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"Einheit bedeutet für mich, geeint zu sein in der Vielfalt"

Der koptisch-katholische Patriarch Ägyptens Ibrahim Sedrak steht für Offenheit und Toleranz.

Das Interview führten Bettina Tiburzy (missio) und Nadim Ammann (Erzbistum Köln) Mitte März 2013.

Eure Seligkeit, als sich abzeichnete, dass die Wahl zum neuen Patriarchen auf Sie fiel, wie haben Sie sich da gefühlt?

Ich hatte nicht damit gerechnet. Zu jenen, die mich ansprachen, sagte ich: „Nein, bitte lassen Sie mich in Ruhe. Ich bin nicht geeignet.“ Ich hatte Angst. Doch schließlich habe ich akzeptiert und gesagt: „Wenn es so sein soll, dann werde ich es versuchen. Sie werden mich unterstützen. Wir werden zusammenarbeiten.“

Nun, da Sie neuer Patriarch sind, was sind Ihre wichtigsten Prioritäten?

Ich war nicht auf diese neue Aufgabe eingestellt. Daher hatte ich kein Programm, keine persönliche Vision. Es war immer die Vision der ganzen Synode, der Kirche. Folgendes ist dabei zentral: Die Bildung eines jeden Menschen, des ganzen Menschen. Und die Priorität unserer Kirche sollte darin bestehen, nicht nur als koptische Katholiken zu arbeiten, sondern als Katholiken. [Anm. d. Red.: Die katholische Kirche Ägyptens besteht aus sieben verschiedenen Riten.] Der Patriarch muss der Diener der ganzen katholischen Kirche Ägyptens sein.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in Ägypten?

Wenn es um Ägypten geht, spreche ich nicht als Patriarch, sondern als ägyptischer Bürger. Wie alle Ägypter sage ich: Es gibt viele Schwierigkeiten. Man erkennt nicht, wer regiert und wer entscheidet. Ich hoffe, dass die Situation klarer wird.

Warum nimmt die Kirche im Moment nicht mehr am nationalen Dialog mit dem Präsidenten teil?

Zu Beginn haben wir teilgenommen. Doch wir stellten mehrfach fest, dass Dinge gesagt werden und das Gegenteil geschieht. Deshalb haben sich die Kirchen und andere aus dem Dialog zurückgezogen. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Doch wenn es Dialog geben soll, dann muss er klar und präzise sein.

Wie ist die Lage der Christen in Ägypten? Werden Christen in Ägypten verfolgt und diskriminiert?

Ich bin nicht einverstanden mit der Aussage, dass die Christen verfolgt werden. Doch es gibt einen Mangel an Ausbildung und Bildung auf religiöser, politischer, sozialer, menschlicher Ebene. Deshalb kennen die Menschen einander nicht. Wenn man sich nicht kennt, hat man Angst voreinander.

Ibrahim Isaac Sedrak ist seit März 2013 der neue koptisch-katholische Patriarch Ägyptens. Der 58-Jährige spricht im Interview über seine neue Rolle, warum ihm Dialog so wichtig ist und was ihm die Teilnahme des koptisch-orthodoxen Papstes an seiner Inthronisation bedeutet.

Werden die Christen diskriminiert?

Vielleicht. Damit komme ich im Alltagsleben in Berührung. Das ist bedingt durch die schlechte Bildung der Leute.

Welchen Beitrag können die Christen mit ihrem Glauben für Ägypten leisten?

Als ich die christlich-arabische Literatur des Mittelalters studierte, entdeckte ich, dass es damals viel mehr Dialog zwischen Christen und Muslimen gab als heute. Ich fand heraus, dass die Christen sich stark eingebracht haben, vor allem kulturell. Heute ist es noch mehr als damals unsere Pflicht, dies fortzusetzen.

Inwiefern hilft Ihnen ganz persönlich Ihr Glaube in der jetzigen Situation?

Mein Glaube als Christ, als Diener des Volkes Gottes, hilft mir sehr, weil ich an Jesus Christus glaube, der den Menschen geliebt hat. Ich versuche, es ihm gleichzutun. Deshalb respektiere ich die Menschen und ich praktiziere den Dialog. So bin ich mit vielen ins Gespräch gekommen. Und viele hat das berührt.

Welche Hoffnung haben Sie für Ägypten? Und für die Christen in Ägypten?

Meine Hoffnung nicht nur für die Christen in Ägypten, sondern für alle Ägypter ist, dass Ägypten seine Rolle wiedererlangt, seine Identität, sein Selbstvertrauen. Meine Hoffnung für die Christen: Man hat immer den Traum der Einheit, der Gemeinschaft als Christen. Einheit bedeutet für mich, geeint zu sein in der Vielfalt, im Denken, in den Gefühlen, im Gebet, im gegenseitigen Respekt. Ich hoffe auch, dass die Christen ihren Platz wiedererlangen, den sie zu verlieren drohen. Als Bürger, die dem Land nützlich sind, und damit sie keine Angst haben müssen.

Was wünschen Sie sich von den Katholiken in Deutschland?

Dass sie nicht alle Nachrichten über Ägypten in den Medien glauben. Es gibt viele falsche Nachrichten. Man sollte gut analysieren. Es ist gut, persönliche Kontakte zu haben. Ich wünsche mir auch, dass alle katholischen und alle christlichen Organisationen Partner sind, nicht nur Geldgeber. Ich bin froh, dass ich während meiner Amtszeit als Bischof von Minya entdecken durfte, dass uns die Freundschaft zusammenführt.

Der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. hat Ihrer Inthronisierung beigewohnt. Zum ersten Mal hat ein orthodoxer Papst an einem solchen Ereignis teilgenommen. Was ist die Botschaft?

Die Botschaft, in einem Wort gesagt, ist: die Liebe Christi. Die Kirche wurde gegründet, um von der Wahrheit und von der Liebe Gottes Zeugnis abzulegen. Somit ist eine solche Initiative ein Beweis dafür, dass der Papst eine spirituelle, offene Person ist, die zum Dialog bereit ist und dazu, zu allen Menschen Kontakte zu haben. Für mich war das eine Gnade. Man hat mir gesagt – ich weiß nicht, ob das stimmt – dass wir uns sehr ähneln vom Charakter her. Ich hoffe, es stimmt.

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