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Für mich hat Pakistan ohne Dialog keine Zukunft

Interview: Susanne Kruza

Haben Sie Angst als Christ in Pakistan zu leben?

Nein. Es ist mein Land und das meiner Vorfahren. Ein Land von Gläubigen. Der heilige Apostel Thomas kam im Jahr 40 n. Chr. hierher. Darauf sind wir stolz. Dennoch ist niemand in Pakistan sicher. Pakistan ist zu einem Land geworden, in dem die Menschenrechte auf dem Spiel stehen. Das ist unsere nationale Tragödie.

© Hartmut Schwarzbach / missio

Fr. James Channan, Dominikanerpater und Leiter des Friedenszentrums in Lahore, setzt sich für den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen in Pakistan ein. Im Interview spricht er über seine Arbeit und darüber, was es bedeutet, als Christ in einer Islamischen Republik zu leben.

Werden Christen in Pakistan verfolgt?

Christen machen in Pakistan gerade eine sehr schwere Zeit durch. Ja, wir werden verfolgt. Ich vergleiche diese Verfolgungen mit den Leiden Jesu Christi und seiner Auferstehung. Wir werden zwar verfolgt, doch eines Tages werden wir diese Schwierigkeiten überwinden. Wir sind Menschen der Hoffnung und eines starken Glaubens.

Was sind die größten Bedrohungen für die Christen in Pakistan?

Für Christen gibt es viele Probleme wie Armut, Analphabetismus und Diskriminierung. Sehr häufig werden Christen nur gering bezahlte Hilfsjobs angeboten. Darum brauchen Christen eine bessere Ausbildung. Doch eine der größten Bedrohungen ist das Blasphemie-Gesetz. Es ist ein höchst gefährliches Gesetz, nicht nur für Christen, sondern für alle Pakistanis – auch für Muslime und Hindus. Dieses Gesetz wird oft missbraucht, um persönliche Vergeltung zu üben. Bislang ist noch niemand hingerichtet worden, obwohl es unter diesen Gesetzen etwa 1.000 registrierte Fälle gibt. Von den 1.000 Angeklagten sind etwa 90 Prozent Muslime. Das Schlimmste am Missbrauch dieses Gesetzes ist: wird ein Christ beschuldigt, leidet die gesamte Gemeinde.

Ist es gefährlich, den Missbrauch des Blasphemie-Gesetzes in Pakistan offen zu diskutieren?

Das ist sehr gefährlich. Der katholische Bundesminister für Minoritäten, Shabaz Bhatti, wollte den Missbrauch der Blasphemie-Gesetze stoppen. Er wurde von Extremisten ermordet. Der Gouverneur von Punjab, Salman Taseer, fiel ebenfalls einem Attentat zum Opfer. Er wollte sich beim Präsidenten von Pakistan für Asia Bibi einsetzen, die der Blasphemie beschuldigt wird. Sein eigener Leibwächter tötete ihn. Es ist ein ganz heikles Thema, doch wir werden weiter dafür kämpfen, dass der Missbrauch dieses Gesetzes gestoppt wird.

Können Christen und Muslime in einer solchen Atmosphäre der Bedrohung in Pakistan überhaupt zusammenarbeiten?

Es gibt viele Bereiche, in denen Christen und Muslime zusammenarbeiten sollten: Im Bildungsbereich, denn Analphabetismus ist für Christen und Muslime ein großes Problem, bei der Berufsausbildung und auch im Gesundheitswesen. Der christlich-muslimische Dialog muss von Grund auf in allen Lebensbereichen gefördert werden, damit eine humanere Gesellschaft geschaffen werden kann. Blasphemie ist das eine, aber es gibt noch viele andere Probleme, die Muslime und Christen gemeinsam haben.

© Hartmut Schwarzbach / missio

Findet in Pakistan interreligiöser Dialog statt, und wenn ja, wie sieht der aus?

In Pakistan gibt es interreligiösen Dialog. Menschen aus unterschiedlichen Religionen kommen zusammen, teilen ihre Probleme und Freude miteinander und feiern Festtage gemeinsam. Als die Joseph Colony in Lahore angegriffen wurde, zeigten sich viele Muslime mit den christlichen Bewohnern solidarisch. Als die Kirche in Peschawar attackiert wurde, wo 126 Menschen getötet und mehr als 150 Personen verletzt wurden, gab es eine große Welle der Solidarität von Muslimen im ganzen Land. Unzählige Organisationen, Lehrer, Menschenrechtsaktivisten und Politiker beteiligten sich daran. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Es gibt weitere positive Beispiele wie das Engagement für die Christin Rimsha, die zu Unrecht der Blasphemie angeklagt und ins Gefängnis gebracht wurde. Auf Druck vieler muslimischer Organisationen kam sie frei, lebt heute im Ausland.

