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Aufbruch in ein neues Leben: Missionsbenediktinerin Schwester Celine Saplala hilft Fischerfamilien in Tacloban auf den Philippinen.

Moderne Sklaverei

Sr. Mary John Mananzan OSB
Sr. Mary John Mananzan OSB© Julia Knop / brigitte.de

Zehn Millionen Filipinos arbeiten im Ausland. In der Mehrheit sind es Frauen, die mit ihrem Lohn als Krankenschwester, Hausangestellte, Kindermädchen oder im Service ihre Familien in der Heimat unterstützen. Wir sprachen mit Schwester Mary John Mananzan über die Gründe, warum sich so viele Filipinas Arbeit in der Fremde suchen müssen, und über die menschenunwürdigen Umstände, denen die Frauen dort oft ausgesetzt sind.

Können Sie die Lebensbedingungen der Filipinos in ihrem Heimatland beschreiben?

Zwei Prozent der Bevölkerung der Philippinen besitzen und kontrollieren 75 Prozent des Bodens und des Kapitals. Mit anderen Worten: 25 Prozent des Bodens und des Kapitals müssen sich auf 98 Prozent der Bevölkerung verteilen. Auch wenn das Land sehr reich an natürlichen Ressourcen ist, sind die Menschen doch sehr arm. Wir sind eingebunden in die ganze liberale kapitalistische Wirtschaft, und das wird noch verschlimmert durch die Globalisierung. Sie macht die Reichen reicher und die Armen ärmer. Durch Globalisierung sind alle produzierenden Gewerbe ausgestorben. Der Boden ist normalerweise im Besitz von Grundeigentümern. Die große Mehrheit der Bauern sind Pächter. Die Situation der Arbeiter ist sogar noch schlimmer. Aufgrund der Globalisierunggibt es vertragliche Vereinbarungen, sie dürfen keine Gewerkschaften bilden, nicht in den Streik treten. Es gibt keine andere Möglichkeit, als ins Ausland zu gehen, damit ihre Familie überleben kann und die Kinder zur Schule gehen können. Daher arbeiten etwa zehn Millionen Filipinos im Ausland.

Und wie überleben die Menschen, die hier auf den Philippinen bleiben?

Es gibt viele Familien, die auf der Straße leben. Selbst wenn man Arbeit hat, kann man damit nicht immer überleben. Wenn man in Beschäftigung ist, sollte man einen Mindestlohn bekommen. Doch viele Unternehmen halten sich nicht an den Mindestlohn.

Sie haben von einer früheren Hebamme gesprochen, die in Manila 3.000 Pesos, etwa 60 Euro, verdient hat. Ist das das Durchschnittseinkommen einer Servicekraft auf den Philippinen?

Ja, aber man braucht etwa 7.000 Pesos, um eine vierköpfige Familie zu unterhalten. Sie sehen, das ist noch nicht einmal die Hälfte von dem, was sie brauchen. Und daher würden die Menschen fast alles machen, was ihnen mehr Einkommen bringt. Darum ist der größte Exportartikel der Philippinen unsere menschliche Arbeitskraft.

Wer geht eigentlich ins Ausland, die Armen oder gut ausgebildete Fachkräfte?

Das hängt vor allem davon ab, wohin sie gehen. Nach Deutschland gehen vor allem Fachkräfte, meist Krankenschwestern. In der Tat sind viele Arbeitskräfte in den Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten und in Europa Filipinos. Diejenigen, die in Saudi-Arabien und im Nahen Osten arbeiten, sind überwiegend auf dem Bau und als Hausangestellte beschäftigt.

Wie viel Prozent der Gastarbeiter sind Männer, wie viel Frauen?

Es hängt davon ab, wo sie tätig sind. In Spanien waren früher 95 Prozent Frauen und 5 Prozent Männer. In Saudi-Arabien ist das Verhältnis ausgeglichener. Doch insgesamt sind es mehr Frauen als Männer.

Welche Konsequenzen hat das für die Familien? Sind die meisten Frauen Singles? Oder haben sie auch Kinder und bleiben sie lange fort von ihren Kindern?

Sie arbeiten im Ausland als Kindermädchen, und ihre Kinder auf den Philippinen werden nicht betreut – oder sie werden von ihren Großeltern versorgt, was nicht wirklich das Gleiche ist wie die Fürsorge der eigenen Mutter. Durch die Migration entstehen viele soziale Missstände wie beispielsweise zerbrochene Familien. Die Schüler, die in unseren Schulen zu psychologischen Beratungen gehen, sind zu 90 Prozent Kinder, deren Eltern im Ausland arbeiten.

Sie haben mit vielen Frauen gesprochen, die im Ausland gelebt haben, die misshandelt wurden. Sie haben sogar eine eigene Fernsehshow, in der solche Schicksale vorgestellt werden. Können Sie einen Fall schildern?

