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Christen zwischen Sansibar und Serengeti

von Franz Jussen

Die Missionsgeschichte Tansanias begann im Küstenstädtchen Bagamoyo, wo einst Hunderttausende von Sklaven auf arabische Segelschiffe gepfercht wurden. Damals befreite die Kirche die Sklaven, heute geht es ihr um die Befreiung aus Armut und Unwissenheit.

Gott segne Afrika: Die Worte, die das Kreuz am Strand von Bagamoyo zieren, erinnern an die Ankunft der ersten Missionare in Ostafrika 1868.
Gott segne Afrika: Die Worte, die das Kreuz am Strand von Bagamoyo zieren, erinnern an die Ankunft der ersten Missionare in Ostafrika 1868.© Fritz Stark / missio

Der Blick auf die Geschichte der Christianisierung Tansanias hält einige Überraschungen bereit: Die wohl größte ist, dass ohne die Hilfe von Muslimen die ersten Missionare die Kirche in Ostafrika nicht hätten gründen können. Das kann der Spiritanermissionar und Missionsexperte Pater Johannes Henschel belegen. Er verweist dabei auf den damaligen obersten Landesherrn in Ostafrika: Sansibar-Sultan Seyyid Majid bin Said (1856-1870) habe voller Freude den Plan der Missionare begrüßt, „den Armen und Kranken zu helfen und freigelassene Sklaven in Handwerken auszubilden“. Wie ernst der Sultan es damit meinte, zeigt der Umstand, dass er den Missionaren ein großes Stück Land schenkte; groß genug, um das erste „Christliche Freidorf“ für losgekaufte Sklaven zu errichten.

Die Spiritanerpatres hatten 1863 die Insel Sansibar erreicht. Fünf Jahre später setzten sie zum Festland über nach Bagamoyo, wo sie das Dorf für jene Sklaven gründeten, die aus der Gewalt arabischer Händler losgekauft wurden. Viele der Befreiten wurden Christen, die mit den Spiritanern im Landesinneren neue Missionsstationen gründen sollten. So legten neben Missionaren auch ein Sultan und viele ehemalige Sklaven den Grundstein für den Aufbau der Kirche Ostafrikas.

Fortan sollten die Spiritaner vorwiegend den Norden Tansanias missionieren, die Afrikamissionare, die damals noch Weiße Väter hießen, zogen ab 1878 mit ihren berühmten Karawanen über den Sklavenhandelsweg ins tansanische Hinterland und ins Gebiet der Großen Seen. Die Benediktiner begannen ihre Arbeit im südlichen Teil des heutigen Tansania und gründeten die Klöster von Ndanda und Peramiho. Ihnen sollten in den folgenden Jahrzehnten Missionare vieler weiterer Ordensgemeinschaften folgen, die Tansania wie einen bunten Fleckenteppich belegten und den Menschen auf ihre je eigene Art die Frohe Botschaft vermittelten.

Traditionell friedliches Zusammenleben

Etwa ein Drittel der rund 49 Millionen Bewohner Tansanias sind heute Christen, davon rund zwei Drittel Katholiken. Ähnlich hoch ist der Anteil der Muslime. Das Zusammenleben der Volks- und Religionsgruppen, besonders von Christen und Muslimen, ist traditionell friedlich und gilt als beispielhaft. Die Religionsfreiheit ist in der Verfassung garantiert.

Dialog: Auch auf Sansibar leben Christen und Muslime traditionell friedlich. | Verwurzelt: Auf dem Festland Tansanias ist das Christentum heimisch.
Dialog (l.): Auch auf Sansibar leben Christen und Muslime traditionell friedlich. | Verwurzelt (r.): Auf dem Festland Tansanias ist das Christentum heimisch.© Fritz Stark / missio

Dennoch bekommt das Bild Tansanias als afrikanischem Musterschüler in Sachen friedliches Miteinander zwischen Islam und Christentum Risse. Anschläge auf Kirchen und deren Vertreter erschüttern das Land. Dass islamischer Extremismus in Tansania an Boden gewinnt, ist unübersehbar. Er steht in Zusammenhang mit der geplanten Verfassungsreform, über die Ende April 2015 in einem Referendum abgestimmt werden sollte. Es wurde aber in letzter Minute verschoben, weil es zu einer Zerreißprobe für die nationale Einheit zu werden drohte.

Streitpunkt in der Debatte sind vor allem die Kadi-Gerichte, auf deren Einrichtung die Islamisten drängen. Die Nichtmoslems sind gegen die Schaffung einer Paralleljustiz und lehnen es grundsätzlich ab, dass eine Religion sich die Zuständigkeiten staatlicher Rechtsprechung aneignet – auch wenn diese nur bei Familienangelegenheiten und für Muslime zuständig sei. Zwar gilt die sogenannte Kadi-Gerichtsbarkeit immer schon auf Sansibar, dort ist die große Mehrheit der Bevölkerung jedoch muslimisch.

Polycarp Pengo: der Kardinal von Daressalam.
Polycarp Pengo: der Kardinal von Daressalam.© Fritz Stark / missio

Kardinal Polycarp Pengo, 71, hat in einem Gespräch mit kontinente daran erinnert, dass die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen in Afrika „generell gut“ seien, weil traditionell invielen Familien sowohl Christen als auch Muslime vertreten seien. Besorgt zeigt sich der Erzbischof von Daressalam aber über die Zunahme „von draußen gesteuerter Einflussnahme fundamentalistischer Kreise“, die alles in Bewegung setzten, einseitig politische wie soziale Vorteile für den Islam zu erreichen. Ob der vom Ausland geschürte Fanatismus weiter zunehmen oder abklingen wird, dürfte wesentlich vom Ausgang der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Oktober und der Verfassungsreform abhängen.

Kirche genießt großes Vertrauen

Das Alltagsleben der Christen wird davon wenig beeinflusst. Fast 3.000 Priester, etwa 10.000 Ordensfrauen und vor allem die rund 15.000 Katechisten im Land sind die Garanten für ein funktionierendes Gemeindeleben in den rund 1.000 Pfarreien und über 5.000 Missionstationen der 34 Diözesen Tansanias. Sie bilden meist Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG), um auch in priesterlosen Regionen ein lebendiges Gemeindeleben führen zu können. Diese Gemein schaften sind die Zentren der Evangelisierung Tansanias und ein Beleg dafür, dass die Kirche im Land verwurzelt ist.

Die Kirche genießt durch ihre vielen Sozialeinrichtungen und Entwicklungsprojekte bei der Bevölkerung großes Vertrauen. „Wir unterstützen die Menschen dabei, sich zu entwickeln“, lautet das missionarische Credo des Spiritanerbischofs Augustine Shao von Sansibar. Ihre Mitarbeiter gut auszubilden, Einrichtungen wirtschaftlich zu sichern und damit zur Beseitigung von Armut und Unwissenheit beizutragen, das ist die aktuelle Herausforderung für die Kirche Tansanias.

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Dieser Beitrag erscheint ungekürzt auch in kontinente 5/2015.
Mit freundlicher Genehmigung der kontinente GmbH.

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