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Eine der ältesten Kirchen weltweit

Reportage: Nadim K. Ammann, Referatsleiter Diözesanstelle Weltkirche – Weltmission Erzdiözese Köln

Es ist Sonntag, die Glocken läuten. Langsam füllt sich die St. Georgs-Kirche, links die Männer, rechts die Frauen. Mit nasalem Gesang beginnt der Gottesdienst. Weihrauch liegt in der Luft und die Diakone begleiten die Lieder mit ihren Zimbeln. Anders als man es bei uns gewöhnt ist, liegen keine Gotteslobe aus, sondern Messbücher, so dass man der Messe lesend folgen kann. Ungewohnt ist auch, dass die Jugend vor der Kirche bleibt. Überhaupt ist es ein Kommen und Gehen während der Messe, es stört niemanden, dass man zwischendurch auf die Toilette geht oder sich mit einem Bekannten kurz unterhält. Dafür dauert die Messe aber auch über drei Stunden.

© Hartmut Schwarzbach / missio

Viele kommen auch erst kurz vor der Kommunion. Erst bekommen die Männer die Kommunion, dann die Frauen. Grundsätzlich in beiderlei Gestalten (Brot und Wein). Die Frauen legen sich dabei ein Kopftuch an und alle ziehen sich die Schuhe vorher aus, weil der Altarraum als heilig verehrt wird. Nach der Kommunion halten sich die Gläubigen ein Tuch vor den Mund, um zu vermeiden, dass etwas vom Leib Christi verloren geht. Es ist schon nach 12 Uhr, aber keiner hat vorher gegessen. Unvorstellbar, vor der Messe etwas zu sich zu nehmen! Das Glas Wasser nach der Kommunion erfrischt und stellt sicher, dass der Leib und das Blut Christi nicht mehr im Mund sind. Nach dem Segen geht der Pfarrer noch mit Weihwasser durch die Bank und es kann schon sein, dass man eine ordentliche Dusche abbekommt.

Lebendig, spirituell, ergreifend, chaotisch. All das kann ein koptisch-orthodoxer Gottesdienst in Ägypten sein. Für mich ist es aber immer wieder beeindruckend, wenn ich begreife, dass ich einem der ältesten Rituale der Christenheit in einer der ältesten christlichen Kirchen des Orients beiwohne.

Christen im Orient können auf eine lange Tradition ihres Glaubens zurückblicken, wird die Entstehung der orientalischen Kirchen doch auf die Mission der Apostel Petrus, Markus, Jakobus und Thomas zurückgeführt. Die Evangelisation in Ägypten begann demnach schon im ersten Jahrhundert nach Christus, als der Evangelist Markus die Frohe Botschaft nach Ägypten gebracht haben soll.

Die Kopten sind weitgehend Urchristen geblieben, d.h. sie haben ihren „Glauben“ praktisch von Anfang bis heute unversehrt erhalten. Sie sind dem Erbe des Markus treu geblieben, und man darf die koptische Kirche mit Recht als lebendige Fortsetzung der frühen Kirche erkennen.

Die Bezeichnung Kopten für ägyptische Christen leitet sich von dem griechischen „aegyptos“ ab und bedeutet nichts anderes als “Ägypter”. Für die Kopten ist das mehr als eine Religionsbezeichnung. Die Kopten verstehen sich als Bürger gleichen Rechts, als die „eigentlichen“ Ägypter, als die Nachfahren der Pharaonen. Dadurch hat die koptische Kirche auch heute noch einen unübersehbar nationalen Charakter. Die religiöse Identität ist mit ihrer nationalen und ethnischen Identität eng verbunden. Viele koptische Christen lassen sich ein kleines Kreuz auf die Pulsschlagader am Handgelenk tätowieren, um ihrer christlichen Überzeugung Ausdruck zu verleihen. Die Kopten stellen mit ihrem Bildungsgrad ein aktives und qualifiziertes Element des ägyptischen Volkes dar, das loyal am Aufbau des Landes mitarbeitet, solange seine Rechte nicht angegriffen werden.