Einer der Vorfälle, die ich in meiner Sendung hatte, war dieser Fall über die Frauen aus Riad. In den Medien hieß dieser Fall „Sex for Flight“. Diese vier Frauen wurden von ihren Arbeitgebern vergewaltigt. Sie entkamen und flohen in eine Polizeistation in Riad. Dort wurden sie von den Polizisten erneut vergewaltigt. Und dann wurden sie zum Konsulat gebracht, doch sogar dort sagten die Beamten den Frauen: „Wir werden Ihnen Rückflugtickets verschaffen, doch Sie müssen ,part-time arbeiten‘“, das bedeutete, sie mussten sich prostituieren. Ich traf die Frauen zufällig bei einer Pressekonferenz: Sie haben jetzt keine Arbeit mehr, ihre Ehemänner haben sie verlassen, sie haben Kinder, um die sie sich kümmern müssen, und sie verdienen nichts.

Sr. Mary John Mananzan OSB
© Julia Knop / brigitte.de

Die Missionsbenediktinerin Schwester Mary John Mananzan (78) engagiert sich Zeit ihres Lebens für die Bildung und Rechte von Frauen.

Sie arbeitet als Lehrerin, Dekanin und leitete sechs Jahre lang das St. Scholastica’s College, eine der größten Mädchenschulen in Manila.

Auf ihre Initiative entsteht das Institut für Frauenstudien in Manila, dem sie heute als Direktorin vorsteht.

Schwester Mary John Mananzan OSB

Und dann baten Sie missio um Hilfe …

Ja, ich rief ein Projekt für sie ins Leben, damit sie ein wenig Kapital haben, damit sie einen kleinen „Sari-Sari-Store“, einen kleinen Kiosk, eröffnen konnten. Und missio gab das Geld, sodass ich jeder von ihnen etwas Kapital geben konnte. Und ich bin glücklich, dass ich sagen kann, dass sie einen Sari-Sari-Store eröffnet haben.

Was muss sich in der Gesellschaft auf politischer Ebene ändern, damit sich die Lage der Gastarbeiter von den Philippinen verbessert?

Die eigentliche Ursache der Migration ist ökonomischer Natur. Die Menschen gehen ins Ausland, weil sie hier keine Arbeit haben. Das Wichtigste, was die Regierung tun muss, ist, Arbeitsplätze auf den Philippinen zu schaffen. Damit unsere Leute nicht ins Ausland gehen müssen, um dort nach Arbeit zu suchen. Sie sollte Wirtschaftszweige schaffen, die durch die Globalisierung verloren gegangen sind.

Die Leibeigenen der Scheichs

Etwa 40.000 philippinische Dienstmädchen gibt es im Emirat Katar.
Wer sind die Frauen, die als Hausmädchen schlecht bezahlt und ohne Rechte in den Golfstaaten leben?
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Hätten die Philippinen die Möglichkeit, Arbeitsplätze für die Einheimischen zu schaffen?

Auf alle Fälle! Wenn es den politischen Willen gibt, das zu tun.

Und warum wollen die Politiker das nicht?

Weil sie Geld von den ausländischen Investoren bekommen. Da herrscht stets eine gewisse Form von Korruption.

Auf den Philippinen gibt es Agenturen, die diese Arbeitskräfte in Länder wie Katar oder Saudi-Arabien vermitteln. Kann man das als eine Art Menschenhandel bezeichnen?

Ja, genau. Unsere eigene Regierung ist am Marketing mit diesen Arbeitskräften beteiligt. Unser größter Exportartikel ist die menschliche Arbeit im Ausland. Dafür gibt es die POEA, die Philippine Overseas Employment Administration. Und wir glorifizieren das, indem wir die Arbeitsmigranten als neue Helden betrachten. Als Nationalhelden. Doch dann sieht man, wie sie im Ausland misshandelt werden. Und dass es ihnen seitens der Regierungsbehörden in den jeweiligen Ländern an Schutz mangelt.

Wie werden die Menschenrechte dieser Frauen verletzt? Sie werden vergewaltigt. Nimmt man ihnen auch die Reisepässe weg?

Ja, wo immer sie auch hingehen, nehmen ihnen die Arbeitgeber ihre Reisepässe weg, damit sie nicht fliehen können. Das ist eine Art der Menschenrechtsverletzung. Manchmal machen sie auch Knochenjobs. Eine der Frauen sagte, dass sie nur zwei Stunden innerhalb von 24 Stunden schläft. Sie muss alles machen: Sie kocht, putzt, versorgt die Kinder, bringt sie zur Schule und muss dann auch noch die Autos waschen. Sie macht alles. Und dann versucht der Arbeitgeber vielleicht noch, sie zu vergewaltigen. Na, was ist das? Das ist moderne Sklaverei.

Das Interview führte Jörg Nowak. Übersetzung aus dem Englischen von Katrin Krips-Schmidt.

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