken der Diözese als „ein Volk“ unternehmen. Besonderen Wert legt der gebürtige Kanadier darauf, dass mithilfe von Befragungen durch die Pastoral-Teams alle Katholiken an der Gestaltung des pastoralen Plans teilhaben können. Dafür nehmen die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Pfarrer Bruno und sein Team lange Wege in Kauf.

Ein schmaler Pfad führt durch den nassen Wald. Große Lachen haben sich überall dort gebildet, wo die Sonne nicht hinreicht. Jede Steigung oder Senke wird zur Rutschpartie. Doch für den Pfarrer und seine Begleiter ist dieser zweistündige Marsch wie ein Spaziergang. Geschickt balancieren sie auf glitschigen Wurzeln, weichen Ästen aus. „Hindernisse sind dazu da, überwunden zu werden“, sagt Pfarrer Bruno und springt über einen Baumstamm, der quer über dem Pfad liegt. Die übrigen Mitglieder des Teams tun es ihm gleich. Dann setzen sie gemeinsam den Weg fort.

Reportage: Bettina Tiburzy, Fotos: Hartmut Schwarzbach/argus

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