Wie kann das Friedenszentrum in Lahore den interreligiösen Dialog in Pakistan fördern?

Das Friedenszentrum der Dominikaner fördert Dialog und Frieden zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, insbesondere zwischen Christen und Muslimen. Seine Eminenz Jean-Louis Kardinal Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog in Rom, weihte es 2010 ein. In unserem Friedenszentrum finden ganzjährig Programme und Konferenzen zum interreligiösen Dialog statt. Unsere Arbeit wird anerkannt, auch von der pakistanischen Regierung.

Das Friedenszentrum besitzt unter anderem eine Bibliothek mit Büchern verschiedener Religionen, besonders zum Christentum und Islam. Muslime und Christen erfahren hier etwas über die Religion der anderen. Wir publizieren auch Bücher, in denen es um gegenseitiges Verständnis und den Respekt zwischen Muslimen und Christen geht. Ich danke missio für die Unterstützung des Friedenszentrums.

Arbeiten Sie auch mit der Regierung zusammen?

Ja, die Regierung lädt mich immer wieder zu interreligiösen Treffen ein. Ich habe mich oft mit Premierministern, Präsidenten, Bundesministern, Gouverneuren, Ministerpräsidenten und anderen hohen Beamten getroffen. Nach dem Bombenanschlag auf die „All Saints Church“ in Peschawar gab es eine von der pakistanischen Regierung organisierte Konferenz, zu der ich vom Staatsminister für interreligiösen Dialog eingeladen wurde. Ich sagte ihm, dass in unseren Lehrplänen und Schulbüchern Hass-Material verwendet wird, dass einige Kapitel Menschen erniedrigen. Es ist wichtig, diese Kapitel zu entfernen.

© Hartmut Schwarzbach / missio

Hatten Sie bereits die Gelegenheit, mit der Regierung über den Missbrauch des Blasphemie-Gesetzes zu sprechen?

Ja, schon sehr oft. Ich habe der Regierung gesagt, dass der Missbrauch dieses Gesetzes gestoppt werden sollte. Ich habe auch an verschiedenen Fernsehdiskussionen zu diesem Thema teilgenommen. Nach der Blasphemieanklage der minderjährigen Christin mit Down-Syndrom, Rimsha Masih, gab es eine Sendung im Fernsehen. Neben mir waren sehr prominente muslimische religiöse Persönlichkeiten eingeladen. Ich verurteilte ganz offen die Anklage von Rimsha und den Missbrauch dieses Gesetzes. Die muslimischen Gelehrten stimmten mir zu und äußerten sich kritisch zum Missbrauch des Gesetzes.

Stimmt es, dass viele Christen Pakistan verlassen wollen?

Ja, wegen der Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, wollen sie Pakistan verlassen. Sie sehen das als ihre letzte Option. Die Situation im Land – zunehmender Radikalismus, wachsender Fundamentalismus und der Missbrauch der Blasphemie-Gesetze – hat dazu geführt, dass sich Christen äußerst bedroht und unsicher fühlen. Einige haben Pakistan bereits verlassen, was sehr bedauerlich ist.

Glauben Sie, dass der interreligiöse Dialog der richtige Weg für Frieden und Entwicklung in Pakistan ist, auch wenn es dabei die Gefahr von Missverständnissen gibt?

Ja, der interreligiöse Dialog ist absolut der richtige Weg für Frieden, Eintracht, Versöhnung und Entwicklung in Pakistan. Die meisten Muslime in Pakistan – etwa 90 Prozent – sind friedliebende Menschen. Ich habe mein Leben dem Dialog gewidmet und ich möchte ihn mit den Muslimen fortsetzen, weil es der Auftrag der Kirche ist. Die Mission der Kirche hat zwei Dimensionen: Evangelisierung und Dialog. Für mich ist der Auftrag zum Dialog von höchster Bedeutung. Es ist wichtig, nicht nur in jenen Ländern Dialog zu führen, wo bereits Frieden herrscht. Er ist sogar dort noch weitaus wichtiger, wo es Probleme und Missverständnisse gibt. Daher sollten wir zum Dialog zusammenkommen, statt uns gegenseitig zu beschuldigen. Für mich hat Pakistan ohne Dialog keine Zukunft. Er ist für uns ein Muss.

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt.

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