Subnavigation und Schnelleinstieg

Ihr Ansprechpartner

Werner Meyer zum Farwig ,
stv. Leiter der Abteilung Bildung

Tel.:
+49 (0)241 / 7507-289
Kontaktformular:
zum Kontaktformular

Ihre Ansprechpartnerin

Hilde Wilhelm ,
Abteilung Bildung; Koordination Gästeeinsatz

Tel.:
+49 (0)241 / 7507-263
Kontaktformular:
zum Kontaktformular
Aktion Schutzengel - Für Familien in Not. Weltweit. Wir bauen ein Haus für Alle Solidarität mit bedrängten Christen Glauben teilen. Weltweit.

Projektauswahl

Filterkriterien
.
missio im Web 2.0: Facebook, Twitter, Google+, Youtube, Instagram, Blog » Twitter » Instagram » Youtube » Blog » Google+ » Facebook

Inhalt

Die Mädchenretter

Eine Reportage von Bettina Tiburzy.

Immer wieder nehmen der Katechist Edmond Wango und seine Frau Bernadine Mädchen bei sich auf, die vor der Zwangsehe geflohen sind. Dabei hat das Ehepaar selbst acht Kinder und manchmal kaum genug zum Leben.

Ihr Hof liegt wie eine Trutzburg inmitten einer weiten, ausgetrockneten Savannenlandschaft. Eine mannshohe Lehmmauer umschließt die traditionell gebauten Hütten fast völlig. Einzig das Wohnhaus der Familie ist aus Ziegelsteinen gemauert. Eine Schar Hühner läuft auseinander, als Edmond Wango aus dem Eingang tritt. Sein Haar ist leicht angegraut. Er trägt ein weißes Hemd, eine beigefarbene karierte Hose und um den Hals ein Kreuz. Auf einem offenen Feuer im Innenhof rührt ein Mädchen in einem riesigen, mit Ruß beschichteten Topf. „Pauline ist fünfzehn und lebt seit eineinhalb Jahren bei uns“, erklärt Edmond. „Wir haben sie bei uns aufgenommen, weil sie zwangsverheiratet werden sollte.“

Pauline Ouedraogo*, die einen schüchternen Eindruck macht, erzählt mit leiser Stimme, dass ihr Vater sie mit einem Mann verheiraten wollte, den sie nicht kannte. „Er brachte mich zu ihm. Der Mann war alt, mindestens 60 Jahre“, flüstert sie. „Bei der ersten Gelegenheit bin ich weggelaufen.“

*Name von der Redaktion geändert.

Katechisten wie Edmond (r.) spielen in Afrika eine zentrale Rolle im Glaubensleben. Sie leisten als Laien im Auftrag der Kirche pastorale Dienste.© Hartmut Schwarzbach / missio

Seit 30 Jahren arbeitet Edmond als Katechist im Bistum Koupéla im Osten Burkina Fasos. Regelmäßig sucht er die Dörfer in seiner Umgebung auf. Unterweist Jugendliche in der Katechese. Besucht Alte, Kranke und Sterbende. Spendet Trost. Die Arbeit ist für Edmond eine Herzensangelegenheit. Seine Augen leuchten, wenn er davon berichtet. Doch leben können er und seine Familie davon nicht. Denn die Katechistinnen und Katechisten im Bistum Koupéla bekommen für ihren Dienst als Gemeindehelfer kein festes Gehalt.

Um seine Familie zu versorgen, betreibt Edmond zusammen mit seiner Frau Bernadine Ackerbau. In der Regenzeit zwischen Juni und September baut die Familie Mais und Hirse an. Doch nicht immer regnet es genug. „Dann haben wir manchmal nicht genug zu essen“, erklärt Edmond und hebt zusammen mit seiner Frau und Pauline das deckelartig abnehmbare Kegeldach von einer kleinen auf Stelzen stehenden Rundhütte. Das ist der Getreidespeicher der Familie. Er ist fast leer. Den größten Teil der darin gelagerten Hirse hat die Familie schon verbraucht. Doch bis zur nächsten Regenzeit sind es noch mehrere Monate.

Um den Getreidespeicher zu öffnen, muss das Dach abgenommen werden. Das Depot ist fast leer. Die Ernte fiel mager aus.© Hartmut Schwarzbach / missio

Nur wenige Nutztiere

„Leider besitzen wir weder einen Esel noch einen Ochsen, die uns bei der Feldarbeit helfen könnten. Sonst könnten wir mehr anbauen“, erklärt Edmond, der sich vor ein paar Tagen bei der Arbeit am Bein verletzt hat und sich seither auf einen Stock stützen muss. Und auch um andere Nutztiere anschaffen zu können, wie Schweine, mit denen er eine kleine Schweinezucht aufziehen könnte, ist die Familie zu arm. Einzig ein Dutzend Hühner und sieben Ziegen nennt die Familie ihr Eigen.

Kraft im Glauben

Verbittert wirkt Edmond trotzdem nicht. „Ich habe meine Schwierigkeiten, aber ich habe meinen Glauben, und ganz egal, was ich für ein Problem habe, ich werde weiter als Katechist arbeiten“, sagt er.

Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Bernadine. Sie hat ein zweijähriges Training an der Katechistenschule absolviert. „Ich arbeite Hand in Hand mit meinem Mann“, erklärt die 52-Jährige.

