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Die Mutmacherin

Reportage: Bettina Tiburzy, missio

Ägyptens Zukunft ist ungewiss. Die Ordensschwester Naglaa Naguib möchte ihre Schülerinnen von der katholischen St.-Vincent-de-Paul-Schule in Kairo möglichst gut auf die Herausforderungen in Zeiten des Umbruchs vorbereiten. Es geht um mehr als um die erfolgreiche Vermittlung klassischer Schulinhalte. Sie sollen lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Keine leichte Aufgabe, denn die meisten Mädchen stammen aus sehr armen Familien.

Schwester Naglaa Naguib unterrichtet Religion an einer Schule in Kairo und kümmert sich auch nach der Schule um die Schülerinnen und deren Familien. © Hartmut Schwarzbach / missio

Säcke mit Müll reihen sich vor den Häusern der engen Straßen. Daneben stapelweise Altpapier und Pappe. Lastwagen mit riesigen Plastiksäcken auf den Ladeflächen schlängeln sich schwankend einen Berg hoch. Männer zerren den Müll in Einfahrten und Hauseingänge. Wer hier lebt, der gehört zu den Zabbalin, den Menschen, die seit vielen Generationen von der Müllverwertung leben.

Vor einem mehrstöckigen Haus steigt eine Frau in schlichter blauer Ordenstracht aus dem Auto. Ein kleiner Junge läuft aufgeregt auf sie zu: „Ma Soeur, meine Schwester, komm“, ruft er mit strahlendem Gesicht, greift nach ihrer Hand und zieht sie ins Haus. Dutzende Säcke mit Plastikmüll, alle nach Farben sortiert, füllen fast das gesamte Untergeschoss aus. Eine Betontreppe führt in den ersten Stock, wo seine Familie lebt – vier Schwestern, die Eltern und ein Großvater.

Schwester Naglaa Naguib folgt gerne. Den fünfjährigen Mina hat sie ins Herz geschlossen. Und umgekehrt scheint es genauso, denn der Junge weicht nicht mehr von ihrer Seite.

Schwester Naglaa gehört zur Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul. Der katholische Orden unterhält in Kairo die Schule St.-Vincent-de-Paul, die 650 Schülerinnen besuchen, koptisch-orthodoxe, koptisch-katholische und muslimische. Als Schulgeld müssen arme Familien nur einen symbolischen Beitrag entrichten.

So oft sie kann besucht Schwester Naglaa die Familien ihrer Schülerinnen. Minas Familie wohnt im ersten Stock des Gebäudes. Weiter oben leben die Familien, die besser gestellt sind. Deren Wohnraum liegt vom Müll und den unangenehmen Gerüchen weiter entfernt.

Minas Mutter begrüßt die Schwester und führt sie in den einzigen Raum, der einen halbwegs wohnlichen Eindruck macht. Mit zwei Sofas auf einem Linoleumboden und einigen Bildern an den Wänden. Darunter eines vom koptisch-orthodoxen Papst Ägyptens, einem graubärtigen Mann, freundlich lächelnd, ein silbernes Kreuz fest umschlossen in der Hand. Alle anderen Räume sehen aus wie im Rohbau: unverputzter Backstein, rauer Beton und dunkel.

Minas Schwestern, Martina (14) und Maria (16), sitzen in sauberen Kleidern auf einem Sofa. Weder ihnen noch ihrer Mutter sieht man an, unter welch schwierigen Bedingungen sie leben. Im Gegenteil – ihrem Aussehen nach könnten sie ebenso gut einer reichen Intellektuellenfamilie entstammen. Beide sprechen französisch. Das haben sie an der St.-Vincent-de-Paul-Schule gelernt.

Damit sind sie privilegiert. Denn Bildung für Mädchen ist in Ägypten keine Selbstverständlichkeit. Längst nicht alle Kinder besuchen die Schule. Und besonders Mädchen brechen früher ab. Der Erwerb einer Fremdsprache ist etwas sehr Besonderes. „Unsere Schülerinnen haben, wenn sie gut sind, die Chance die Universität zu besuchen“, erklärt Schwester Naglaa.

Solch eine Möglichkeit hatte die Mutter der Mädchen nie. Doch sie kämpft dafür, dass ihre Kinder es einmal besser haben werden. Für ein klägliches Einkommen, damit die Familie überleben kann, trennt sie Müll per Hand. Eine schmutzige und gefährliche Arbeit. Viele Menschen erkranken dabei an Hepatitis.

Bezahlt wird nach der Menge des getrennten Abfalls. Die Familie lebt von der Hand in den Mund. „Sie ist wirklich eine sehr tapfere Frau. Denn sie sorgt alleine für die Familie. Der Vater trägt nichts zum Einkommen bei“, berichtet Schwester Naglaa. „Er macht sich keine Gedanken, ob die Kinder zur Schule gehen oder nicht. Man spürt, dass er immer abwesend ist. Und er ist nicht der einzige. Ich weiß nicht, ob das durch die aktuelle Situation unseres Landes bedingt ist. Mein Eindruck ist, dass sich manche Männer einfach gehen lassen, weil sie denken, es gibt keine Zukunft mehr.“

Wunsch nach einer besseren Zukunft

Seine Tochter Martina jedoch hat ganz konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft. „Ich möchte Übersetzerin werden“, erklärt sie und ihre Augen funkeln dabei hinter den Brillengläsern. „Die Mädchen wollen etwas sein“, sagt Schwester Naglaa. „Es gibt viele, die wollen diesem Milieu entkommen, in eine bessere Zukunft. Und wir versuchen ihnen dabei zu helfen.“