Die christlichen Kirchen im Westen verdanken den Kopten entscheidende Impulse, insbesondere im Mönchtum. Die monastische Bewegung in Ägypten entsteht im dritten nachchristlichen Jahrhundert durch Eremiten in der Wüste oder kleine Gemeinschaften von Einsiedlern. Wichtige Mönchsväter sind der heilige Antonius, Paulus von Theben, Pachomius und Makarius. Der Begründer des benediktinischen Mönchstums, Benedikt von Nursia, hat beispielsweise die koptischen Mönchsregeln in seiner Regel verarbeitet. Ägypten gilt neben Syrien daher als Wiege des christlichen Mönchtums.

Die Liturgie feiern die Kopten am häufigsten nach der Anaphora (Hochgebet) des Heiligen Basilius nach Basilius von Kaisareia († 379); die liturgische Sprache ist das Koptische und das Arabische. Die koptischen Kirchen sind, wie die griechischen Kirchen, mit einer Ikonostase versehen. Diese sind meist aus Holz kunstvoll geschnitzt, mit Elfenbein und koptischen Kreuzen geschmückt. Koptische Ikonen sind nach byzantinischen Vorbildern mit eigenen koptischen Stilelementen versehen. Die häufigste Ikone ist die der Heiligen Familie, denn viele Legenden schildern die Flucht und den sechsmonatigen Aufenthalt der hl. Familie in Ägypten nahe der Stadt Assiut. Dieses Ereignis ist ganz wesentlich für die koptische Frömmigkeit.

Ich bleibe nach dem Gottesdienst noch etwas in der Kirche. Da geht eine junge Familie nach vorne, bis an die Ikonostase, jeder berührt den Vorhang und geht dann auf die Knie und legt die Stirn auf den Boden um zu beten. Man ist an einem heiligen Ort und verneigt sich vor dem Herrn aufs Tiefste. Ergreifend, wie vertieft gerade die Kinder beten. Und wie ähnlich es doch die Muslime in der Moschee machen: barfuß in den heiligen Raum gehen und die Verbeugung bis auf den Boden. Dieser alte biblische Brauch wird in der koptischen Kirche nach wie vor praktiziert.

Die Kultur in Ägypten ist eine gemeinsame Kultur, Christen und Muslime sind Ägypter und teilen sie sich. Bestimmte Rituale sind identisch. Wenn man heiraten will, treffen sich die Familien der Braut und des Bräutigams und handeln aus, wie die Hochzeit gefeiert werden soll, welche Familie was finanziert, was die Braut in die Ehe mitbringen muss und was der Bräutigam seiner Braut schenken wird. Vor der Hochzeit findet eine Art Junggesellenabschied statt. Eine religiöse Zeremonie findet sowohl bei den Christen als auch bei den Muslimen statt.

Traditionen und Rituale sind sehr wichtig und verbinden. Daher besucht man sich an Festtagen gegenseitig. Selbstverständlich grüßt man seine muslimischen Nachbarn zum Ende des Ramadans. Es kommt auch oft vor, dass christliche Nachbarn während des Ramadans zum Iftar einladen, also die muslimischen Nachbarn und Freunde zum Fastenbrechen einladen. Umgekehrt erhält man als Christ auch Grüße zu Weihnachten und Ostern von seinen muslimischen Bekannten.

Am Ostermontag wird in Ägypten das Frühlingsfest Sham en Nessim gefeiert. Es hat zwar mit Ostern nichts zu tun, ist aber traditionell an Ostern gebunden. Es ist ein nationaler Feiertag, überall sieht man Familien picknicken und viele essen zusammen geräucherten Fisch. Traditionen verbinden Christen und Muslime. Und sie haben sehr viele Gemeinsamkeiten, weil sie alle Ägypter sind.

© Hartmut Schwarzbach / missio
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