Während seine Frau noch spricht, setzt Edmond seine Brille auf. Sorgfältig beginnt er, auf einen Papierbogen zu schreiben. Eine Liste. Am Ende stehen dort 18 Namen von Mädchen, denen das Ehepaar im Laufe ihres Lebens Zuflucht bot. Der letzte Name ist Paulines.

Stolz präsentiert Edmond eine Liste mit den 18 Namen der Mädchen, die er und seine Frau Bernadine im Laufe der Jahre aufgenommen haben. Paulines Name steht an letzter Stelle.
Stolz präsentiert Edmond eine Liste mit den 18 Namen der Mädchen, die er und seine Frau Bernadine im Laufe der Jahre aufgenommen haben.© Hartmut Schwarzbach / missio

„Das jüngste Mädchen, das wir aufgenommen haben, war erst zwölf Jahre alt“, erzählt Edmond. Oft habe er sich auch mit den Familien der Mädchen auseinandersetzen müssen, die ihn zur Herausgabe der Mädchen aufgefordert hätten. Manche seien wütend, mit anderen habe er ganz normal sprechen können und sie überzeugt. Manche sähen ein, dass die Zwangsehe keine gute Sache sei, aber sie hätten das Mädchen schon jemandem versprochen.

„Dann habe ich Kontakt mit den ausersehenen Ehemännern aufgenommen. Wenn es Christen waren, habe ich ihnen gesagt, dass die Zwangsheirat gegen unseren Glauben verstoße. Und den anderen habe ich zu vermitteln versucht, dass es schlecht sei, ein tenfamilien und Ordensgemeinschaften seelsorgerisch begleitet. Auch ein Erfahrungsaustausch wird organisiert, damit sie ihre Sorgen und Nöte miteinander teilen können. Zudem führen Pfarreien Aufklärungsprogramme durch, in denen über Frauenrechte informiert wird und auch darüber, dass Kinder- und Zwangsehen in Burkina gesetzlich verboten sind.

Edmond und Bernadine sind stolz auf ihre Arbeit. „Menschen kommen zu uns und bitten uns um Rat“, erzählt Edmond. Einige junge Leute wollen dem Beispiel von Edmond folgen und besuchen das Ausbildungszentrum für Katechisten. Besonders stolz ist das Ehepaar aber darauf, dass sie all ihren Kindern den Schulbesuch ermöglicht haben. „Gott hat unsere Kinder gesegnet, dass sie alle zur Schule gehen konnten. Sie haben immer gute Noten mit nach Hause gebracht“, erzählt Edmond.

» Manchmal habe ich ein Tier verkaufen müssen, um das Schulgeld aufbringen zu können.

Edmond Wango

Schulbesuch ist oft schwierig

In einem Land, in dem nur 36 Prozent der Menschen lesen und schreiben können und besonders Mädchen oft nicht zur Schule gehen, ist das längst keine Selbstverständlichkeit. „Manchmal habe ich ein Tier verkaufen müssen, um das Schulgeld aufbringen zu können“, berichtet Edmond. Auch seinen Pflegetöchtern hat das Katechistenpaar immer den Schulbesuch ermöglichen wollen. Doch manche Mädchen hatten nie zuvor eine Schule besucht, wie Pauline. Aber Edmond konnte sie zu einem Analphabetenkurs anmelden, der von der Caritas im Bistum organisiert wird. Dort lernt Pauline heute fleißig Lesen, Schreiben und Rechnen.

Wasserholen statt Schule

Viele Kinder in Burkina Faso gehen nicht zur Schule, obwohl offiziell Schulpflicht besteht. In armen Regionen schicken die Eltern eher die Jungen als die Mädchen zur Schule. So erging es auch Pauline. Sie hat nie eine Schule besuchen dürfen. Zu den häuslichen Aufgaben der Mädchen gehört es, Wasser zu holen. Viele verbringen jeden Tag mehrere Stunden damit. Keine Überraschung also, dass 70 Prozent der Frauen nicht lesen und schreiben können. Bei den Männern sind es nur 57 Prozent.

Zwangsehe ist in Burkina Faso weit verbreitet.© Hartmut Schwarzbach / missio

Eines Tages, hofft sie, werde sie einen guten Ehemann finden. Dabei wird sie von Bernadine und Edmond unterstützt. „Ich bin dagegen, dass Mädchen gezwungen werden, jemanden zu heiraten, den sie nicht heiraten möchten“, erklärt Bernadine.

Was es bedeutet, gegen seinen Willen verheiratet zu werden, weiß Bernadine aus eigener Erfahrung. Ihr Vater hatte sie schon im Kleinkindesalter einem Bekannten der Familie versprochen. Mit 16 Jahren sollte sie verheiratet werden. Doch Bernadine weigerte sich standhaft. Ihr Herz gehörte bereits einem anderen. „Ich floh zu den Ordensfrauen“, erzählt Bernadine. Alles Bitten und Flehen half nicht. Ihr Vater ließ sich nicht überzeugen. So blieb Bernadine bei den Schwestern und heiratete, nachdem sie volljährig war, ihren Ausersehenen: den Katechisten Edmond.

Werden auch Sie zum Mädchenretter ...

... und geben Sie mit Ihrer Spende eine Starthilfe!
mehr lesen
.
© 2009-2017 missio Aachen