Der enge Kontakt zu den Schülerinnen und Familien ist den Schwestern sehr wichtig. „Das ist unser Dienst, das Charisma unseres Ordens. Näher bei den Menschen zu sein“, erklärt Schwester Naglaa. „Es geht darum, dem anderen zu helfen, sein Leben in Würde zu leben.“

Darum kaufen die Schwestern beispielsweise vor den großen Festtagen Ostern und Weihnachten Kleider in verschiedenen Größen und Farben für die Schülerinnen, die sich das nicht leisten können. „Die Mädchen können sich dann für das Fest ein Kleid in ihrer Größe und Lieblingsfarbe aussuchen“, erläutert Schwester Naglaa. „Das holt die Mutter ein paar Tage vor dem Fest bei uns ab und schenkt es ihrer Tochter.“

Ihren Schülerinnen möchte Schwester Naglaa nicht nur Schulwissen mit auf den Weg geben. Zweimal die Woche können die Mädchen nach der Schule an Kursen teilnehmen, in denen beispielsweise diskutiert wird, wie man ein gutes Leben führt. „Es geht um die persönliche Entwicklung, darum, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen“, erklärt Schwester Naglaa. Dazu gehört auch, sich um andere zu kümmern. Stolz schwingt in ihrer Stimme mit, als sie berichtet, dass einige der besten Schülerinnen anderen schwächeren Schulkameradinnen Nachhilfe geben: „Sie tragen den Gedanken, anderen zu helfen, bereits in sich.“

Als Schwester Naglaa aufbricht, um noch eine weitere Schülerin zu besuchen, ist Mina schnell zu Stelle. Er greift ihre Hand und begleitet sie auf die Straße. „Für dich muss ich eine gute Schule finden“, sagt Schwester Naglaa. Doch Mina hat anderes im Sinn. Er führt die Schwester zielstrebig zu einem Kiosk und starrt mit sehnsüchtigem Blick auf eine Tüte Chips, die er kurz darauf als überglücklicher Besitzer nach Hause trägt.

Eine ganze Familie lebt in einem Raum

Schwester Naglaa macht sich auf zu ihrer Schülerin Marina. Sie will sie ermutigen, denn die 18-Jährige wird in wenigen Tagen ihre Abschlussprüfung machen. Die junge Frau lebt in Bab al-Shariya, nahe der Schule der Ordensfrauen.

Dort taucht Schwester Naglaa in ein Wohnquartier ein, in dem es so eng ist, dass kaum Tageslicht in die Gassen dringt. Ganze Familien leben hier in einem einzigen Zimmer. Schwester Naglaa betritt einen Raum, in dem zwei große Doppelbetten fast den gesamten Platz einnehmen. Das ist das Heim von Marina, ihrer Eltern, des älteren Bruders und der jüngeren Schwester.

An Haken hängt Kleidung. Die meisten anderen Habseligkeiten bewahrt die Familie in Regalen auf. Fast jeder freie Platz an den Wänden ist mit Bildern von Jesus, Maria und dem orthodox-koptischen Papst ausgefüllt. Hinter einer schlichten Trennwand hat sich die Familie eine kleine Kochnische und ein Bad eingerichtet. „Wohnungen sind in Kairo sehr teuer. Marinas Vater ist ein kleiner Regierungsangestellter. Mehr kann sich die Familie nicht leisten“, erklärt Schwester Naglaa.

Marina kniet auf dem Bett, gebeugt über einem kleinen runden Holztisch mit abgesägten Beinen, der dort vor ihr steht. Konzentriert schaut die junge Frau in ihre Schulhefte. „Marina ist eine sehr gute Schülerin“, sagt Schwester Naglaa und wirft ihr einen aufmunternden Blick zu. „Ich bin sicher, dass sie bei den Prüfungen gut abschneiden wird.“

Der Vater schaut seiner Tochter stolz über die Schulter, wie sie in ihr Heft schreibt. Marina ist ganz bei der Sache, denn sie möchte mit Bestnoten bestehen. „Nach der Schule möchte ich gerne auf die Universität und Archäologie studieren. Denn ich möchte als Führerin arbeiten und Touristen unsere Monumente zeigen“, berichtet sie von ihrem großen Traum.

Doch im Moment bleiben die Touristen aus. Die Wirtschaft Ägyptens liegt am Boden. Politische Kräfte streiten um die Macht im Land. Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Macht der Familie das nicht Angst? „Nein“, sagt Marinas Mutter ohne lange darüber nachdenken zu müssen. „Ich habe keine Angst, denn Gott wird das Beste für uns richten.“ Und wenn sich die radikalen Kräfte in Ägypten durchsetzen? „Dann werden wir eine neue Revolution machen“, sagt Marina und steckt den Kopf wieder in ihre Schulhefte.

Das Video über die Arbeit von Sr. Naglaa Naguib

  • Die Mutmacherin

    Das Land am Nil steht vor einem schwierigen Umbruch. Niemand weiß, wie sich die Lage weiterentwickelt. Die katholische Kirche Ägyptens lässt die Menschen nicht im Stich. Ordensfrauen wie Schwester Naglaa stehen an der Seite derjenigen, die ohne Hilfe kaum Chancen auf ein menschenwürdiges Leben hätten. Sie unterstützt Kinder christlicher Familien. Damit sie ihren Traum von einer besseren Zukunft leben können. (4:20 Min. / 2013)

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